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"Autor"

Missverständnis(10)

Nutzer: zwoork
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geschrieben am: 08.03.2001    um 18:20 Uhr   
"In fünf Minuten!"
"Habt ihr gesehen, dass er geweint hat?"
"Ein wirklicher Künstler!"
"Ehe er den Platz verlässt, dreht er sich um und sieht, dass ihr der Brief überreicht wird. Dann geht er zurück in die Pension.
Ine,Ine!

Sie faltet den Brief auseinander. Und springt von dem kleinen Hocker auf, auf dem sie sitzt.
"Alex, Alex!!"
"Lass mal sehen, Ine. Das muss ein Missverständnis sein."
"Nein. Nein. Das ist seine Schrift.. Das sehe ich Tobias. Das weis ich. Er ist die ganze Zeit hier gewesen. In rom..."
"Komm!"
"Ich habe Angst. Ich habe so schreckliche Angst."
Dann gehen sie. Sie bezahlen für ein halbfertiges Porträt, das Tobias aufrollt und sich unter den Arm klemmt. Wenn sie sich auf dem Platz umgesehen hätten, dann hätten sie die vielen Menschen vor der Staffelei entdeckt.
Einige Stunden später ist der platz menschenleer. Aber Alex Madonna hängt noch immer an der Staffelei.
Am nächsten morgen erwacht Alex ganz früh. Vor dem schlafengehen hat er seine Uhr eine Stunde vorgestellt. Sommerzeit...
Auch als er zuletzt in Rom war, mit Ine, hatten sie die Uhren eine Stunde vorgestellt.
"Sommer..." Sie hatten den Sommer gefeiert wie eine Verlobung.
Alex wird heute Ine treffen. Er hat nie begriffen warum alles so enden musste. Das ergab doch keinen Sinn. Irgendwo musste ein Fehler stecken. Es musste einen Weg zurück geben.
Er räumt sein Zimmer auf, duscht, frühstückt. Dann geht er in die Stadt.
Alex hat sich seit dem vergangenen Herbst weder rasiert noch die Haare schneiden lassen. Jetzt geht er zum Frisör. Heute wird er Ine treffen. Und sie soll ihn so sehen, wie er damals war....

Dem Frisör rutscht die Hand aus. Er ritzt Alex mit dem Rasiermesser die Wange auf. "Spielt keine Rolle Signore"
Blut.
Mit römischer Sorgfalt wischt der ungeschickte Frisör Alex das Blut von der Wange. Und klebt ein Pflaster darüber.

Ine wird nüchtern. Sie bleibt die ganze Nacht wach. Sie schaut aus dem Fenster. In einen Hinterhof. Wie konnte er sie einfach so verlassen ? Wie konnte er in Rom ein halbes Jahr ohne sie leben ? Ohne zurückzukommen, ohne einen Brief zu schreiben ?
Doch hatte nicht sie ihn zuerst im Stich gelassen ?
Sie konnte nicht damit rechnen ihn zurückzubekommen. Ein halbes Jahr. Sicher hatte er inzwischen eine neue Freundin. Vielleicht hatte er einen Sprachkurs gemacht. Und in Rom gab es immer eine deutsche Kolonie.
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