| "Autor" |
Missverständnis (I) |
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geschrieben am: 08.03.2001 um 18:15 Uhr
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Sie wandte den Blick als erste ab. Als sie eines Abends im Cafe saßen, bemerkte er zum erstenmal, daß ihr flackernder Blick unstet durch das gedrängt volle Lokal wanderte. Er versuchte sie enger an sich zu ziehen. Er war den ganzen Tag um sie. Je stärker er sie zog, um so deutlicher spürte er ihren Widerstand. Schließlich verlangte sie Zeit für sich selbst. Einen Vormittag in der Stadt. Einen Abend.
"Wir müssen uns doch nicht jeden Tag sehen."
"Aber Ine..."
"Du klammerst in letzter Zeit so schrecklich."
"Weil du mir immer mehr ausweichst."
"Weil du mich verfolgst. Mit deinen Blicken. Mit deiner ganzen Person."
Er bekommt nun wirklich Angst davor, sie zu verlieren. Sie ist alles für ihn. Er hat Angst davor, alles zu verlieren.
Sie spürt seine Angst. Sie sieht nicht mehr das, in das sie so sehr verliebt war. Sie sieht nur seine Unsicherheit. Sie läßt die Abstände zwischen ihren Treffen größer werden.
"Wenn wir nicht zusammen sind, Ine, triffst du dich dann mit anderen ?"
"Was für eine seltsame Frage!"
"Und eine seltsame Antwort."
"Erinnerst du dich an Orpheus und Eurydike? Er verliert sie, weil er sie zu sehr liebt. Er verliert sie, weil er sich nach ihr umschaut."
"Tragisch..."
"Aber logisch, Alex. Verstehst du das nicht ?"
"Liebe ich dich zu sehr?"
Jetzt überkommt sie der Zorn.
"Die frage kannst du dir wohl selbst beantworten. Wir können doch nicht den ganzen Tag hier herumliegen und vögeln."
"Vögeln, Ine? Vögeln nennst du das ?"
"Jetzt spiel nicht den Jammerlappen!"
Einige Wochen vergehen. Sie sehen sich noch seltener. Und wenn sie sich treffen, will sie nicht immer mit ihm schlafen.
Er streckt die Hand nach ihr aus. Sie weicht zurück. Er sehnt sich nach ihr. Und dann kommt der Bruch :
"Ich glaube wir lassen das, Alex. Jedenfalls für einige Zeit."
"Ine, Ine!"
Er will sie in den Arm nehmen. Sie weicht aus.
"Also habe ich doch recht. Du hast mich nicht geliebt."
"Du hast recht bekommen,..."
"Hast du die ersten Wochen vergessen? Erinnerst du dich noch an daran ?"
"Wir reden in einem Monat weiter. Abgemacht, Alex ?"
"Du stellst hier die Bedingungen.... Wenn du mich bitten würdest, zwei Jahre zu warten, dann würde ich eben zwei Jahre warten. Ich glaube an uns."
"Ich begreife nicht, wie du dir so sicher sein kannst."
"Bist du nicht eher diejenige, die sich ganz icher ist?"
Zögerte sie jetzt? Irgendetwas in ihrer Miene hatte sich verändert.
"Bleibst du heute Nacht?"
"Ich weis nicht,..."
"Wir können ja sagen : Wir schlafen zum letztenmal miteinander,..."
Er wandert durch die Stadt und sehnt sich nach ihr. Er kämpft um sein Leben. Er schreibt ihr. Das hat sie ihm erlaubt. Doch sie antwortet nicht. Jeden einzelnen Tag antwortet sie nicht. Sie
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