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Da sitzt sie...

Nutzer: Exzelsia
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geschrieben am: 27.04.2001    um 22:42 Uhr   
Da sitzt sie, kannst Du sie sehen?
Sie kauert in einer Ecke, mit angezogenen Knien um welche sie ihre Arme geschlungen hat. Sie wimmert, sie ist alleine und es ist dunkel. Sie wippt vor und zurück, vor und zurück.
Sie weint.
Etwas oder jemand muß sie sehr verletzt haben.
Sie ist traurig.
Ab und zu redet sie mit sich selbst. Keiner hört ihr zu, nur sie allein, sie ist einsam.
Aber sie haßt Einsamkeit, das frißt sie auf.
Dann muß sie immer nachdenken, dunkle Gedanken, sinnlos, leer.
Sie ist schwach, dass wird ihr in Momenten wie diesen wieder bewußt. Sie ist unwichtig, sie ist nichts, wertlos. Die Frage nach dem Warum taucht wieder auf. Es zermürbt sie.
Doch eigentlich muß sie doch stark sein, lustig, offen, ist es nicht das, was alle so an ihr mögen, was sie von ihr erwarten?
Ist sie ohne das nicht wertlos und alleine?

Sie hat vergessen, was Hoffnung ist, nur ein kleiner Schimmer der Erinnerung.
In der Gruppe vergißt sie ihren Schmerz, aber alleine ist er kaum zu ertragen.
Keiner weiß, wer sie wirklich ist, niemand weiß es.
Keiner weiß um ihre Schmerzen.
Keiner weiß, dass sie des Nachts in ihrem Bett liegt und weint.
Keiner sieht wie hilflos sie ist, wie sehr sie jemanden braucht der sie versteht.
Keiner hilft ihr.

Und jetzt sitzt sie da, verwirrt und verstört, nicht so wie ihre Freunde sie kennen. Sie sieht elendig aus, ihre Schminke ist verwischt von den Tränen, man sieht die Trauer in ihrem Gesicht.
Sie ist so schwach, so zerbrechlich, so leer.
Sie ist nicht mehr so frech, so ungezähmt und wild.

Ihre Gedanken rasen im Kopf herum.
Langsam steht sie auf und geht.
Keiner hat wahrgenommen, dass sie nicht mehr da ist.
Keiner hat gemerkt was passiert ist, auch Du nicht.
Und keiner sah sie jemals wieder.
Geändert am 08.05.2001 um 17:06 Uhr von Exzelsia
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Nutzer: anneclaire
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geschrieben am: 08.05.2001    um 18:29 Uhr   
Das Gefühl kenne ich gut... vor allem dieses vor und zurück wiegen kommt mir sehr bekannt vor... allerdings gibt es immer jemanden der hilft, immer... man muss sie nur finden und sie darum bitten... die meisten werden es tun... hab keine Angst sie zu fragen und mit ihnen über alles zu reden... *mattanlächel*

anne
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Nutzer: Noema
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geschrieben am: 08.05.2001    um 19:04 Uhr   
Ganz mitgerissen ist
Redet ihr von euch?
Oder zitiert ihr?
Das zweite hört sich durch die Bezeichnung danach an..

Bist du sie, Exzelsia?
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Nutzer: Exzelsia
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geschrieben am: 09.05.2001    um 20:10 Uhr   
Manchmal fühle ich mich wie die Person in diesem Text. Aber es ist nicht mein Leben, diese Person bin nicht ich, nicht wirklich. Ich habe es aber in einer Stimmung geschrieben, in der ich mich so fühlte. Aber SIE ist gegangen und nie wiedergekommen, niemand sah sie je wieder...
Hmm, da fällt mir ein Text ein, den ich mal abschreiben könnte...
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Nutzer: Exzelsia
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geschrieben am: 09.05.2001    um 20:34 Uhr   
Der Fall Tanja
Tanja kam zu Beginn der 9. Klasse neu an die Realschule. Sie mußte ihre alte Schule verlassen, weil dort die Probleme mit ihr immer größer wurden und sie die 8. Klasse bereits einmal wiederholt hatte. Anfangs lief alles gut. Tanja fand schnell neue Freunde, die Lehrer lobten sie für ihre Leistungen.
Doch dann entwickelte sich die Klasse zur Problemklasse der Schule. Tanja gehörte mit zu den Störern. Die Lehrer, die sie anfangs mochten, ließen sie fallen. Sie hatten sich bei ihrer alten Schule erkundigt und so einiges Erfahren. Dass Tanja störte, um auf sich aufmerksam zu machen, übersahen die Lehrer. Sie erhielt von nun an bei Klassenkonferenzen das Etikett "schwierige Schülerin". Ihre positiven Eigenschaften, z. B. für andere einzutreten, und ihre Not wurden nicht wahrgenommen. Einzelgespräche mit ihr fanden nicht statt. Maßnahmen wie Vermerke im Klassentagebuch, Gespräche mit den Eltern oder die Androhung eines Schulausschlusses blieben ohne Wirkung.
Ebenso gelang es dem Schulleiter nicht, angemessen auf diese schwierige Klasse zu reagieren und die Zusammensetzung zu verändern. So verschlimmerte sich die Lage der Klasse und insbesondere die Lage Tanjas im 10. Schuljahr noch einmal. Die Abschlußfahrt wurde ersatzlos gestrichen, da kein Lehrer sich bereit erklärte die Klasse zu begleiten. Vor der schriftlichen Prüfung im Frühjahr waren sich alle darüber im Klaren, dass - wenn irgend möglich - niemand aus der Klasse durchfallen dürfe. Man wollte diese problematischen Jugendlichen so schnell wie möglich loswerden.
Zu dieser Zeit hatte sich Tanja bereits innerlich von der Schule und von ihrem späteren Berufsleben gelöst. Sie war schwanger und ihr Freund hatte sie verlassen. Niemand nahm ihre Mutlosigkeit wahr. So konnte sie unbemerkt von den anderen den Entschluß fassen, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen.
Nach der schriftlichen Prüfung, die sie bestanden hätte, sprang sie nachts in ihrem Heimatort von einem Hochhaus. An ihrer Beerdigung nahm der Schulleiter ihrer Schule nicht teil.
(aus meinem Religionsbuch)
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Nutzer: Noema
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geschrieben am: 10.05.2001    um 18:23 Uhr   
Hat sich den Text aufmerksam durchgelesen

Bei den letzen Sätzen bekam ich eine Gänsehaut...
Würde ja gerne wissen, ob du dazu ne Fragestellung bekamst.
Ich finde das Fehlverhalten der Schulen krass.
Besonders, dass sie die "Störenfriede" schnell loswerden wollten und sie deshalb nicht durchfallen liessen.
Kopfschüttelz
Ich frag mich die ganze Zeit, wem die Schuld zu geben ist..
Auch wenn sie nicht erwähnt sind, denke ich, dass die Eltern da schon ne Menge dran hätten ändern können.
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Nutzer: tigresse
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geschrieben am: 10.05.2001    um 18:40 Uhr   
was ist mit ihr selbst? sie koennte um hilfe bitten. sie koennte versuchen, ihr leben zu meistern. sie koennte versuchen, sich eigene ziele zu setzten. natuerlich gibt es menschen, die so tief in ihre probleme verstrickt sind, dass sie sich erst durch professionelle hilfe davon loesen/befreien koennen. und natuerlich sollten die menschen um "verzweifelte" personen herum versuchen, diesen beizustehen und zumindest hilfe anzubieten. doch der entscheidende schritt muss von dem/r betroffenen getan werden. im leben laeuft nicht immer alles nach plan.. aber wer sich selbst zu schnell aufgibt, hat verloren, ohne zu kaempfen. und dann ist ein suizid wirklich tragisch. ein tragischer irrtum.

t.
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Nutzer: Exzelsia
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geschrieben am: 10.05.2001    um 20:53 Uhr   
Ich weiß ja selbst nicht, ob der Fall Tanja wirklich passiert ist oder nur als Beispiel dienen soll.
Auf Tanja wird in dem Text als Person ja nicht so sehr eingegangen und auf ihr Leben, ihre Familie und evtl. Begleitumstände.
Nunja, ich habe vom Fall Tanja einen kleinen Teil rausgenommen, da es ein offenes Ende hat. Dies kann ich ja nun vervollständigen:
Ebenso wurde ihr Tod im offiziellen Programm der Realschulabschlußfeier nicht erwähnt.
Die Stimmung an diesem Abschlußabend war gelöst und fröhlich. Alle waren froh, dass der Prüfungsstreß vorbei war. Dann hielten die beiden Klassensprecher von Tanjas Klasse gegen Ende des Abends eine Rede. Schlagartig änderte sich die Stimmung.

Hier endet der Text. Es folgt eine Aufgabenstellung: Formuliere eine Rede für diese Abschlussfeier.
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"Autor"  
Nutzer: xeena
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geschrieben am: 10.05.2001    um 21:15 Uhr   
Der Sprung


Langsam ging sie durch die nacht davon, die augen dunkel vor
schmerz.

unbeteiligt blickten die entgegenkommenden passanten auf ihre
gestalt, eilten weiter ohne sich umzudrehen.

ein leises stöhnen drang über ihre lippen und plötzlich straffte
sie entschlossen ihre schultern und beschleunigte ihren schritt.

sicher steuerte sie auf die brücke, die über die autobahn führte
zu und stieg auf das geländer.

für kurze zeit verharrte sie in aufrechter position, dann breitete
sie die arme aus und sprang. einen moment lang schien es, als
könnte sie fliegen, doch der heftige aufprall zerstörte alle
illusionen und beendete flug und leben...

...später, als der alltag die betroffenheit aus den gesichtern der
menschen wischte, verhallte auch das "warum"...


© by xeena
Warum richtest Du über mich, wenn Du doch keine Ahnung hast, wovon ich spreche, wie ich lebe, wie ich liebe?
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