| "Autor" |
Paul Celan |
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geschrieben am: 14.01.2001 um 20:39 Uhr
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[b]Zähle die Mandeln[/b]
Zähle die Mandeln,
zähle, was bitter war und dich wachhielt,
zähl mich dazu:
Ich suchte dein Aug, als duÂ’s aufschlugst und niemand dich ansah,
ich spann jenen heimlichen Faden,
an dem der Tau, en du dachtest,
hinunterglitt zu den Krügen,
die ein Spruch, der zu niemandes Herz fand, behütet.
Dort erst tratest du ganz in den Namen, der dein ist,
schrittest du sicheren Fußes zu dir,
schwangen die Hämmer frei im Glockenstuhl deines Schweigens,
stieß das Erlauschte zu dir,
legte das Tote den Arm auch um dich,
und ihr ginget selbdritt durch den Abend.
Mache mich bitter.
Zähle mich zu den Mandeln.
[b]Dein[/b]
Hinübersein heute Nacht.
Mit Worten holt ich dich wieder, da bist du,
alles ist wahr und ein Warten auf Wahres.
Es klettert die Bohne vor
unserm Fenster: denk
wer neben uns aufwächst und
ihr zusieht.
Gott, das lasen wir, ist
ein Teil und ein zweiter, zerstreuter:
im Tod
all der Gemähten
wächst er sich zu.
Dorthin
führt uns der Blick,
mit dieser
Hälfte
haben wir Umgang.
[b]Psalm[/b]
Niemand knetet uns wieder aus Erde und Lehm,
niemand bespricht unseren Staub.
Niemand.
Gelobt seist du, Niemand,
dir zulieb wollen
wir blühn.
Dir
entgegen.
Ein Nichts
waren wir, sind wird, werden
wir bleiben, blühend;
die Nichts-, die
Niemandsrose.
Mit
dem Griffel seelenhell,
dem Staubfaden himmelswüst,
er Krone rot
vom Purpurwort, das wir sangen
über, o über
dem Dorn.
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