| "Autor" |
Der Tanz des Adlers (Teil1) |
|
|
|
geschrieben am: 20.07.2001 um 01:10 Uhr
|
|
(von insgesamt 7 Teilen)
1867. Als ich das erste Mal diese graziöse blasse und ausgemergelte Gestalt sah, konnte ich es kaum fassen, dass dies ein Mensch sein sollte. Enrico Camically, rot-blondes Haar, das wie Kupfer in der Sonne glänzte, grüne Augen, die Anmut, Angst und Widerstand verbargen. Sommersprossen, die auf seiner Nase spielten und ein Mund, der sich nie zu einem Lächeln verzog. Ja die Abwesenheit eines Lachens ist für mich geheimnisvoll und merkwürdig geblieben. Noch immer verstehe ich den Grund nicht. Seine Größe war ungewöhnlich für einen Jungen von 17 Jahren. Er überragte mich um einen halben Kopf. Wenn ich vor dem Spiegel stand, sah ich einen 21- jährigen Raymond Syscarre. Die mittelgroße viel zu kräftig gebaute Gestalt, das schwarze Haar, das unbändig in alle Richtungen abstand, die braunen Augen, die Treue und Leid vermittelten und die bronzene Haut. Ich war also das genaue Gegenteil von Enrico, doch trotzdem hatten wir etwas gemeinsam. Wir beide gingen auf die Hochschule für Jungen in dem kleinen italienischen Dorf San Mar Vanione. Enrico kam als Neuling in unsere Semesterklasse. Er war hoch begabt und langweilte sich in den Unterstufen, deshalb schickten ihn seine Professoren auf diese Hochschule. Er kam zu spät und ohne anzuklopfen, was sich im Laufe der Zeit nicht ändern sollte, in unsere Klasse hinein und setzte sich, ohne ein einziges Wort zu sagen, vorne in die Bank. Professor Monsignore Scanvanere sah Enrico verächtlich an, dieser starrte schweigend zurück. Nachdem Signore Scanvanere Enrico einige Minuten stumm und lauernd an gesehen hatte und dieser den Blick erwiderte, schrie er laut auf und zerrte Enrico an den Ohren von dem Platz herunter, dieser gab keinen Laut von sich. Er schleifte den Jungen zu seinem Pult und holte den Rohrstock hervor. Enrico sah auf, noch immer gab er keinen Laut von sich, nur die nackte Angst spiegelte sich in den Augen wieder. Professor Scanvanere lachte und sagte boshaft: "Ja Jungchen, jetzt zitterst du.". Enrico schwieg. "Verdammt noch mal,", rief Signore Scanvanere wütend, "Machst du jetzt endlich deinen Mund auf und sagst mir wer du bist und weshalb du zu spät kommst !". Wieder Schweigen. Da sauste der Stock hinunter und mit einem krachenden Geräusch zerbrach dieser. Ungläubig sah der Professor auf die zerbrochenen Teile des Rohrstockes und dann auf diese abgemagerte Gestalt zu seinen Füßen, die ihn stumm ansah. Zum ersten Mal in meiner Studentenzeit, sah ich wie Monsignore Scanvanere die Worte fehlten und sich Wuttränen in seinen Augen sammelten. Nachdem er sich wieder entsonnen hatte schrie er mit seiner donnernden Stimme: " Raus, sofort !". Doch Enrico stand auf und setzte sich abermals schweigend auf den Platz. Da brach Signore Scanvanere in eine unbändige Wut aus. Ich glaube dieses Bild werde ich nie vergessen, wie sich der Signore einem Jaguar gleich auf Enrico stürzte und ihn verprügelte. Wir alle sahen ohnmächtig zu, keiner von uns Studenten konnte etwas tun oder sagen. Nach einigen Sekunden der Ohnmächtigkeit, sprang ich mit einem Satz nach unten und griff nach meinem Professor. Dieser wehrte sich heftig und ich bekam einige Tritte und Flüche. Endlich besonnen sich die Anderen und halfen. Sie schleiften Professor Scanvanere aus dem Saal. Noch immer hallen mir seine Flüche und Verwünschungen im Ohr. Ich sah dem Haufen von schreienden und kämpfenden Studenten nach, die verzweifelt den weitaus stärkeren Mann hinaus brachten und zu beruhigen versuchten. Plötzlich ertönte eine schwache Stimme neben mir: "Was ist los ?". Ich wandte mich erschrocken um und sah auf das dünne blasse und blutüberzogenen Gesicht, in den Augen Furcht und Hochmut. Geändert am 20.07.2001 um 02:37 Uhr von Don_Elsolora |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 20.07.2001 um 01:39 Uhr
|
|
| mein Bruder der Geschichtenschreiber |
|
|
|
|
|
|
Top
|