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"Autor"

eine Erzählung

Nutzer: Xelessia
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geschrieben am: 18.05.2001    um 17:57 Uhr   
von Georg Trakl.
Offenbarung und Untergang

Seltsam sind die nächtigen Pfade des Menschen. Da ich nachtwandelnd an
steinernen Zimmern hinging und es brannte in jedem ein stilles Lämpchen, ein
kupferner Leuchter, und da ich frierend aufs Lager hinsank, stand zu Häupten
wieder der schwarze Schatten der Fremdlingin und schweigend verbarg ich das
Antlitz in den langsamen Händen. Auch war am Fenster blau die Hyazinthe
aufgeblüht und es trat auf die purpurne Lippe des Odmenden das alte Gebet,
sanken von den Lidern kristallne Tränen, geweint um die bittere Welt. In
dieser Stunde war ich im Tod meines Vaters der weiße Sohn. In blauen Schauern
kam vom Hügel der Nachtwind, die dunkle Klage der Mutter, hinsterbend wieder
und ich sah die schwarze Hülle in meinem Herzen; Minute schimmernder Stille.
Leise trat aus kalkiger Mauer ein unsägliches Antlitz - ein sterbender
Jüngling - die Schönheit eines heimkehrenden Geschlechts. Mondesweiß umfing
die Kühle des Steins die wachende Schläfe, verklangen die Schritte der
Schatten auf verfallnen Stufen, ein rosiger Reigen im Gärtchen.
Schweigend saß ich in verlassener Schenke unter verrauchtem Holzgebälk und
einsam beim Wein; ein strahlender Leichnam über ein Dunkles geneigt, und es
lag ein totes Lamm zu meinen Füßen. Aus verwesender Bläue trat die bleiche
Gestalt der Schwester und also sprach ihr blutender Mund: Stich schwarzer
Dorn. Ach noch tönen von wilden Gewittern die silbernen Arme mir. Fließe Blut
von den mondenen Füßen, blühend auf nächtigen Pfaden, darüber schreiend die
Ratte huscht. Aufflackert ihr Sterne in meinen gewölbten Brauen; und es
läutet leise das Herz in der Nacht. Einbrach ein roter Schatten mit
flammendem Schwert in das Haus, floh mit schneeiger Stirne. O bitterer Tod.
Und es sprach eine dunkle Stimme aus mir: Meinem Rappen brach ich im
nächtigen Wald das Genick, da aus seinen purpurnen Augen der Wahnsinn sprang;
die Schatten der Ulmen fielen auf mich, das blaue Lachen des Quells und die
schwarze Kühle der Nacht, da ich ein wilder Jäger aufjagte ein schneeiges
Wild; in steinerner Hölle mein Antlitz erstarb.
Und schimmernd fiel ein Tropfen Blutes in des Einsamen Wein; und da ich davon
trank, schmeckte er bitterer als Mohn; und eine schwärzliche Wolke umhüllte
mein Haupt, die kristallnen Tränen verdammter Engel; und leise rann aus
silberner Wunde der Schwester das Blut und fiel ein feuriger Regen auf mich.
Am Saum des Waldes will ich ein Schweigendes gehen, dem aus sprachlosen
Händen die härene Sonne sank; ein Fremdling am Abendhügel, der weinend
aufhebt die Lider über die steinerne Stadt; ein Wild, das stille steht im
Frieden des alten Holunders; o ruhlos lauscht das dämmernde Haupt, oder es
folgen die zögernden Schritte der blauen Wolke am Hügel, ernsten Gestirnen
auch. Zur Seite geleitet stille die grüne Saat, begleitet auf moosigen
Waldespfaden scheu das Reh. Es haben die Hütten der Dörfler sich stumm
verschlossen, und es ängstigt in schwarzer Windesstille die blaue Klage des
Wildbachs.
Aber da ich den Felsenpfad hinabstieg, ergriff mich der Wahnsinn und ich
schrie laut in der Nacht; und da ich mit silbernen Fingern mich über die
schweigenden Wasser bog, sah ich, dass mich mein Antlitz verlassen. Und die
weiße Stimme sprach zu mir: Töte dich! Seufzend erhob sich eines Knaben
Schatten in mir und sah mich strahlend aus kristallnen Augen an, daß ich
weinend unter den Bäumen hinsank, dem gewaltigen Sternengewölbe.
Friedlose Wanderschaft durch wildes Gestein ferne den Abendweilern,
heimkehrenden Herden; ferne weidet die sinkende Sonne auf kristallner Wiese
und es erschüttert ihr wilder Gesang, der einsame Schrei des Vogels,
ersterbend in blauer Ruh. Aber leise kommst du in der Nacht, da ich wachend
am Hügel lag, oder rasend im Frühlingsgewitter; und schwärzer immer umwölkt
die Schwermut das abgeschiedene Haupt, erschrecken schaurige Blitze die
nächtige Seele, zerreißen deine Hände die atemlose Brust mir. ...

Geändert am 18.05.2001 um 18:51 Uhr von Xelessia
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Nutzer: Xelessia
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geschrieben am: 18.05.2001    um 17:57 Uhr   
....
Da ich in den dämmernden Garten ging, und es war die schwarze Gestalt des
Bösen von mir gewichen, umfing mich die hyazinthene Stille der Nacht; und ich
fuhr auf gebogenem Kahn über den ruhenden Weiher, und süßer Frieden rührte
die versteinerte Stirne mir. Sprachlos lag ich unter den alten Weiden und es
war der blaue Himmel hoch über mir, und voll von Sternen; und da ich
anschauend hinstarb, starben Angst und der Schmerzen tiefster in mir; und es
hob sich der blaue Schatten des Knaben strahlend im Dunkel, sanfter Gesang;
hob sich auf mondenen Flügeln Über die grünenden Wipfel, kristallne Klippen
das Antlitz der Schwester. Mit silbernen Sohlen stieg ich die dornigen Stufen
hinab, und ich trat ins kalkgetünchte Gemach. Stille brannte ein Leuchter
darin und ich verbarg in purpurnen Linnen schweigend das Haupt; und es warf
die Erde einen kindlichen Leichnam aus, ein mondenes Gebilde, das langsam aus
meinem Schatten trat, mit zerbrochenen Armen steinerne Stütze hinabsank,
flockiger Schnee.



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