|
|
|
geschrieben am: 17.11.2000 um 12:48 Uhr
|
|
Branwen - Die Tänzerin des Westens
Das Land lag in Asche und der Himmel hallte wider vom Schreien der erschlagenen Töchter und Söhne der Götter. Ein einziger Wald vermochte sich gegen das tobende Unheil zur Wehr zu setzen
Das Unheil in Gestalt des Barrochs, einer Kreatur, wie sie seit Beowulfs Zeiten nicht mehr auf der Erde gesehen worden war. Des Nachts spie er, der Barroch, Feuer, des Tags aber Eis.
Seine Zähne glichen geschliffenen Eiszapfen, und troffen vor tödlichem Gift.
Der Barroch duldete keine Zuflucht und so machte er sich auf, den letzten Wald zu vernichten.
Im Zaugerwald lebten die Wesen, die sich noch hatten in Sicherheit bringen können, unter dem Schutze von vier Magiern. Es war ein schöner Wald. Groß, ruhig, geheimnisvoll. Und doch voller Lebenskraft und Freude.
Nun, als der Barroch schon viele Tage durch die von ihm geschaffene Wüste stapfte, wurde er gesehen, von einem Mistkäfer, der als einziger die Vernichtung seines Volkes überlebt hatte. Jener Mistkäfer Fendrich, ahnte des Barrochs Vorhaben und flog mit aller Kraft, auf das er den Zaugerwald noch vor dem Untier erreiche.
Dort angekommen, suchte er zunächst den grauen Bären Hondras, den ältesten Magier auf, um ihm von dem drohenden Unheil zu berichten. Doch dieser scheuchte ihn fort, weil er Gekrabbelgetier haßte. Es störte ihn immer in seinem Winterschlaf, und nun wolle er auch nichts mit ihm zu tun haben.
Verstört flog der Mistkäfer zu Gelwana, der Bienenkönigin und zweitältesten Magierin.
Doch die Bienen schämten sich ihrer Verwandtschaft mit diesem niederen Getier und weigerten sich, ihn zu empfangen und ihm zuzuhören.
Erschöpft und auf das tiefste traurig begegnete er dem dritten Magier: Sachana, dem jungen Einhorn. Doch auch dieser wies ihn mit den Worten ab “Du lebst in meinem Kot, was soll ich da jetzt mit dir sprechen wollen?”
Fast mutlos flog Fendrich durch den Wald, als er an der Höhle von Branwen, der vierten und jüngsten Magierin anlangte. Zu erschöpft, einen weiteren Versuch zu wagen, wartete er einfach vor ihrer Höhle und hoffte, nicht wieder abgewiesen zu werden.
Als Branwen zum Wasserholen heraustrat, zerquetschte sie ihn fast. Doch mit letzter Kraft schrie der Käfer ihren Namen . . . Sie hörte ihn, nahm ihn auf ihre Hand, spendete ihm Trost und glaubte ihm.
So kam es, dass Branwen den “Rat der Vier” einberief und den anderen Magiern die Ernsthaftigkeit ihrer Lage mit allen Mitteln bergreiflich zu machen versuchte. Nach vielen Stunden und einer schier nicht enden wollenden Diskussion glauten die anderen drei Magier ihr endlich und gaben den jeweilig anderen Ratsmitgliedern ihre Entscheidungen bekannt.
Hondras grollte: Ich will im Norden stehen und das Untier mit meinen Tatzen zerschmettern..!
Gelwena surrte: Ich will im Süden stehen und dem Untier Hals und Augen zerstechen, aufdaß es blind ersticke . . . !
Und Sachana schnaubte: Ich will im Osten stehen und das Untier mit meinem Horn aufspießen und dann in die tiefste Talschlucht werfen...!
. . . Ihr kennt die großen magischen Tiere und ihre großen Pläne . . !
Branwen aber nur leise . . . : So will ich dann den Westen bewachen. Und weil sie die Jüngste war und niemand so recht an sie glaubte...fragte auch niemand nach, was sie denn zu tun gedenke.
Sie flüsterte mit dem Mistkäfer und ging dann leise davon.
. . . Und die Erde erzitterte unter seinen Klauen,und sein Feueratem verhüllte den Himmel, und er schnaubte so laut, das er Branwen zunächst nicht bemerkte in seiner Wut.
Doch sie sprang vor ihm in die Höhe und fuchtelte energisch mit ihren Armen. Der Barroch hielt verblüfft inne, erstaunt, daß ein so zierliches Wesen nicht in panischer Furcht vor ihm die Flucht ergriff . . .
“Mach nicht so einen Lärm ! Du störst unser Konzert ! ” . . . Unwillig neigte das Untier seinen Kopf, lauschte... und siehe da, ein leises Geräusch drang in seine Ohren. Zunächst nur ein leises Zirpen, sehr zart und sehr vorsichtig . . . eine süße, sti |
|
|
|
|