Auf den Beitrag: (ID: 30424) sind "2" Antworten eingegangen (Gelesen: 355 Mal).
"Autor"

Vom ertrunkenen Mädchen...

Nutzer: Esileve
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geschrieben am: 23.07.2001    um 16:03 Uhr   
Als sie ertrunken war und hinunterschwamm
Von den Bächen in die größeren Flüsse
Schien der Opal des Himmels sehr wundersam
Als ob er die Leiche begütigen müsse.

Tang und Algen hielten sich an ihr ein
So daß sie langsam viel schwerer ward.
Kühl die Fische schwammen an ihrem Bein
Pflanzen und Tiere beschwerten noch ihre letzte Fahrt.

Und der Himmel ward abends dunkel wie Rauch
Und hielt nachts mit den Sternen das Licht in Schwebe
Aber früh ward er hell,daß es auch
Noch für sie morgen und abend gebe.

Als ihr bleicher Leib im Wasser verfaulet war
Geschah es (sehr langsam) daß Gott sie allmählich vergaß
Erst ihr Gesicht,dann die Hände und ganz zuletzt erst ihr Haar.
Dann ward sie Aas in Flüssen mit vielem Aas.
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"Autor"  
Nutzer: MacDeath
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geschrieben am: 23.07.2001    um 17:32 Uhr   
Schöne Jugend

Der Mund des Mädchens, das lange im Schilf gelegen hatte,
sah so angeknabbert aus.
Als man die Brust aufbrach, war die Speiseröhre so löchrig.
Schließlich in einer Laube unter dem Zwerchfell
fand man ein Nest von jungen Ratten.
Ein kleines Schwesterchen lag tot.
Die anderen lebten von Leber und Niere,
tranken das kalte Blut und hatten
hier eine schöne Jugend verlebt.
Und schön und schnell kam auch ihr Tod:
Man warf sie allesamt ins Wasser.
Ach, wie die kleinen Schnauzen quietschten!

(aus: Gottfried Benn - Morgue (1912))
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Nutzer: Esileve
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Anzahl Nachrichten: 8

geschrieben am: 24.07.2001    um 12:53 Uhr   
ich dachte eigentlich es gäbe keinen der mir auf dieses Gedicht eine Antwort schicken würde...
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