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geschrieben am: 24.12.2000 um 21:05 Uhr
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Der 24. Tag
Es war ein lauer Morgen, gegen Ende Dezember. Ein wenig Raureif bedeckte das pralle Grün der Wiese, die Inas Haus gegenüberlag, und an einer Stelle glänzte die Straße, die mitten durch das kleine Dorf führte, vom Eis eines Mineralwassers, das gestern jemand aus dem Fenster gekippt hatte. Hier und da hüpfte sogar ein Vogel über den Asphalt, sprang auf das rostrote Bachgeländer auf einer der Straßenseiten und flog dann ab in eine naheliegende Buche, von der sich durch die Berührung des winzigen Gewichtes direkt ein grüngelbes, halb verschimmeltes Blatt löste und in das erträglich kalte Wasser fiel. Was für ein Tag, dachte Ina, als sie das Fenster schloss, ihr Seufzen wurde zu Niederschlag an dem Glas. Hinter ihr winselte der Hund, er hatte sich dorthin gesetzt und wartete sehnsüchtig blickend darauf, dass man ihm etwas Beachtung schenke und ihm die Haustür aufschließe. Ina schlüpfte wieder in ihre Pantoffeln, zerzauste dem Wollknäuel den Kopf und schnappte es bei dieser Gelegenheit am Halsband, um es mit sich aus dem Zimmer zu ziehen, es die verstaubte Treppe hinunterzujagen und gleich darauf schon zu vergessen. Damit schloss sie wieder die Tür -hinter sich - und wühlte sich durch ein Chaos aus wäschereifen Kleidern, Büchern, Fellknäueln, Schokoladenpapierchen und leeren Flaschen zu dem braunen, abgesessenen Stuhl vor ihrem nagelneuen PC, riss entgültig einen losen Lederfetzen davon ab, sodass sein gelbes Polster zum Vorschein kam, und setzte sich plump und gähnend mit den nackten Oberschenkeln darauf. Mit einer Hand tastete sie auf dem überfüllten Schreibtisch nach ihrer Haarbürste, mit der anderen patschte sie so lange über Monitor und Tower, bis das Geräusch des anspringenden Lüfters des Computers zu hören war. Sie war noch ganz müde...warum war sie bloß schon so früh aufgestanden? Kopfschüttelnd bemerkte sie, dass sie in den Ferien noch nie früher als 11 Uhr aufgestanden war, außer heute. Ja, heute würde vielleicht - hoffentlich, dachte sie - noch mehr anders sein, als sonst immer, an jedem verdammten Tag im Jahr. Wer wusste es. Nachdem sie ihren Dienst erledigt hatte, warf sie die Bürste hinter sich aufs Bett und begann damit, sich in Windows zum Mailprogramm vorzuklicken, vielleicht hatte man ihr ja gemailt, das war bis jetzt noch die wichtigste Frage für sie, an diesem misslungenen Wintertag. Gerade wollte sie die Nachrichten abrufen, da hörte sie vom ersten Stock ein lautes Gejammer und Gefluche herauf klingen. "INA!!", rief jemand unüberhörbar zornig. Sie verdrehte die Augen, denn eigentlich wusste sie, was jetzt kam. "STEH AUF,ZIEH DICH AN UND DANN GEH MAL MIT DEM HUND RAUS! DIE HAT SCHON WIEDER GEPISST!" "Jaja.." murmelte sie, rutschte vom Stuhl, an dem ihre Haut schon geklebt hatte und trat mit dem Fuß gegen einen umgestürzten Pappkarton, der darauf polternd weiter nach hinten in dem engen Zimmer flog, ihr Platz zum Vorbeigehen machte. Schnell beugte sie sich noch über die Tastatur, tippte das Kennwort für den Internetzugang ein und schnappte sich während der Anwahl eine Jeans, die sie schon seit 2 Wochen trug, um halbherzig hineinzuschlüpfen. Eine Melodie stieg dabei in ihrem Gedächtnis auf, sie summte sie...was war das noch für ein Lied....für einige Momente stand sie still und grübelte....dann fiel es ihr der Tat ein....sie hatten es am letzen Schultag doch noch gesungen. Blödes Lied, aber es mutierte zum Ohrwurm der einfach nicht mehr aus ihrem Schädel wollte.. "Go tell it on the mountain.." "INA!!", unterbrach sie ein lauter Schrei. "Ich geh nicht mit dem Hund raus! Sag ihr sie soll runterkommen!!", murmelte jemand zu dem wütenden Schreihals. "Sei du mal ruhig!" , erwiderte der Schreihals. Ina sparte sich eine Antwort, nahm frische Socken aus dem Schrank und rannte mit den Pantoffeln unterm Arm die Treppe herunter bis zum Wohnzimmer. Dort blieb sie stehen und lauschte. Wieder einmal regten sich ihre Großmutter und ihre Mutter über sie auf. Sie hasste es, wenn die beiden wie so oft stritten, was |
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