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geschrieben am: 13.07.2001 um 16:11 Uhr
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Worte
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Niemand wusste, woher sie kam. Sie wusste es selbst nicht genau. Sie war eines Tages im Ort aufgetaucht, noch als kleines Mädchen von neun Jahren. Mittlerweile war sie 18, aus ihr war eine hübsche junge Frau geworden. Doch verstehen konnte sie niemand.
Sie verstand die anderen, denn sie konnte hören, und sie hatte gelernt, die Worte, die sie vernahm, zu deuten und zuzuordnen. Jedoch konnte sie selbst nicht sprechen. Malias Stimmbänder waren nicht in Ordnung, doch die Ärzte konnten nichts dagegen tun. Es schien eine Art Fluch auf ihr zu lasten.
Malia - ja, vermutlich war dies ihr Name. Als man sie damals fand, trug sie ein Armkettchen, in welches er eingraviert war. Sie empfand ihren eigenen Namen als wohlklingend, sie hörte die anderen sowieso gerne sprechen. Doch gab es auch Dinge, die sie nicht hören wollte, wenn zum Beispiel einige junge Leute an ihr vorübergingen und zueinander sprachen: "Seht euch dieses Mädchen an! Wie wunderschön sie ist... Warum hat gerade sie ein solches Schicksal?"
Die meisten von ihnen wussten nicht einmal, dass sie sie verstand, dass sie jedes Wort verstand. Die Leute , die es wussten, hatten sie lesen gelehrt, und sie las gern. Wenige leisteten ihr Gesellschaft, denn sie wussten nicht, was sie ihr sagen sollten. Ohnehin war es für die Leute ja auch ohne Ergebnis, Malia etwas zu erzählen, sie konnte sowieso nicht antworten. Das machte sie traurig, und sie weinte oft, wenn sie allein war.
Kaum jemand wusste von ihrer Traurigkeit, ihrer Bitterkeit, denn wenn sie anderen Menschen begegnete, sah man stets ein freundliches Lächeln in Malias Gesicht. Nein, keiner wusste es, außer ihr selbst - und Rick, dem Sohn des Arztes, der vergeblich immer wieder nach Wegen suchte, ihr zu helfen. Rick, mittlerweile 20 Jahre alt, versuchte ihn zu unterstützen, wo er konnte. Er erhoffte sich keinen Gewinn daraus, wenngleich er Arzt werden wollte, wie sein Vater.
Er mochte Malia, und sie spürte das, nein! Sie wusste es, seit er ihr vor einiger Zeit leise zugeflüstert hatte, dass er sich verliebt hatte, verliebt in sie. Als er sie dann sanft bei der Hand nahm, zitterte sie am ganzen Körper und blickte ihn mit ihren strahlenden dunklen Augen glücklich an. Zu gerne hätte sie etwas erwidert, zu gerne... Als er dann an jenem Abend wieder nach Hause zu seinem Vater ging, weinte sie erneut ihre lautlosen Tränen. Doch dieses. Mal war es nicht die Traurigkeit, die sie sonst verspürte. Es war ihre innere Verzweiflung, ihre Gedanken und Gefühle nicht in Worte fassen zu können.
Damals fasste sie einen Entschluss. Der Vater Ricks hatte sie bereits dazu ermuntert, als er sagte, dass es möglich sein müsse, dass auch sie Laute hervorbringen könne.
Seit diesem Ereignis verbrachten Malia und Rick viel Zeit miteinander, doch richtig glücklich war Malia dabei nicht. Sie wollte etwas sagen, zu ihm sagen!
Eines Sommermorgens holte Rick sie zu einem Spaziergang ans Meer ab. Als sie am Strand angelangt waren, machte sie ihm Handzeichen, er solle stehenbleiben und in eine andere Richtung schauen. Als er ihre Anweisungen befolgte, nahm Malia einen kleinen Stock und schrieb in den Sand. Sie wies Rick darauf hin, indem sie ihn am Ärmel zupfte und auf die Schrift am Boden zeigte.
'Ich habe geübt', stand dort 'und ich will Dir etwas sagen!' Er sah sie verwirrt an. "Dann schreib es hin, was Du sagen möchtest!", gebot er sanft. Sie jedoch blickte ihm in die Augen, schüttelte den Kopf, deutete auf ihren Mund und dann auf das Wort 'sagen' im Sand. Er wirkte erstaunt, als er sah, wie sie sich konzentrierte.
"Ih" Sie hatte einen Laut hervorgebracht! Trotz des deformierten Klangs, dieses Lautes vernahm er ihre schöne Stimme. "Ih", brachte sie erneut heraus. Er spürte, wie sehr sie sich anstrengte und legte zärtlich seine Hand auf ihre Schulter. "Du schaffst es!", flüsterte er. Ein leises Seufzen war von ihr zu vernehmen, ehe sie mit aller Kraft herausbrachte: "Ih lie-e Dih!"
Rick konnte es nicht fassen. Freudentränen flossen über sein Gesicht, teils aus Freude über ihren Erfolg, hauptsächlich aber darüber, dass sie ihm die schönste Botschaft gesagt hatte, die er sich jemals von ihr erträumt hätte. Als er sie glücklich umarmte, flüsterte er ihr kaum hörbar zu: "Du hättest das nicht sagen müssen, ich verstehe Dich auch ohne Worte!"
Sie gingen noch eine endlose Zeit Hand in Hand am Strand entlang, beide glücklich, dass sie sich hatten.
An diesem Tage musste Malia nicht weinen...
- ENDE -
by HeavensRevenge (also von mir selbst...)
Ich habe diese Story geschrieben, zum Nachdenken, damiit man sich darauf besinnt, wer man ist und was man leisten kann... Vielleicht hilft's einigen ja...
Grüße HeavensRevenge |
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