|
|
|
geschrieben am: 17.11.2000 um 18:22 Uhr
|
|
[i]Liebe Jenny
Zu meiner Verwunderung lebe ich noch heute...
Trotz aller selbstzerstörerischer Motive friste ich ein Dasein zwischen Weinen und Lachen, Sterben und Gedeihen, Begierde und Aufgabe. Ich lebe und weiß nicht warum. Es hätte genügend Gründe gegeben, dem allen ein Ende zu setzen. Enttäuschung, Hass, Aussichtslosigkeit, all die Gefühle, die Millionen von jungen Menschen, Menschen wie du und ich, dazu veranlassen durch wahnsinnige Suizidpläne sich von Brücken, vor Autos zu werfen und damit ihrem mickrigem Leben ein Ende zu setzen. Und ich? Ich bin feige, traue mich nicht... es ist alles so entgültig. Warum kann ich die Zeit nicht anhalten, vorspulen und wenn nötig noch mal von vorne beginnen. Ist das das Geheimnis? Der unwiderrufliche Verlauf der Zeit? Manchmal habe ich das Gefühl, die Zeit an mir vorbeiwehen zu spüren, wie seichter dickflüssiger Wind... die Erde dreht sich schneller als ich es tue... immer dann wenn ich so sitze wie hier...
Ich habe mein Zimmer abgedunkelt, von der Ferne dringen Stimmen und leise Musik an mein Ohr... ich kann sie nicht verstehen und doch weiß ich, daß sie da sind... Ist es nicht immer so? Menschen sprechen mit dir, lassen dich hier mal da an ihrem Leben teilhaben und doch siehst du nie den Menschen, immer nur die Worte die vor der Seele eines Menschen stehen und diesen vor fremden Blicken schützen...
Bin ich pervers nur weil ich mich nach fremden Gedanken sehne? Weil mich die triste Welt meines Kopfes langweilt? Weil dort immer nur die selben programmierten Fragen herrschen?
WIE kann ich es beginnen?
WAS soll ich tun?
WARUM hört mich keiner an?
WER kennt mich?
Eine gute Frage... kennst du mich? Kennst du mich wenn ich kurz vor dem Abgrund stehe, die Aussicht geniesse und nur einen Schritt mehr bräuchte? Wenn ich freudestrahlend im Regen tanze, um nur im nächsten Moment niederzufallen und regungslos zu verharren?
Ich bin geneigt diese Fragen mit ja zu beantworten... doch vielleicht ist auch das nur eine Illusion, ein Wunschtraum, so unwirklich wie die Vorstellung von Perfektion einer zwischenmenschlichen Beziehung...
Im Grunde genommen sind wir alle einsam...
Du, ich, die Frau, die mich in der Straßenbahn mustert und so gestellt desinterssiert guckt, daß ich kotzen möchte. Gespielt? Ja... vielleicht sehnt auch sie sich nach einem freundlichen Zunicken, einem Zeichen, daß sie bemerkt wird und nicht in der Masse untergeht. Ich habe das Gefühl, daß ich langsam verstehe, warum du so darüber denkst... Gewolltes Untergehen, ein Selbstschutz gegen böse Blicke gegen das Übersehen werden. Lieber gewollt übersehen werden, als ungewollt, gibt einem Sicherheit beeinflussen zu können. Wie war das damals? Ich seh dich nicht, also siehst du mich auch nicht! Ein Gesellschaftspiel für den Narzisten in uns! Gibt es etwas schlimmeres? Außer der wohl portionierten Popkultur, die unsere Generation vergiften soll? Wir sind die neue Generation! Sie nennen uns Generation Y und ich habe keinen blassen Schimmer warum sie das tun! Vielleicht wollen sie uns zum Überblick durchnummerieren! Sie sagen, wir wären die Jugend, die bereit wäre ihre Zukunft selber in die Hand zu nehmen! Ridikül! Wir brauchen keine Führung! Wir brauchen keine vorgepflasterten Wege! Von wegen! Wollen wir sie?
"Kaut mir mein Wissen vor, ich hab so ne schlechte Verdauung!" oder "Führt mich über die Straße, ihr Eltern, Lehrer und Priester, ich bin von Geburt aus blind!"
Alle Gedanken wurden bereits gedacht...
Blind? Taub? Stumm? Ein autistisches Dasein! Aber es ist mein Leben! Finger weg von meinem Blut!
"Sozialversicherungsnummer?"
"Blutgruppe?"
"Rentenvorsorge?"
"Was hat der junge Werther mit Suizid zu tun?"
"Geht es ihnen nicht gut? Sie sind so blass, kotzen Sie ja nicht auf den Perserteppich!"
"Möchten sie sich setzen? Soll ich ihnen ein Glas Wasser bringen? Kostet 2,. plus Mehrwertsteuer!"
"Sie wollen einen Job? Warum tragen sie Schwarz? Ist jemand verschieden? Ob wir Celan |
|
|
|
|