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Das Geheimnis der Liebe (Max Frisch)

Nutzer: Silbertiger
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geschrieben am: 30.03.2001    um 19:13 Uhr   
Das Geheimnis der Liebe

Es ist bemerkenswert, daß wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen können, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, daß sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, daß jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und daß auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, daß wir mit dem Menschen, die wir lieben, nicht fertigwerden: weil wir sie lieben; solang wir sie lieben. Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Möglichen voll, aller Geheimnisse voll, unfaßbar ist der Mensch, den man liebt. Nur die Liebe erträgt ihn so.

Unsere Meinung, daß wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind - nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns. Er muß es sein. Wir können nicht mehr! Wir künden ihm die Bereitschaft auf, weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch auf alles Lebendige, das unfaßbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, daß unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei.

"Du bist nicht", sagte der Enttäuschte oder die Enttäuschte: "wofür ich Dich gehalten habe."

Und wofür hat man sich denn gehalten?

Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind.
Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat...

Du sollst dir kein Bildnis machen, heißt es von Gott. Es dürfte auch in diesem Sinne gelten: Gott als das Lebendige in jedem Menschen, das, was nicht erfaßbar ist. Es ist eine Versündigung, die wir, so wie sie an uns begangen wird, fast ohne Unterlaß wieder begehen - Ausgenommen wenn wir lieben.

Max Frisch







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Nutzer: terpentinae
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geschrieben am: 30.03.2001    um 19:20 Uhr   
.......... kann nichts weiter dazu schreiben, als dass max frisch rechter als recht hat ..........


(danke für den text)



terpentinae
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Nutzer: Silbertiger
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geschrieben am: 30.03.2001    um 19:49 Uhr   
Mehr soll und muss nicht gesagt werden.
*nickt zu Max Frisch*
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Nutzer: Silbertiger
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geschrieben am: 30.03.2001    um 19:49 Uhr   
Mehr soll und muss nicht gesagt werden.
*nickt zu Max Frisch*
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"Autor"  
Nutzer: abalone
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geschrieben am: 30.03.2001    um 21:30 Uhr   
daß max frisch dein nicken noch sieht, wage ich zu bezweifeln *gggg*
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Nutzer: Silbertiger
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geschrieben am: 30.03.2001    um 23:13 Uhr   
*übertrieben pathetisch spricht*
Nicht der Max Frisch im Grabe, jedoch der in uns allen!
*schwafel
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Nutzer: Tiger-Lee
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geschrieben am: 31.03.2001    um 13:27 Uhr   
Der Text ist sehr treffend...
Und auch sehr hilfreich...
sucht mal den Max Frisch in ihr selbst
T.-Lee
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