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Boten der Dunkelheit

Nutzer: Devilsrose
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geschrieben am: 18.02.2001    um 20:12 Uhr   
Boten der Dunkelheit

"Krähen, die Boten des Todes, ihr Erscheinen muss ein böses Vorzeichen sein! Werden wir Unheil, Krieg, Pest und Not erfahren? Ist es die Ankunft Satans in der Gestalt dieses Vogels oder der heimtückische Zauber einer alten Hexe?"

Solche oder ähnliche Gedanken könnten unsere Vorfahren im Mittelalter gehabt haben, um sich diese Erscheinung auf irgendeine Weise zu erklären. Woher würden sonst Redewendungen und Ausdrücke wie "Rabeneltern", "alte Krähe", "rabenschwarzer Tag", "diebische Elster", "klauen wie die Raben" in der deutschen und in anderen Sprachen stammen? Oder auch "Rabenstein" - damit war ursprünglich der gemauerte Richtplatz unter dem Galgen gemeint. Was aber sind die eigentlichen Gründe der menschlichen Furcht vor diesen Tieren, die Verachtung und Verfolgung nach sich zog?

Gehen wir einmal kurz zurück in die Vergangenheit:

Im Mittelalter wurden die Leichen oder Körperteile der Hingerichteten als Warnung für die Menschen öffentlich zur Schau gestellt. Für die schwarz gefiederten Geschöpfe war dies das reinste Festmahl "Galgenvogel" oder auch "Pechvogel" (Die Aaskrähe) schien die beste Bezeichnung zu sein, um den Ekel und die Angst vor Rabenvögeln zum Ausdruck zu bringen. In der Folge begannen die Menschen diese Tiere sehr schnell mit dem Tod in Verbindung zu bringen. Es schien, als hätte der Rabe keine Angst vor dem Tode und würde sogar die Rolle des Entscheidungsträger einnehmen. ("THE CROW" - Eine Legende besagt, dass eine Krähe die Seele des verstorbenen in das Land der Toten trägt.) Doch diese negativen Auslegungen in unserer Kultur stehen ebenso positive in anderen Kulturengegenüber. Ein ganzer Indianerstamm, die "CROW", verehrten die Rabenvögel. Krähen wurden als Haustiere gehalten, und man sprach ihnen die Fähigkeit zu, die Zukunft weissagen zu können. In anderen Indianerstämmen glaubte man, sie hätten Sonne, Mond und Sterne an das Himmelsgewölbe gehängt. Den Wikingern dienten sie auf See als eine Art Kompass. Die Druiden verehrten den Raben als Tier der Prophezeiung und machten ihn zum Schutztier eines ihrer bekanntesten Clans, des Rabenclans. In der germanischen Mythologie wurde die Geschichte von Odins Begleitern in Form zweier Raben erzählt. Hugin (der Gedanke) und Munin (das Gedächtnis) flogen durch das Land, und wenn sie zurückkehrten, berichteten sie ihrem Herrn über das Treiben seiner Anhänger. Odin wurde daher auch der Rabengott genannt. Aus diesen Gründen wurden Rabenvögel zu mystischen Tieren in Mythos und Dichtung.

Doch nicht nur alte Legenden erzählen und singen von Rabenvögeln, auch heute noch ist vieles ungeklärt. Zum Beispiel wurde beobachtet, wie sich eine Krähe auf einen AMeisenhaufen setzte und ihr Gefieder von Ameisensäure benetzen ließ. Dies wurde als eine Art absichtlich herbeigeführte "Drogenerfahrung" des Vogels interpretiert. Andere berichteten von einem "Krähenbegräbnis". Rabenvögel sollen sich zusammen gefunden haben, um den Tod eines verstorbenen Artgenossen zu betrauern. Derartige Verhaltensweisen lassen sich jedoch wie folgt erklären:
Die "Drogenerfahrung" könnte einfach der Gefiederpflege dienen, und bei dem Begräbnis könnte es sich um eine normale Schlafplatzversammlung gehandelt haben. Früher hieß es: "Wenn eine Krähe unter deinem Dach wohnt, steht dein Haus bald in Flammen." Die Erklärung hiefür ist ebenfalls sehr einfach: Ein junger Kohlrabe (auch Corvus Corax genannt) beispielsweise zeichnet sich durch starke Neugier aus. Er schleppt alles an, was dem Nestbau dienen könnte, wie Draht, Glasscherben, Flaschenverschlüsse, Blechdosen, Zweige; sogar Eisstücke versucht er in sein Nest zu verhaken, bis er merkt, dass Draht und Zweige dafür wohl am Besten geeignet sind. Doch wie schnell Glas und trockene Zweige besonders im Sommer brennen können, ist wohl kein Geheimniss.

Auch heute noch gelten Krähen in allen bekannten Formen überwiegend als "schwarzes Gesindel". Man spricht von einer zu starken Vermehrung und einer gefährlichen Ausweitung der Population. "Sie vernichten die Wintersaat, Jungschafen hacken sie die Augen aus und dezimieren Singvögel in ihrem Bestand." Dieses Unbehagen einer Tierfamilie gegenüber ist natürlich bestens geeignet für die Filmindustrie. Alfred Hitchcock landete so mit "Die Vögel" einen Riesenerfolg. Den meisten Menschen läuft beim Gedanken an die bekanntesten Szenen aus diesem Streifen immer noch ein eiskalter Schauer über den Rücken. Aber warum lassen wir uns von solchen Schauermärchen derartig beeindrucken? Durch Zählungen wurde bewiesen, dass die Anzahl dieser Tiere erheblich zurückgegangen ist. Fehlt es den meisten Menschen in der heutigen Zeit "nur an Wissen"?



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