| "Autor" |
Missverständnis (5) |
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geschrieben am: 08.03.2001 um 18:17 Uhr
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In Rom geht Alex auf den Ausgang zu. Er kauft sich eine Fahrkarte für den Flughafenbus für 4000 Lire. Dann stellt er sich wieder zu den erschöpften Geschäftsleuten.
Er fährt vorbei an einer Gruppe Kongreßgebäude auf der rechten Seite und einigen Müllhalden auf der linken Seite. Dann sieht er vor sich das Kolosseum. Der Bus hält. Er steigt aus und nimmt ein Taxi. 4500Lire.
Es ist sieben Uhr. Die Dämmerung setzt ein. Er geht zu dem Platz an dem alles begonnen hat. Der erste Abend mit Ine. Vom ersten Moment an waren sie miteinander verschmolzen. Vereint zu einem einzigen Wesen.
Nass und kalt verlassen Ine und Tobias beim Nationaltheater die U-Bahn. Sie nehmen ein Taxi zum Polizeigebäude.
"Leider nichts. Aber alle Streifen sind informiert, alle Wachen verständigt."
"Sie haben seinen Wohnungsschlüssel..."
"Nichts weist darauf hin, dass er verreist sein könnte."
Sie schüttelt den Kopf. Wie zur Bestätigung. Alex ist keiner, der vor etwas davonläuft. Er geht immer voll drauflos.
Ine und Tobias trennen sich für diesen Abend. Ine trinkt eine Flasche Ouzo. Und weint und weint.
Er wandert langsam in Rom durch die Strassen. Er kann nicht begreifen, dass er ohne Ine in Rom sein soll. Er glaubt, sie überall zu sehen.
Er kennt sein Ziel. Von Stuttgart aus hat er das Hotel "Adriano" gebucht. 40.000Lire die Nacht.
Das Adriiano. Ihre erste gemeinsame Nacht in Rom. In einem Zimmer. Nach 23.00Uhr. Die ganze Nacht. Eine ganze Woche.
Süße Küsse. Heftige Umarmungen. Süße Sünde.
Und das in einem schnöden Hotelzimmer. Ein Bett und eine Kommode. Anderthalb Handtücher pro Person. Drei Quadratmeter Boden, um sich zwischen Bett und Kommode und dem winzigen Badezimmer bewegen zu können.
War das nicht ein Rätsel? Dass sich etwas so einfaches in ein so facettenreiches Märchen verwandeln konnte? In tausend kleine Kapitel. Denn es war Ines Zimmer...
Sie hatten sich mehr in diesem kleinen Zimmer aufgehalten als draußen in der Weltstadt. In diesem Zimmer gab es mehr zu entdecken. Immerhin waren sie in der Oper gewesen. Für Alex war das ein ganz neues Erlebnis.
Alex geht zielbewusst auf das schlichte Hotel zu. Er betritt das Foyer. Als sei das das Natürlichste der Welt. Als sei er letzte Woche zuletzt hier gewesen. Er hofft, dass der Portier ihn nicht wiedererkennt.
"Your passport please."
Der Pass. Natürlich. Den hat er schon am Flughafen in Fetzen gerissen und in den Papierkorb geworfen. Er hat ihn vergessen, sagt er. Bei einem Freund in Neapel. Aber der Pass ist schon unterwegs. Zum Ausgleich kann er vielleicht gleich für die ganze Woche bezahlen? 280.000 Lire. Er hat auf dem Mailänder Flughafen sein restliches Geld umgetauscht.
Mario Inested hat schon einmal in diesem Hotel gewohnt. Ob er wohl das selbe Zimmer haben kann ? Ja.
Er geht auf den Fahrstuhl zu. Sie scheint bei ihm zu sein. Sein Blut kocht, sein Herz hämmert. Dann öffnet er die Tür des kleinen Zimmers. Alles ist wie beim letztenmal. Das Bett, die Kommode, der kleine Tisch....
Nur die Braut ist nicht mehr da.
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