Auf den Beitrag: (ID: 28539) sind "0" Antworten eingegangen (Gelesen: 237 Mal).
"Autor"

Heimkehr

Nutzer: aLLeister
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 167

geschrieben am: 20.02.2001    um 19:07 Uhr   
Ein Rinnsal vergänglicher Gedanken ist alles was blieb
So blickte er suchend zum nächtlichen Firmament hinauf
Wolkenverhangen...
Düster...
Kein Stern leuchtete in diesem trüben Meer der Unendlichkeit
Sinnlos noch einen Blick darauf zu verschwenden
Er mußte sich eingestehen, er hatte die Hoffnung bis jetzt immer aufrecht erhalten
Eisiger Wind zerrte an seinem Leib
Zerriß das Gerüst seines Glaubens
Kriechende Kälte durchsetzte das Fundament seiner Liebe
Die Dunkelheit nahm er so intensiv wahr, daß er glaubte, sie käme aus ihm selbst
Er war Entbehrungen gewöhnt
Doch wie konnte er etwas entbehren, daß zu einem Teil von ihm geworden war?
Seine Beine trugen ihn an jeden Ort
Wohin er auch gewollt hätte, nichts hätte ihn hindern können
Doch er wollte nirgendwo mehr hin
Wozu?
Warum?
Er hatte alles verloren, was ihm wichtig gewesen wäre
Unwiderruflich
Für alle Zeit
Niemand und nichts würde dies zurückbringen
Seine Trauer war schon längst einer dumpfen Gleichgültigkeit gewichen
Sein Herzschlag klang für ihn, wie das ermüdende Pochen eines Irren an seine Zellentür
Kein Ausweg
Kein Entkommen
Leere Versuche sich vor dem Unvermeidlichen zu verschließen
Er entledigte sich seiner Kleider und legte sich auf das kalte, nasse Gras
"Nimm mich in deine Arme, Mutter Erde
Dein Kind hat versagt
Dein Geschenk war eine zu schwere Last für diese schwache, kleine Seele
Nun befreie mich davon und laß mich zu dir zurückkehren"
Er blickte hinauf in den dunklen Himmel
Hatte er dort nicht eben ein Glitzern gesehen?
Welches sich mühte die ewige Mauer aus Schwärze zu durchbrechen?
Nein...es war nur das letzte Aufbäumen
Ein dumpfes Grollen hallte über das Feld und ein feiner Regen setzte ein
Auf seinem Gesicht sah dieser aus, wie die Tränen, die er nie mehr weinen konnte
Er schloß die Augen
In seinem Geiste rief er sich ihr Bild noch ein letztes Mal in Erinnerung
Wünsche, Gedanken und Gefühle wogten plötzlich
Wie die mächtige Brandung des Meeres in sein Bewußtsein
Doch so schnell sie gekommen waren, so schnell ebbten sie auch wieder ab
Er versank in einen Traum ohne Bilder, ohne Emotionen
Er spürte den Regen nicht mehr
Er fühlte die Kälte nicht mehr
Er kehrte endlich heim....



So sind die Menschen. Oft scheint es wirklich schade, daß Noah die Arche nicht verpaßt hat. (Mark Twain)
  Top