Auf den Beitrag: (ID: 29107) sind "6" Antworten eingegangen (Gelesen: 320 Mal).
"Autor"

erfuellung

Nutzer: tigresse
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geschrieben am: 06.04.2001    um 16:59 Uhr   
Erfuellung

Meine Sporen frechzen deine Spitzen!
Blaeulich kichern die Aederchen fort
In Sicherheit hoehnisch
Im
Schimmrigen Weich
Bebige Huegel wiegen Verlangen
Koepfchen rosen empor und steilen Gewaehr.
Die Lippe zerfrißt sich!
Golden ringeln Wuerger hinunter
Und schnueren den Hals zu
Nach meinen Fingern tastet dein Blut
Und siedet den Kampf.
Die Seelen ringen und kellern abseit!
Hoch schlagen die Roecke den Blick auf
Goldhellrot
Rotweichrot
Flamme zischt in das Hirn
Und sticht mir das Schaun aus!
Sinken Sinken
Schweben und Sinken
Schwingen im Sturme
Im Sturm
Im schreikrollen Meer!
Ziegelrot
Ueber uns segnet der Tod
Saeender Tod!

august stramm, 1874-1915

...

t.
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"Autor"  
Nutzer: abalone
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geschrieben am: 07.04.2001    um 12:32 Uhr   
eieiei - was ist denn dieses?
ich gestehe, manche wortschöpfung (oder sind mir die vokabeln einfach nicht bekannt??) läßt mich grüüüüüüüübeln.
aber es klingt nach heißer liebe, voll wollust, gipfelnd im orgasmus. allein, was der tod hier für eine bedeutung haben mag - villeicht erschließt es sich mir noch.
weißt du mehr, tigresse?
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Nutzer: tigresse
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geschrieben am: 07.04.2001    um 16:06 Uhr   
bisher weiss ich leider nicht allzuviel ueber seine werke.. gestern erst darauf gestossen, und ich war erst einmal perplex :-)

hmm, das ueberlieferte lyrische werk stramms stammt fast ausschliesslich aus der zeitspanne zwischen 1914 und 1915 - alle frueheren gedichte hat er vernichtet.
er verstiess gegen grammatikalische und semantische konventionen, wollte provozieren, liess oftmals kriegserlebnisse in seine gedichte einfliessen, er haeufte redefiguren; antithese, parallelismus, chiasmus, neologismus, zielte auf rhythmus und lautstruktur -
soweit bin ich inzwischen. aber interpretation faellt mir zur zeit noch sehr schwer.

still fascinated,

t.
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Nutzer: abalone
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geschrieben am: 07.04.2001    um 17:03 Uhr   
irgendwie erinnert es mich vom stil her an ein gedicht, daß ich in der schule las. so was wie "die Steine feinden" oder so kam drin vor - ich mach mich mal auf die suche. vllt ist es ja auch von ihm.
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Nutzer: abalone
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geschrieben am: 07.04.2001    um 17:10 Uhr   
bingo - versenkt :-)

Patrouille

Die Steine feinden
Fenster grinst Verrat
Äste würgen
Berge Sträucher blättern raschlig
Gellen Tod.

August Stramm
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Nutzer: tigresse
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geschrieben am: 07.04.2001    um 18:41 Uhr   
congratulations :-)

irgendwo hab' ich vorhin etwas von einem "wildgewordene[n] spiesser mit harmlos schizophrener physiognomie" gelesen. ich suche noch..

Angststurm

Grausen
Ich und Ich und Ich und Ich
Grausen Brausen Rauschen Grausen
Träumen Splittern Branden Blenden
Sterneblenden Brausen Grausen
Rauschen
Grausen
Ich.

A.Stramm

ps. hast evt. auch noch eure deutung der "patrouille" im kopf?
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Nutzer: abalone
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geschrieben am: 07.04.2001    um 20:07 Uhr   
genau weiß ich es nicht mehr, aber es beschreibt die angst eines soldaten während seiner patrouille. dadurch, daß unbelebte gegenstände und die natur (steine, fenster, büsche, etc.) personifiziert werden, sie aggressive handlungen ausführen (feinden, würgen, Tod gellen), wird die bedrohlichkeit seiner lage noch verstärkt. der tod ist quasi überall zu spüren, wenn die bedrohung durch einen feind vielleicht auch gar nicht real existent ist.

Link sagt über august:
"Geb. 29.7.1874 Münster; gest. 1.9.1915 bei Gorodec.
Stramm war Verwaltungsbeamter; nach der Promotion (über das Welteinheitsporto) stieg er in das Reichspostministerium auf. Als Reservist der preußischen Armee brachte er es bis zum Hauptmann, dem höchsten für Zivilisten erreichbaren Offiziersrang. Während des Krieges war er Kompanieführer, zuletzt Bataillonskommandeur."


ein beamter, der solche gedichte verfasst - schauder
Geändert am 07.04.2001 um 20:09 Uhr von Abalone
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