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geschrieben am: 11.02.2001 um 17:00 Uhr
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Hölle
Er saß da und war traurig. Es gab keinen bestimmten Grund für seine Traurigkeit und Niedergeschlagenheit, es war mehr ein allgemeines Resignieren. So viele Dinge, die ihn störten, ihn verbitterten, so viele Dinge, über die er nachdenken musste. Hinzu kam noch dieses Gefühl der inneren Leere. Er wollte etwas machen, sich einfach nur irgendwie beschäftigen und ablenken, aber alle Beschäftigungen, die ihm einfielen, erschienen ihm trostlos und langweilig.
Von unten hörte er das Lärmen des Fernsehers, und er musste feststellen, dass es ihm auf den Wecker ging. Am liebsten hätte er geschrieen, aber noch nicht einmal das konnte er. Er stand auf und verließ sein Zimmer. Langsam, wie in Trance, ging er die Stiegen hinunter ins Wohnzimmer. Der Fernseher zeigte gerade eine Gestalt, die bewusstlos oder auch tot zu Boden fiel. Danach schwenkte die Kamera auf den hämisch grinsenden Angreifer.
Er nahm die Fernsteuerung und warf sie in den Fernseher. Das Glas des Bildschirms splitterte, und Funken stoben aus dem freigelegten Inneren. Scheinbar war es dadurch zu einem Stromausfall gekommen, denn das Licht war erloschen, ebenso wie sämtliche Digitaluhren im Haus. Die Zeit war stehengeblieben.
Warum hatte er den Fernseher soeben zerstört? Es musste wohl das Grinsen des Angreifers gewesen sein, dass ihn gestört hatte. Ihm war gar nicht zum Grinsen zumute, als er über die Leiche seiner Mutter stieg. Wie lange lag sie hier schon? Er hatte keine Ahnung. Er hätte dazu vielleicht auf die Uhr sehen sollen, als er ihr das Küchenmesser in den Rücken gerammt hatte. Der Stand der Sonne konnte ihm auch keinen Rückschluss geben, da die Jalousien schon die längste Zeit überall im Haus heruntergelassen waren. Dem Gestank nach musste sie jedenfalls schon länger hier liegen.
Tastend bewegte er sich durch die Dunkelheit, um in die Küche zu gelangen. Er öffnete den Kühlschrank, um ihn nach etwas Essbarem zu durchstöbern, fand aber nur abgelaufene Milch und verschimmelte Paprika. Essen fiel also flach. Es sei denn, er schnitt sich ein saftiges Stück von seiner Mutter ab. Aber vor Kannibalismus hatte es ihm schon immer gegraut.
Im Arbeitszimmer war sein Vater. Seine Augen hatten sich schon soweit an die Dunkelheit gewöhnt, dass er die Umrisse der väterlichen Leiche ausmachen konnte. Kraftlos hing sie im Stuhl vor dem Computer, dessen Monitor ebenfalls seit dem Stromausfall schwarz war.
Er versuchte sich daran zu erinnern, wo er seinen kleinen Bruder gelassen hatte. Wahrscheinlich war er gemeinsam mit dem Hund draußen im Swimming Pool, unter der Plane. War das nicht auch der Grund gewesen, weswegen er mit seiner Mutter diesen sinnlosen Streit angefangen hatte? Er wusste es nicht mehr. Sein ansonsten so makelloses Gedächtnis schien Lücken aufzuweisen, die rasch immer größer wurden. Vergessen, das war genau das, was er gewollt hatte. Und nun schien es tatsächlich zu funktionieren. Es war doch schon komisch. Früher hatte er sich immer alles merken können. Und nun wusste er nicht einmal mehr seinen eigenen Namen. Er wollte zum Telefon gehen, um irgendjemanden anzurufen, der ihm helfen konnte sich zu erinnern. Er hob den Hörer des Telefons ab, aber er konnte kein Freizeichen hören. Er fragte sich, seit wann das Telefon tot war. Dann ließ er den Hörer achtlos fallen. Er wusste sowieso keine Telefonnummern mehr, die er hätte wählen können. Er begab sich wieder ins Wohnzimmer und stolperte abermals. Er wusste nicht, was es war, über das er da gestolpert war, aber es stank erbärmlich. Bei eingehenderer Betrachtung stellte er fest, dass es eine Frau war. Wie kam sie nur hierher? Und wer war sie? Egal, er musste weiter. Wohin? Er hatte keine Ahnung. Wohl vergessen, was soll's. Hauptsache weiter, Hauptsache weg. Weg von was? Er versuchte sich zu erinnern, aber es gelang ihm abermals nicht. Er wankte die Stiegen hinauf, eine Stufe nach der anderen. Oben angekommen, fragte er sich, wo er wohl war. Es fiel ihm nicht ein. Er drehte sich um, um zu sehen, woher er gekommen war. Er blickte die Stufen hinunter. Und er sah den schwarzen Schlund. Ohne Vorwarnung fiel ihm zumindest das richtige Wort DAFÜR ein: Hölle. Dann ließ er sich einfach fallen.
Dies war jetzt eher eine Geschichte als ein Gedicht *gggg*
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