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geschrieben am: 23.05.2001 um 14:19 Uhr
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erwiedert die Verneigung
Ich reichte Dir die Hand nicht, um Dich herauszuziehen, denn dazu bin ich selbst viel zu schwach.
Ich reichte Dir die Hand nicht in der Hoffnung, dass Du sie ergreifen würdest, denn dann wüßte ich selbst nicht, was weiter zu tun wäre.
Ich reichte Dir die Hand lediglich als Geste – als begrüßende und einladende Geste zwischen all den Geschöpfen, die Dir die Hand, als Du sie ihnen reichtest zur Seite schlugen.
Ich reicht Dir die Hand als Zeichen – nicht der Verachtung, sondern der Beachtung...
... der Beobachtung, denn ich beobachtete Dich in diesem Karneval der Seelen, zwischen all den anderen tanzenden Masken... wie Du Dir den Weg bahntest zum Licht, dass doch nur, gleich einem Irrlicht, trügerisch verlosch, als Du glaubtest es erreicht zu haben... dass Du erst gar nicht fandest.
Und ich sehe, wie es Dich zugrunde richtet, denn Du gehört nicht zu denen, die hier verweilen wollen, die mitgerissen werden von der Trägheit, Bosheit, Blindheit und Falschheit der vielen.
Und wenn du an der Hand vorbei hoch in meine Gesicht siehst, erkennst du, dass auch ich eine Maske trage – die einladend und freundlich, sich jedoch nicht ändern wird, wenn Du mir den Rücken kehrst.
Es ist nicht meine Absicht Hoffnung zu wecken. Ich würde Die nicht versprechen, Dich nie zu enttäuschen oder Dein Vertrauen zu missbrauchen. Und wenn ich Dir diese Qualen doch zufügen würde, dann wäre die nicht absichtlich. Denn manchmal geschieht so etwas lediglich aus einem Mißverständnis heraus, aus Intoleranz dem Anderen gegenüber, aus unterschiedlichen Interpretationen und Sichtweisen ein und derselben Situation. Die Kunst besteht darin, dieses zu erkennen und von der absichtlichen Täuschung und Bosheit zu unterscheiden, um diese zu vermeiden und wenn dennoch geschehen, Vergebung zu üben, damit Heilung geschehen kann.
Ich entnehme Deinen Worten, dass Andere Dein Vertrauen missbrauchten – warst Du immer vertrauenswürdig?
Ich entnehme Deinen Worten, dass Andere Dir Böses taten – fügtest Du ihnen immer Gutes zu?
Ich entnehme Deinen Worten, dass Andere Dich verletzten – brachtest Du immer Heilung?
Du wendest Dich um und siehst ihr wahres Gesicht – sie wirken grausam und böse – aber wie wirkt Deine Maske auf sie?
Ich verlange nicht, dass Du Deine Maske abnimmst, denn ich würde von anderen niemals etwas verlangen, was ich selbst nicht tun würde.
Du willst es zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht noch einmal versuchen, den geeigneten Moment abwarten?
Ich kenne Dich nicht, aber ich hoffe Du merkst Dir mein Gesicht, und wirst dann einfach auf mich zugehen.
Und ich hoffe, Dir ist noch genug Zeit gegeben, bevor Du in der Menge untergehst, weil Du Dich anpaßt, oder Du Deinen Wunden erliegst, oder Du die Einsamkeit der Geselligkeit nicht mehr erträgst und Dich im Gewirr der vielen Nebenstrassen verlierst.
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