| "Autor" |
Missverständnis(III) |
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geschrieben am: 08.03.2001 um 18:16 Uhr
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nicht mehr viel,... September. Aber in Rom ist jetzt Sommer. Er treibt sich die ganze Nacht draußen herum. Zuerst schreibt er den Brief. Dann nimmt er Abschied.
Ine weint. Ine versucht die ganze Nacht, Alex anzurufen. Ine klopft am nächsten Morgen früh an seine Tür. Dann geht sie nach Hause. Dann öffnet sie den Briefkasten. Dann macht ihr Herz einen Sprung, als sie seinen Brief sieht. Sie ist so erleichtert. Sie ist so glücklich und froh. Ein Brief von Alex!
"Liebe einzige Ine! Ich verdanke Dir so unendlich viel. Es ist nicht Deine Schuld, dass mit uns Schluss sein musste, und auch nicht meine. Es musste einfach ein solches Ende nehmen. Es ist wahr : Ich habe Dich zu sehr geliebt.
Wenn Du diesen Brief liest, bin ich verschwunden. Ganz verschwunden, Ine. Du musst versuchen das zu verstehen. Von heute an gibt es mich nicht mehr. Auf diese Weise werde ich immer Dir gehören.
Ich habe mit Dir so unendlich viel erlebt als in den achtzehn Jahren, bevor ich Dich kannte. Kannst Du das verstehen ?
Du darfst nicht glauben, ich wollte Dir einen Vorwurf machen, Ine. Ich empfinde nichts als Dankbarkeit. Wie eine tosende Welle, die sich über den Strand ergießt. Lebe Ine ! Dann lebe ich selbst auch, in anderer Form. In Dir gibt es mehr von mir als in mir selbst.
PS: Verbrenne diesen Brief. Und stell keine Nachforschungen an. Ich versichere Dir, dass ich nicht mehr da bin, wenn Du diese Zeilen liest. Ich werde ganz und gar verschwunden sein, Ine, das musst Du mir glauben. Meinen Körper werden sie nicht finden. Ich bin wie ein Tier. Ich verstecke mich, wenn ich weiß, dass das Ende gekommen ist.
Nimm diese Worte als letzten Gruß von mir. Als zärtliches und aufrichtiges Lebewohl."
Sie bricht zusammen. Sie rennt hinauf in ihre Wohnung und wirft sich aufs Sofa. "Alex , Alex!!" Sie glaubt jedes Wort in diesem Brief. Sie kennt Alex. Sie liebt ihn ja. Sie ist vor Schreck wie erstarrt. "Ein Missverständnis" murmelt sie. "Es war ein Missverständnis..."
Inzwischen landet sein Flugzeug in Stuttgart. Niemand hat seinen Pass sehen wollen. Er wurde einfach durchgewunken. Niemand weiß, wo Alex steckt. Niemand weiß, dass er lebt. Wie leicht es war, seiner achtzehn Jahre alten Identität zu entkommen ! Wie leicht es war, zum Nicht- Individuum zu werden.
Mario Inestad wartet in der Transithalle. Er geht zum Ausgang 26 und reicht einer brünetten Italienerin seine Bordkarte. Er mischt sich unter die vielen italienischen Geschäftsleute. ER könnte auch einer von ihnen sein. Er würde sicher als junger Geschäftsmann aus Florenz durchgehen.
Die Stewardess bietet ihm italienische Zeitungen an. Grazie!
Sobald er in Rom angekommen ist, kann er seinen Pass wegwerfen.
Sie bleibt nicht lange auf dem Sofa liegen. Sie zeigt dem anderen den Brief. Zuerst erklärt sie ihre Beziehung zu Alex. Sie hätten ein kleines Techtelmechtel gehabt. Jetzt ist es vorbei. Sie wolle ihn aber gerne als Freund behalten.
"Glaubst du, er hat es getan, Tobias?"
"Unmöglich ist das jedenfalls nicht"
"Wir müssen ihn als vermisst melden."
"Er hatte keine Familie."
"hatte?"
"Er hat keine. Beide Eltern sind schon seit Jahren tot. Er war ein Einzelkind..."
"war?"
Sie gehen zur Polizei. Legen den Brief vor. Erzählen was sie über Alex wissen,...
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