| "Autor" |
"Wachwerden" |
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geschrieben am: 16.01.2001 um 03:13 Uhr
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Früher war dein Himmel klarer
und du fühltest dich freier,
wenn Unangenehmes geschah,
konntest Du besser damit umgehen,
hast es anders neutraler gedeutet,
du hattest genügend Möglichkeiten,
in die klare Weite zu schauen.
Doch je älter Du wurdest,
je öfter Du verletzt wurdest,
je mehr Unrecht Du beobachtet hast,
desto schwieriger wurde es,
glücklich zu bleiben,
die Mißstände schienen immer allgegenwärtiger,
die Momente des Luftholens immer unmöglicher.
Immer enger fühltest Du dich eingekreist
von den Widrigkeiten aller Art,
denn du konntest immer weniger vergessen
mußtest immer öfter an sie denken,
hattest sie zu oft erlebt,
um sie noch übersehen
und etwas anderes genießen zu können.
War das das Wachwerden, von dem andere sprachen,
zu erkennen, daß man umgeben ist
von Dunkelheit, Unzufriedenheit, Krankheit, Routine,
daß es kein Entkommen gibt,
und zu sehen, daß das alles gewesen war?
Wo ist das Licht in Deinen Augen,
ich sehe nur noch Verzweiflung und Unzufriedenheit -
wie konntest Du Dich so verändern?
Wenn DAS Wachwerden bedeutet,
hättest Du lieber „weitergeschlafen“.
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| "Autor" |
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geschrieben am: 16.01.2001 um 04:19 Uhr
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Du
Ich traf Dich letzten Sommer
auf einer Bank
unter der Kastanie -
wir schauten uns an
und es bedurfte keiner Worte.
Früher habest Du reichlich erzählt
und viel durchgemacht, sagt man,
mehr als wir alle zusammen,
verzweifelt seist Du gewesen,
habest viel Hilfe gebraucht.
Heute sprichst Du nicht mehr,
reagierst nicht auf Fragen,
Dein Blick, Deine Anwesenheit
sind hinreichend Antwort -
Du hast Frieden gefunden.
Du hast so viel erlebt -
Gut und Schlecht, Schwarz und Weiß -
und alles mittendrin,
brauchst es nicht mehr -
bist Dir selbst Glück genug.
Gern wäre ich schon so weit wie Du.
Sprichst Du auch nicht in Worten,
zeigst Du doch manchem,
der für Dich offen ist, schweigend,
was alle Rede dieser Welt niemals vermag.
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