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Missverständnis (9) |
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geschrieben am: 08.03.2001 um 18:19 Uhr
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Bestimmt ist sie schwanger, denkt er. Vielleicht sind sie auf Hochzeitsreise...
Ine! Wie konntest du nur....
Also hat sie seinen Brief doch nicht bekommen. Der Brief und Ine sind an den Alpen aneinander vorbeigeflogen. Er muss mit ihr sprechen. Er kann nicht nach Hause fahren. Ohne mit ihr gesprochen zu haben. Er muss seine Heimkehr ankündigen. Seine Rückkehr. Seinen Aufstieg...
Und verspürt er nicht auch eine ganz leise Hoffnung?
Aber nicht hier. Hier gibt er sich nicht zu erkennen. Nicht, solange der andere dabei ist.
Ine nimmt vor einem Strassenmaler Platz. Es ist Tobias Idee. Er bezahlt. Er möchte ein bild von ihr. Sie kichert aufgesetzt und hat immer noch ein wenig Wein im Leib. Sie hätte sich ebensogut vor Alex setzten können...
Ine wird auf dem großen platz gezeichnet. Sie sieht den Strassenmaler an.
Tobias denkt sie. Und Alex !
Alex steht einen Katzensprung entfernt hinter seiner Staffelei. Er hat keine Angst, sie könnte ihn erkennen. Nicht auf diese Entfernung. Nicht hinter der Staffelei. Nicht mit langen Haaren und Bart. Und schließlich rechnet niemand damit, auf einem Platz in Rom einem Verstorbenen zu begegnen.
Und dann zeichnet er sie. Alex steht auf dem riesigen, von Menschen durchfluteten Platz in Rom und zeichnet Ine. Es ist genau ein Jahr her, dass dieser Platz ihnen beiden gehört hat. Diese Stadt. Dieses Leben.
Er zeichnet sie als Madonna. Mit raschen Strichen. Kühn. Sinnlich.
Alex ist jetzt inspiriert. Ein Damm ist gebrochen. Es war ein langer Winter.
Die Menschen scharren sich um ihn. Viele Menschen.
Wen zeichnet er eigentlich ? Dieser Mann zeichnet ohne Modell !
"beautiful"
"bravo!"
Mario ist in dämonischer Stimmung. In ihm wütet ein Sturm. Und dann wird er traurig. Jetzt stehen ihm die Tränen in den Augen. Er weint.
Niemand sagt etwas.
Unten in der linken Ecke. In dieser Ecke zeichnet sich Alex selbst. Kauernd auf Knien.
Dann ist er fertig. Er zieht einen Kugelschreiber und ein Stück Papier hervor.
"Ine, Ich bin hier. Verzeih mir. Aber es liegt nicht nur an mir. Ich habe nicht mehr alles unter Kontrolle. Alles ist so logisch. Es musste so kommen. Ich muss mit Dir sprechen. Ine. Hier. Ine. Morgen 12:00 Uhr. Hab keine Angst. Oben im Turm. Aber komm alleine. Versprich mir das. Ich werde nichts kaputtmachen.
(Früher Dein) Alex"
Er faltet das Blatt zusammen. Schnappt sich einen Jungen. Gibt ihm einen Fünftausend-Lire Schein. Zeigt auf Ine.
Dann verläst er den Platz. Die Staffelei mit der Madonna lässt er stehen. Noch immer drängt sich davor die bewundernde Menge. Niemand wagt, die Madonna anzurühren.
"Ein Meisterwerk!"
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