| "Autor" |
Der Nachtwächter |
|
|
|
geschrieben am: 03.04.2001 um 13:47 Uhr
|
|
"Hört, Ihr Herrn, und lasst euch sagen, die Glocke hat nun zehn geschlagen. Zehn Gebote setztŽ Gott ein; Gib, dass wir gehorsam sein. Menschenwachen kann nichts nützen, Gott muss wachen, Gott muss schützen. Herr, durch deine GütŽ und Wacht SchenkŽ uns eine gute Nacht."
Die Stille der Herbstnacht kommt über die kleine Stadt.
Die Petroleumlaterne in seiner Hand leuchtet matt.
Der Schutzpatron der Dunkelheit schleicht leise durch die Gassen.
Seit Jahren tut er seinen Dienst und muss wegen seines Alters einen Stock fest umfassen.
Sein dunkelblauer Umhang weht im kalten Wind.
Sieht plötzlich den Bauerburschen torkeln, fast noch ein Kind.
Mit bösen Worten bringt er ihn nach Haus.
Kurz danach klingen Schläge von der Kirchenuhr in die Nacht hinaus.
Er ruft: "Hört, Ihr Herrn, und lasst euch sagen, die Glocke hat nun zwölf geschlagen."
Seit Jahren muss er jede Stunde diesen Spruch aufsagen.
Alle Heimlichkeiten und Geschehnisse bleiben ihm nicht verborgen.
Er ist der wachsame Nachtwächter bis in den frühen Morgen.
Wenn der Hahn auf dem Mist kräht.
Dann hat er seine letzte Runde gedreht.
Langsam und einsam geht er in seinem Bretterverschlag.
Wartet auf die Nacht von diesem neuen Tag.
"Hört ihr Herrn, und lasst euch sagen, die Glocke hat nun vier geschlagen. Vierfach ist das Ackerfeld, Mensch, wie ist dein Herz bestellt. Auf muntert eure Sinnen! Denn es wacht die Nacht von hinnen. Danket Gott, der uns die Nacht Hat so väterlich bewacht."
|
|
|
|
|
|
|
Top
|