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Seelenhölle

Nutzer: charleene
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geschrieben am: 15.11.2000    um 19:15 Uhr   
Ich bin mir eigentlich garnicht so sicher, ob es der richtige Weg ist hier reinzuschreiben, nur um aus meiner momentanen Seelenhölle zu entfliehen. Aber ich versuche einfach mal meine Gedanken in Worte zu fassen und schreibe auf, was mich gerade so bewegt, bzw. was mein Problem ist. Es wird vermutlich alles durcheinander geschrieben sein, weil ich zur Zeit keinen klaren Gedanken fassen kann.

Irgendwie bin ich des Lebens überdrüssig. Mir ist aufgefallen, daß ich plötzlich Songs über Menschen höre, die Selbstmord begangen haben und daß ich mir wünsche, an der Stelle dieser Menschen zu sein. Dann hocke ich völlig deprimiert in einer Ecke und grübel über mein bisheriges Leben nach und wie es weiter gehen soll oder ob es überhaupt weiter gehen soll.
Ich kann mich da eigentlich selbst nicht verstehen, denn ich bin grade mal 20 Jahre alt und es liegt noch mein ganzes Leben vor, nur interessiert es mich nicht. Aber dann doch irgendwie schon.
Als ich im Juli meine Ausbildung beendet habe, war ich noch guter Dinge und habe mir vorgestellt, wie toll es ist, endlich ein freier und unabhängiger Mensch zu sein.
Das Leben hat mich dann mal wieder eines Besseren belehrt und ich hatte mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen. So hab ich mir meine Zukunft dann doch nicht vorgestellt.
Seitdem arbeite ich als Saisonkraft am Band. Diese Arbeit hat mir geholfen, meine Zukunftsangst zu verdrängen. In zwei Wochen läuft der Vertrag aber aus und nun habe ich wieder diese Angst. Angst davor, in meinen elernten Beruf zurückzukehren, in diesem Job zu versagen, nicht den Erwartungen zu entsprechen... Ich überlege zwar eine neue Ausbildung zu machen, aber denke auch gleichzeitig, daß es mir nach der neuen Ausbildung nicht besser ergehen wird als jetzt.
Derartige Versagensängste hatte ich bisher noch nicht und weiß garnicht, wie ich damit umgehen soll. Einfach hinnehmen und mir selbst sagen: Alles Unsinn, Du weißt was Du kannst und das alleine zählt. Laß Dich von Deinen Ängsten nicht verrückt machen. Die hat jeder mal, das vergeht wieder?
Ich bin seinerzeit in den Chat gegangen um dem Reallife zu entfliehen, hat ja auch alles super geklappt, bis auf die Tatsache, daß man alleinschon durch die Standardfragen immerwieder an das "echte Leben" erinnert wird. Und nun versuche ich meine Probleme mit Hilfe des chats zu lösen.
Das ist zwar nicht das einzige Problem, daß mich schlaflose Nächte kostet, aber im Moment das größte.
Ich hoffe, daß irgendwer Verständnis dafür aufbringen kann, daß ich das einfach mal niederschreiben mußte. Ob es irgendwen interessiert oder auch nicht, ist für mich nebensächlich.
charly

[Diese Nachricht wurde geändert von: charleene (geändert am: 15-11-00).]
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Nutzer: Deedlit
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geschrieben am: 15.11.2000    um 20:04 Uhr   
Ich glaube, ich kann nachvollziehen, wie es dir geht.
Du hast Recht - Diese Sorgen und Probleme haben wir alle eines Tages einmal. Die Zukunft ist einfach Ungewiss und niemand kann sie vorhersagen, niemand kann sie dir versprechen.
Doch man kann sie in die Hand nehmen und versuchen, sie nach seinen Vorstellungen zu formen.
Selbtmord...ich habe Angesichts der Tatsache, dass ich meine Zukunft selbst in die Hand nehmen muss, wenn ich eine haben will und mit dem Bweusstsein, dass ich dazu niemals die nötige Kraft und das nötige Selbstvertrauen besitzen werde, auch schon oft daran gedacht. Man fragt sich, wozu soll man leben, wenn man es doch nie zu etwas bringtt? Plötzlich steht man in der Welt und muss klarkommen..... ein neuer Anfang...und die meisten Anfänge sind sehr schwer.....
Wenn man sieht, wie es anderen geht, wie sie alles schaffen und nicht solche "Seelenhöllen" durchleben, dann fühlt man sich noch mehr als ein Versager..... aber ich bin sicher, es geht allen so.
Man kann nie wissen, ob man etwas schaffen wird......man muss es versuchen, oder man wird auf der strecke bleiben.
Auch wenn man es sich nicht zutraut...wer nicht anfängt zu kämpfen, der kann zwar gar nicht erst verlieren, aber gewinnen kann er auch nicht:
Manchmal zwinge ich mich ohne lang nachzudenken, mich zu irgendetwas zu verplichten, irgendeine Arbeit zu tun, oder bei irgendetwas, wo es darauf ankommt, was ich tue, mitzuwirken..... am Ende, wenn es kein Zurück mehr gibt, hasse ich mich zwar dafür...aber wenn ich dann beginne, das zu tun, was ich mir da eingebrockt hab, dann gewöhne ich mich daran und merke, dass ich es doch besser kann, als ich dachte. Das ist wie mit Eislaufgen..am Anfang traut man sich nicht aufs Eis...sieht alle vorbeifahren, ist traurig, dass man nicht mitmachen kann, weil man zu viel Angst hat...aber eines tages zerren einen Freunde einfach so auf die Fläche, wenn man wieder nur mit Schlittschuhen vor dem Eis stand und gezögert hat. Man sieht sich plötzlich in der Mitte der Fläche,man wird dort bleiben, wenn man sich nicht traut, erste schritte zu machen. Also fängt man an, mit zittrigen beinen zu laufen. Vielleicht fällt man, aber durch Misserfolge lernt man, wie man etwas nicht macht. Letztenendes wird man so immer besser und am ende kann man Eislaufen.....
Warum sollte das bei wichtigen Dingen im leben anders sein? Du weisst, dass du arbeiten musst. Du hast einen beruf erlernt und erinnerst dich daran, wie glücklich du warst, als du die ausbildung beendet hattest.
Keine Bange, wer sich vor dem Nichts sieht, der kann nichts verlieren. Also versuch es...und wenn du dich unsicher fühlst, dann wiederhole die ausbildung, wie du es geschrieben hast..... aber egal wie unsicher du dir bist, du kannst es trotzdem schaffen....
es ist schwer! Aber dazu besitzen Menschen Stärke..... die müssen sie nur erwecken und dann nutzen.... trau dich..... tu es einfach, spring über alles andere hinweg...
Manchmal muss es sein, tu es ohne zu überlegen, damit die zweifel dann kommen, wenn nichts mehr zu ändern ist...denn dann kann man es immernoch besser schaffen, als wenn sie schon vorher da sind und einen gar nicht erst entscheiden löassen.
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Nutzer: Gast_fratzmaus
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geschrieben am: 15.11.2000    um 20:14 Uhr   
Liebe charly!
Habe Deine Zeilen mit großem Interesse gelesen (und auch mit Verständnis..lächel..)
Mir fiel dabei besonders auf, dass Du schreibst, dass Du zwar noch andere Probleme hast, aber nur ein "Größtes"...
Ich habe den Verdacht, dass es genau umgekehrt ist...ja, wirklich.
Ich kenne das von mir: Arbeitslosigkeit, damit verbundene Geldknappheit; kein Freund zum kuscheln; verliebt - leider nur einseitig... soll ich noch mehr aufzählen?
Sichtbar ist das Problem der Arbeitslosigkeit - dagegen kann man aber was tun...zumindest versuchen.
Gegen unglückliche Liebe kann man leider gar nichts tun...oder doch?
Was ich damit sagen will: letztlich ist es die Summe der Sorgen, die uns dann Angst macht.
Je mehr wir uns dann reinsteigern, werden die Sorgen und wird die Angst umso größer.
Vielleicht ein Tipp
Wenn Du morgens erwachst, gehe zu Deinem Spiegel, mach mit Dir selbst einen kleinen Scherz, wenn Du dann lachst (über Dich selbst) sieht die Welt schon etwas freundlicher aus
dann gehe in die Küche, überlege Dir, was Du leckeres essen magst und nimm Dir ausgiebig Zeit dafür
während Du frühstückst, nimm Dir einen Zettel und einen Stift
Du notierst Dir, was heute ansteht, was Du erledigen kannst
kann ruhig eine längere Liste sein
was Du nicht an einem Tag schaffst - später -
Vor allem denke über die Dinge nach, die Du gerne tust und flechte sie in Deinen Tagesplan mit ein (wenn die Zeit es erlaubt)
Auf jeden Fall, liebe Charly - verwöhne Dich selbst
wenn Du Dich mit Dir selbst wohl fühlst, spüren das auch alle anderen...ein angenehmes Gefühl, kann ich Dir sagen...*g*
(halben Roman geschrieben...)
Wenn das alles nicht auf Dich zutrifft, überlies es einfach!
Viel Glück, liebe charly..
wünscht Dir
fratzmaus...(die leider nicht mehr 20 ist)
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Nutzer: charleene
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geschrieben am: 15.11.2000    um 20:32 Uhr   
Zunächsteinmal danke, daß ihr Euch die Zeit genommen habt, etwas hierzu zu schreiben. Auch für Euer Verständnis danke ich Euch.
@deedlit Deine Worte geben mir zwar neuen Mut und vorallem die Gewißheit zu wissen, daß es nicht nur mir so geht und auch andere Leute an sich und der Welt zweifeln.
Eigentlich weiß ich ja, daß es stimmt was Du sagst, nur bin ich im Moment nicht in der Lage, das auch in die Tat umzusetzen.
@fratzmaus Liebeskummer hab ich keinen, bei meinen anderen Sorgen, geht es mehr um meine Position in der Familie und das drumherum. Ist aber ein anderes Thema und im Vergleich hierzu eher unwichtig und verdrängenswert.
charly
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Nutzer: Gast_fratzmaus
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geschrieben am: 15.11.2000    um 20:56 Uhr   
trotzdem charly, schreib Dir hier alles von der Seele.
Das ist auf jeden Fall gut.
Ich bin sicher, nicht nur einige haben Probleme wie Du jetzt und mit Deiner Hilfe werden auch sie den Mut haben darüber zu sprechen
und ihr könnt Euch gegenseitig helfen.
[i]lass Dich mal von mir umarmen
meine Kleene[/i]
wird alles wieder gut, charly
lieb grüßt
fratzmaus
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"Autor"  
Nutzer: charleene
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geschrieben am: 18.11.2000    um 08:51 Uhr   
Ich danke Euch beiden nochmal, daß Ihr mir zugehört und mir Tips gegeben habt. Es hat mir auf jedenfall sehr geholfen, hier reinzuschreiben und Ihr habt mir wieder ein bischen Mut gemacht. Mal sehen wie es weitergeht.
charly
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Nutzer: Gast_mariana.
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geschrieben am: 18.11.2000    um 14:23 Uhr   
..hoi charleene :-))
habe deinen thread gelesen und verstehe dich gut ..wie es im moment in dir aussieht ...
was ich dir im " guten raten "kann ...du bist sehr jung ...und es lohnt zu kämpfen ...fratzmaus sagt es ja schon ...
und ich bin überzeugt du schaffst das ...
tu es für dich ..bitte ...
dich mal tröstend drückt und sagt du schaffst das ...ich weiss von was ich rede ...
alles gute und viel glück dabei
herzlich von Mariana :-))
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