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geschrieben am: 14.02.2001 um 03:44 Uhr
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Niemand hält mich
Traurigkeit,
Leere,
Einsamkeit.
Leben?
Wozu? Für wen?
Es wird sich niemals etwas ändern.
Nicht die Einsamkeit,
nicht die Leere,
nicht diese unendliche Traurigkeit...
Aber niemand versteht mich.
Niemand kann es nachvollziehen.
Alle reden mir Mut zu -
Worthülsen.
Glauben sie wirklich, was sie sagen?
Oder wollen sie nur ihre Angst,
ihre eigene Hilflosigkeit überspielen?
Warum soll ich ihnen noch etwas erzählen?
Ich erschrecke sie mit meiner Traurigkeit.
Vielleicht langweile ich sie auch.
Es ist ihnen unwohl,
sie wissen nicht, was sie sagen sollen.
Vielleicht wollen sie ihre eigene
Traurigkeit nicht spüren...
Also gehe ich.
Hier will ich nicht mehr bleiben,
ich kann es auch nicht mehr.
Es ist alles vorbereitet.
Niemand weiß es,
niemand würde es verstehen.
Niemand?
Ich habe nie ihren Erwartungen entsprochen.
Jetzt aber will ich sie erfüllen.
Ein Abgang in Kitsch,
so, wie sie ihn sich vorstellen.
Stilvoll?
Das Zimmer voller Kerzen,
Alkohol und Tabletten zum Betäuben,
Die Rasierklingen liegen bereit.
Stilvoll
Oder geschmacklos?
Der Kerzenschein wirft Schatten,
romantisch, gespenstisch.
Der tote Prinz begleitet mich
während ich mich betrinke,
Tilo singt mich in das nächste Leben.
Halt mich, mein Leben - nein.
Dieses Leben nicht mehr.
Der Schmerz ist kaum zu ertragen.
Sanctus
Ich bin so müde...
Mein Körper ist schwer
doch mein Kopf ist wunderbar leicht.
Der Ballast ist weg,
keine Angst mehr,
kein Druck mehr zu spüren.
Eine seit Jahren nicht mehr erlebte Leichtigkeit.
So stelle ich mir Glück vor!
Hier bin ich willkommen,
hier kann ich leben!
Endlich!
Doch etwas hält mich zurück.
Es lässt mich nicht los,
zieht mich wieder weg.
Ich wehre mich,
doch ich bin zu schwach.
Ich will hier bleiben.
So lasst mich doch, lasst mich gehen!
Aber diese Kraft ist stärker,
ich habe keine Chance.
Eine Stimme dringt wie durch Watte zu mir:
Gott sei Dank, er hat es geschafft...
Sie fragen und fragen.
Warum, wieso.
Was soll ich erklären,
sie verstehen es ja doch nicht.
Sie sind freundlich, um mich besorgt.
Sie sagen, sie verstehen mich.
Aber sie verstehen nichts!
Sie wollen hören, dass ich es nie wieder tue.
Aber als sie nicht die Antwort bekommen
die sie wollen,
weicht die Freundlichkeit.
Sie wollen mich nicht mehr alleine lassen,
sie hätten Angst um mich.
Warum lassen sie mich nicht einfach in Ruhe...
Es ist mir egal,
was Pfleger, Ärzte, Schwestern denken.
Sie kennen mich nicht,
wollen mich nicht kennenlernen.
Ich bin eine Last für sie.
Aber was denken meine Freunde?
Wo sind sie?
Warum melden sie sich nicht?
Ich bin einsamer als zuvor.
Niemand versteht mich.
Niemand...
Dass sie mich doch verstehen,
meine Freunde,
das sehe ich an ihren Blicken.
Sie sind gekommen.
Endlich hat man sie zu mir gelassen.
Sie wissen,
dass ich nicht mehr will.
Und sie akzeptieren es.
Sie überzeugen die Ärzte:
Nur ins Cafe, nur eine Stunde.
Aber sie fahren weiter -
ich erkenne die Strecke.
Wir fahren zum Meer.
Wollen sie mir dort zeigen, wie schön das Leben ist?
Habe ich mich geirrt?
Verstehen auch sie nicht,
dass ich nicht mehr will,
nicht mehr kann?
Versteht es wirklich niemand?
Am Strand angekommen packen sie ihre Taschen aus.
Wir lassen uns im Sand nieder.
Die Sonne geht langsam unter,
der Strand ist fast leer.
Dann begreife ich endlich!
Sie packen den Alkohol aus,
die Tabletten.
Ein paar trinken mit mir,
andere bleiben nüchtern,
nehmen mich in den Arm,
helfen mir,
ins andere Leben zu kommen.
Das letzte, was ich wahrnehme,
ist der Kreis meiner Freunde um mich herum.
Dann spüre ich sie wieder,
diese Leichtigkeit.
Und diesmal hält mich nichts zurück.
Niemand
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