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geschrieben am: 26.08.2001 um 22:44 Uhr
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Ich strecke meinen Kopf aus dem Sand, doch die Vernunft holt mich zurück, sagt mir, sei vorsichtig, das was du über der Oberfläche erfahren kannst, ist fremd, komm zurück in die stickige Monotonie, hier warst du sicher und immer und das kann nicht schlecht sein. Die Vernunft reaktiviert die Kräfte, verneint sie damit, bietet Konstanz gegen Unvernunft an, gaukelt uns vor, indem wir jeden Tag das gleiche tun, zu glauben, dass der Faden des Seins niemals abreißen würde. Am Ende aber fühlt man sich als Verlierer, weil doch der Zufall ( des Todes ) die kontinuierliche Linie durchbrach. Warum also nicht gleich den Zufall in seine Arme nehmen, das Würfelspiel mit einbeziehen? Warum nicht alles verlieren, um alles zu gewinnen? Die Arbeit lebt von eben dieser Vernunft, sie gedeiht auf diesem Misthaufen der Verlogenheiten und Ängste. Arbeite ich schließlich nicht nur, um zu vergessen? Bezeichnenderweise verordnen Psychotherapeuten ihren Patienten Arbeit, wenn diese mit ihren Problemen nicht fertig zu werden glauben. Sie verordnen sie so, als wollten sie eine Schnittstelle im Gefühlszentrum des Gehirn einführen, um damit die schädlichen Einflüsse des Denkens und Fühlens abzutrennen; ähnlich einer Lobotomie, in deren Folge dem psychisch “gestörten" Patient durch einen chirurgischen Eingriff ins Gehirn, jene Teile gekappt werden, die für die Phantasiewelt verantwortlich gemacht werden. In der Tat: Arbeit löst die Probleme, Arbeit löst das Leben, löst das Leben ab, wie die Haut vom Körper. Ich arbeite, also bin ich nichts! Ohne Unterdrückung keine Kultur, stellte einfältig Sigmund Freud fest. Eine Scheißkultur, schließlich war der Preis eine Lustunterdrückung. Wofür wurden die Gräber der Pharaonen mit den Händen hunderttausender Arbeiter errichtet? Nur damit Neckermann-Touristen sie heute staunend begaffen können? Natürlich bewundere ich die Kathedralen, wundere mich über den absurden Weg, der versucht wurde, den Himmel zu erreichen. Immerhin steckte ein Glaube dahinter und einzig allein schätze ich den Versuch dem Absurden eine Form zu verleihen. Heute wird wenig Absurdes ausprobiert und die Bauten sollen Funktionelles darstellen. In einer Kathedrale stehend überkommt mich ein müdes Lächeln darüber, wie versucht wurde Gott in dieser Art und Weise nahe kommen zu wollen. Schnell fühle ich mich gelangweilt über diese Absichten, schließlich bauten sie ihre Bauten nur in den Himmel, eine Singularität, die der Allmächtigkeit des Gottes widerspricht. Hätte man doch nur versucht, die Allmächtigkeit in Formen zu hauen, man hätte keine Steine benutzen müssen. Das Werk, das mit soviel Mühe und Arbeit versehen wurde, dient allenfalls als Denkmal für einen großen Irrtum. Ein Irrtum, der sich bis heute fortpflanzte: war es einst das Streben nach Gott, ist es heute das Streben nach materiellen Dingen. Vielleicht ist es der Gedanke an den Tod und die Fesselung durch die begrenzte Zeit, was den Menschen in hektische Betriebsamkeit versetzt. Bestand einst die Knechtung seiner selbst darin, nach dem Leben ins Himmelreich kommen zu wollen, ist es jetzt die Idee später einmal was zu werden. Voller Bewunderung werden die Augen auf jene gerichtet, die was "geschafft" haben, doch zugleich wenden sich die Augen fort vom eigenen Leben. In diesem materiellen Glauben verhaftet, wird der Kultur der Bauten mehr Beachtung gezollt, als jenem Menschen, der vielleicht jahrelang vor einer weißen Wand meditierte. Wieviel wahrnehmender ist dagegen die Behauptung der Buddhisten, die erläutern, dass man nur in diesem Augenblick lebe, wo Zukunft und Vergangenheit reine Projektionen seien. Lebten wir so, die Arbeit würde in sich zusammenbrechen. Und das ist der Lohn der Arbeit: der Tischler sitzt nicht an seinem Tisch, der Bäcker ißt nicht sein Brot, der Architekt muß nicht in seinen Häusern wohnen. Eine anonyme Masse von Arbeitern produziert für eine anonyme Masse von Konsumenten. |
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