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"Autor"

eine kleine Geschichte

Nutzer: Xelessia
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geschrieben am: 20.06.2001    um 23:22 Uhr   


Es war einmal ein wunderschoener Garten, der lag im Westen des Landes, mitten in einem grossen Koenigreich.
Dort pflegte der Herr des Gartens in der Hitze des Tages spazieren zu gehen. Ein edler Bambus- Baum war ihm der
schoenste und liebste von allen Baeumen, Pflanzen und Gewaechsen im Garten. Jahr fuer Jahr wuchs dieser
Bambus und wurde immer anmutiger. Er wusste wohl, dass der Herr ihn liebte und seine Freude an ihm hatte.
Eines Tages naeherte sich der Herr nachdenklich seinem geliebten Bambus, und in einem Gefuehl grosser Verehrung
neigte sich der Bambus zur Erde. Der Herr sprach zu ihm: "Lieber Bambus, ich brauche dich."
Es schien, als sei der Tag aller Tage gekommen, der Tag, fuer den der Bambus geschaffen worden war.
Der Bambus antwortete leise: "Herr, ich bin bereit. Gebrauche mich, wie du willst !"
"Bambus", die Stimme des Herrn war ernst, "um dich zu gebrauchen, muss ich dich beschneiden !"
"Mich beschneiden ? Mich, den du, Herr, zum schoensten Bambus in deinem Garten gemacht hast ! Nein, das nicht,
bitte nicht ! Verwende mich doch zu deiner Freude, Herr, aber bitte beschneide mich nicht !"
"Mein geliebter Bambus", die Stimme des Herrn wurde noch ernster, "wenn ich dich nicht beschneide, kann ich dich
nicht gebrauchen."
Im Garten wurde es ganz still. Der Wind hielt den Atem an. Langsam beugte sich der Bambus. Dann fluesterte er:
"Herr, wenn du mich nicht gebrauchen kannst, ohne mich zu beschneiden, dann, tu mit mir, wie du willst, und
beschneide mich."
"Mein geliebter Bambus, ich muss dir auch deine Blaetter und Aeste abschneiden."
"Ach Herr, davor bewahre mich ! Zerstoere meine Schoenheit, aber lass mir doch bitte Blaetter und Aeste !"
Der Herr antwortete: "Wenn ich sie dir nicht abschneide, kann ich dich nicht gebrauchen."
Die Sonne versteckte ihr Gesicht. Ein Schmetterling flog aengstlich davon.
Und der Bambus, zitternd vor dem, was auf ihn zukam, sagte ganz leise: "Herr, schlage sie ab."
"Mein Bambus, ich muss dir noch mehr antun. Ich muss deinen Stamm teilen. Wenn ich das nicht tue, kann ich dich
nicht gebrauchen."
Da neigte sich der Bambus zur Erde: "Herr, schneide und teile."
So beschnitt der Herr des Gartens den Bambus, hieb seine Aeste ab, streifte seine Blaetter ab, teilte ihn in zwei Teile,
drang bis ins Mark. Dann trug er ihn dahin, wo schon aus einer Quelle frisches, sprudelndes Wasser sprang, mitten in
die trockenen Felder. Dort legte der Herr vorsichtig seinen geliebten Bambus auf den Boden. Das eine Ende des
abgeschlagenen Stammes verband er mit der Quelle, das andere fuehrte er zu der Wasserrinne im Feld. Die Quelle
sang ein Willkommen, und das klare, glitzernde Wasser schoss freudig durch den zerschlagenen Koerper des
Bambus in den Kanal und floss auf die duerren Felder, die so darauf gewartet hatten. Dann wurde der Reis gepflanzt,
und die Tage vergingen, die Saat ging auf, wuchs, und die Erntezeit kam.
So wurde der einst so herrliche Bambus zum grossen Segen. Als er noch gross und schoen war, wuchs er nur fuer
sich selbst und freute sich an der eigenen Schoenheit, aber als er sich hingegeben hatte, wurde er zum Kanal, den
der Herr gebrauchte, um sein Land fruchtbar zu machen


Verfassser... mir unbekannt...
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