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geschrieben am: 19.05.2001 um 00:00 Uhr
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Von Gerd Lawitzky
Die kleine Sarah Sylvia Strauss,
die brachte nie den Müll hinaus.
Sie spülte zwar und schrubbte Töpfe,
kochte gern, buk Hefezöpfe,
doch Mutter konnte schreiŽn wie toll,
der Mülleimer war immer voll.
Schon hing der Deckel auf halb acht,
weil Sarah ihn nicht rausgebracht,
den Abfall, der herumgestanden,
bis sich Schimmelpilze fanden,
wo sonst nur Essensreste warten
auf den kurzen Weg zum Garten.
Sarah ekelte der Dreck,
drum brachte sie ihn selten weg.
Wenn Mutter meinte: "Meine Kleine,
wartŽ, ich mache dir schon Beine!",
sagte Sarah tränennaß:
"Ich mach alles, nur nicht das!"
Bald türmte sich zur Decke hoch
der ganze Küchenmüll und roch
nach ranzigem Kartoffelbrei,
verrottetem Spinat mit Ei,
nach grauem Speck und saurem Kraut
und Wiener Wurst mit Schrumpelhaut.
Faules Fleisch und alte Därme
dampften in der Küchenwärme,
Schokoreste und Lakritze
schwitzten in der Mittagshitze,
Camembert und Appenzeller
schmolzen in der Sonne schneller.
Am Fenster rankten Spargelspitzen,
Broccoli drang durch die Ritzen,
und der Salat von vor drei Wochen
kam zum Küchenschrank gekrochen,
verfolgt von fettigen Servietten
voll halbgegessener Bouletten.
Der Abfall wältzte sich zur Tür,
und Sarah schämte sich dafür,
daß schlappe Makkaronihappen
kreuz und quer am Ausgang pappen
und ein Marschmellowgemisch
klebt kunterbunt am Küchentisch.
Daß schlüpfrige Bananenschalen
sich am Flurfußboden aalen
und warten auf den nächsten
Dummen,
der auf diesen früher krummen
gelben und jetzt braunen Dingern
ausrutscht und mit seinen Fingern
landet dort im Krautsalat
und beim gefährlichen Spagat
sich alle beide Beine bricht,
bevor er in dem Topfgericht
aus Pichelsteiner Durcheinander,
Petersiel und Korriander,
das gelblich glänzt wie uriniert,
den Hinterboden ruiniert,
bis daß sein Kopf mit lautem Klatsch
hineinfällt in den Stinkematsch
aus Müsli, Milch und Mandarinen,
Mandeln, Nüssen und Roisinen.
Schon bald vertrieb der Duft die Gäste,
die die ersten Essensreste
im Flur noch freundlich ignoriert.
Doch waren sie schon irritiert,
als demnächst die Haustür klemmte,
weil der Wandermüll sie hemmte.
Übler wurde der Geruch,
keiner kam mehr zu Besuch.
Bald verödete der Ort,
alle Nachbarn zogen fort,
langsam erst und dann gehetzter.
Der Bürgermeister floh als Letzter.
Der Müllberg wuchs zur nächsten
Stadt,
er wälzte alle Gärten platt,
auf Bergen, Brücken und Balkonen
sah man Haushaltsreste trohnen,
bis das halbe schöne Land
unter Sarahs Dreck verschwand.
Müllabfuhr und Feuerwehren
kamen nicht mehr nach mit Kehren,
Polizei und Pioniere
wühlten hilflos im Geschmiere,
bis es bis zur Hauptstadt floß:
Das Geschrei war riesengroß.
Die Politiker diskutierten,
Abgeordnete randalierten,
riefen "Schluß mit dem Geschwätz,
wir brauchen endlich ein Gesetz!",
bis eines Tags im Bundestag
der Kanzler einem Schlag erlag.
Das Land ward bald bedeckt zur
Gänze,
schon erreichtŽ der Müll die Grenze.
Zöllner riefen: "Bis hierher,
und nicht weiter, bitte sehr!"
Doch der Dreck, so sehr sie baten,
kippte in die Nachbarstaaten.
Diese sagten: "So gehtŽs nicht!
Wenn Jeder wirft sein Leibgericht
auf Nachbars Grundstück, gibt es
Krieg!
Und wir kämpfen bis zum Sieg
gegen diesen Überfall."
Doch der Müll war überall.
Endlich sagte Sarah "Gut,
wenn keiner was dagegen tut,
dann bring ich halt den Müll hinaus."
Doch mittlerweile warŽs, oh Graus,
schon viel zu spät, der Krieg, der tobte,
auch wenn Mutter Sarah lobte.
Die Soldaten schossen scharf
auf den alten Eßbedarf
von Sarah, Mutter und Konsorten,
Schrecken herrschte allerorten,
Flieger flogen, Panzer rollten
und die Präsidenten grollten.
Sarah tat die Sache leid,
sie wollte niemals diesen Streit
und schwor, fortan vor allen Dingen
den Abfalleimer rauszubringen.
Drum, Kinder, denkt an Sarah Strauss!
Und bringt doch mal den Müll hinaus.
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