| "Autor" |
Ich bin der Rabe |
|
|
|
geschrieben am: 10.09.2001 um 14:47 Uhr
|
|
Ich bin der Rabe
schwarz und dunkler noch als Tod
sind meine Schwingen gefiedert
mit den bösen Träumen dieser Nacht
Meine Augen
Die Hölle die den Tag verschlang
Mein Blick
das Fieber das tief in dir kocht
Klauen kalt wie das Schaudern auf deinem Rücken
umklammern still dein Fensterbrett
wie die Angst deinen Hals
Mein Schnabel frißt das Mondlicht
und mein Schrei läßt dich nie schlafen
Starrst mich an
Doch ist mein Herz so unendlich tief
Die Seele ohne Reue
Mein Lächeln ist die Finsternis
Ich atme deine Angst
Mein Name friert den Schrei in dir
Im Lidschlag raub ich deine Seele
Ich steige auf und du bleibst leer zurück
Die Nacht liebkost ihr Kind
Und Schnee fällt durch ein Fenster
Hinter dem man nie mehr liebt |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 11.09.2001 um 13:54 Uhr
|
|
Der Rabe
Unwirklich in des Herbstes Stürmen
auf wahnsinnsgebognen Wolkentürmen
im Gleitflug lachend jenseits der Zeit
der Rabe aus dem Totenreich schreit.
Das schwarze Meer seiner Schwingen,
auf dem ölig die blassen Geister singen,
zernagt mit gehässigem Wellenschlag
die Küste des Seins bis zum letzten Tag.
Folgt ihm zum Schlachtfeld, dort voran!
Gebrochnen Auges dort Mann für Mann
geküßt von Maden im Mondenschein
bleicht das Gebein, bleicht das Gebein.
Im Nebelschleier kichern die Fahnen,
im Windtanz fliehen die Tauben, Lahmen
in die Farben des Kriegs sich geschmückt
und aus dem Gefüge des Seins verrückt,
umnachtete Seelen beim Morgengrau
fliehen, fleuchen, benetzt noch vom Tau.
Und der Rabe, der seinen Thron bezog
auf gedunsenen Leichen, weidet den Tod.
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 11.09.2001 um 22:07 Uhr
|
|
Lachend reckt sich im Sonnenglanze
Das letzte Weib auf meiner Gruft:
Die Brüste geschmückt mit dem Lorbeerkranze
Und Rosen im Haare voll Purpur und Duft.
Die Lüfte schimmern vor Glanz und Wonne,
Die Rosen atmen so schwül und satt;
Sie blinzelt schläfrig hinein in die Sonne
Und kaut mit den Zähnen ein Rosenblatt.
Und wie sich dehnt auf dem frischen Grabe
In Liebesbrünsten der leuchtende Leib,
Rauscht aus dem Wald ein riesiger Rabe
Und senkt sich herab auf das zitternde Weib.
Fest um die Hüften die pressenden Krallen
Treibt er das teuflischste Liebesspiel;
Blutstropfen purpurn zur Erde fallen,
Zum Lorbeer, der jäh von den Brüsten fiel.
Und wie an die zuckenden weißen Lenden
Die Federn peitscht das brünstige Tier;
Preßt sie mit zitternden heißen Händen
An sich die Flügel mit wütender Gier.
Da sinkt sie erschauernd zurück auf den Hügel
Ihr Blut erstarrt in Grauen und Not,
Und rauschend erhebt sich mit mächtigem Flügel
Als krächzender Rabe der lachende Tod.
Ludwig Jacobowsky
Ayane
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 11.09.2001 um 22:08 Uhr
|
|
Doppelposting
Geändert am 11.09.2001 um 22:12 Uhr von Ayane Geändert am 11.09.2001 um 22:12 Uhr von Ayane |
|
|
|
|
|
|
Top
|