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Trauer?

Nutzer: fratzmausi
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geschrieben am: 12.09.2001    um 13:58 Uhr   

bin ich jetzt ein Unmensch, weil ich diese Trauer nicht empfinden kann?

Was passiert ist, ist traurig, ja.

Aber ich bin nicht traurig genug, um nun in tiefes Schweigen zu verfallen.
Tut mir leid - aber das empfinde ich nun einmal nur für Menschen, die mir nahe stehen.

Alles andere wäre von mir geheuchelt.

Dann bin ich eben ein UNmensch.

fratz
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Nutzer: abalone
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geschrieben am: 12.09.2001    um 14:11 Uhr   
sympathisch, fratz :-)
trotzdem wühlt mich der anschlag ziemlich auf - ich habe angst vor den dingen, die nun kommen werden (nein, ich rede nicht vom 3. weltkrieg).


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Nutzer: fratzmausi
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geschrieben am: 12.09.2001    um 14:23 Uhr   
..ja aba :-).. Angst vor dem, was das alles nach sich zieht, habe ich auch.

Der Terror ist eine Macht, die niemand unterschätzen darf. Mir fallen immer wieder die 70er Jahre ein.
Da wird zwar heute nicht mehr viel drüber geredet - aber *meine Güte* - in Wahrheit haben die Leute doch nie aufgehört. Und nur weil Linke nicht mehr erwähnt werden, sind sie doch nicht verschwunden.
Das soll aber nicht heißen, dass ich die *Linken* für alles verantwortlichen machen will.

Der Religionswahn kommt noch hinzu; Rassenhass usw. Hinter allem steht Neid und Machtgier. Woher kommt nur dieser Hass?

Das, was wir totschweigen, das ist es, was uns Angst machen sollte.

So sehe ich das jedenfalls :-)

fratz
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Nutzer: fratzmausi
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geschrieben am: 12.09.2001    um 14:43 Uhr   
..wie erklärt man seinem Kind, was Trauer ist?

Ich hörte mich antworten: "Das, was mich traurig macht"

"und was macht dich traurig, Mama?"
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Nutzer: fratzmausi
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geschrieben am: 12.09.2001    um 14:53 Uhr   
.."dass es so viel Hunger und Elend auf dieser Welt gibt"

das Kind sieht die Mama mit großen, staunenden Augen an, weil es nicht versteht, worum es geht.

"warum?" fragt es deshalb nur..
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Nutzer: schlau
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geschrieben am: 12.09.2001    um 15:29 Uhr   
seit wann muss man kindern erklären, was trauer ist?? da muss nur einmal der lutscher in den sand fallen...

und.. denksportaufgaben a la "was mich traurig macht" sind auch nichts für kinder. es reicht doch, wenn schon die erwachsenen vor lauter denken und innerer zerissenheit nicht mehr zum handeln kommen, oder? ;-)
 
alle menschen sind gleich. gleich doof, gleich hässlich und gleich beleidigt.
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Nutzer: fratzmausi
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geschrieben am: 12.09.2001    um 15:29 Uhr   
..so und nun stehe ich als Mama da mit meinem Talent.

Was kann ich meinem Kind antworten?
Wie kann ich ihm eine Traurigkeit vermitteln, die ich selbst nicht in Worte fassen kann?
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Nutzer: fratzmausi
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geschrieben am: 12.09.2001    um 15:32 Uhr   
..schlau ..;-)

genau darauf wollte ich hinaus, danke .. :-)
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Nutzer: fratzmausi
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geschrieben am: 12.09.2001    um 15:52 Uhr   
nun wieder zurück zur Trauer

für mich heißt trauern, den Verlust beweinen, innerlich, auch ohne Tränen.

Der Verlußt kann sein - ein lieber Mensch,
etwas, das mir verloren, abhanden gekommen ist -
auf jeden Fall aber, hat es immer etwas mit MIR zu tun.

Jener aktuelle Fall ruft in mir bestenfalls Mitgefühl für die Hinterbliebenen hervor, weil ich das nachvollziehen kann, was diese armen Menschen durchmachen.

Es möge mir keiner übel nehmen, dass ich so empfinde, weil ich dieses "Schweigen", wie es hier dargeboten wird gelinde gesagt, für Unsinn halte - es hilft niemandem wirklich.

Habt ihr jemals einen Trauernden durch Euer Schweigen gertröstet?

hmm
fratz
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Nutzer: schlau
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geschrieben am: 12.09.2001    um 15:58 Uhr   
da würde ich lieber vorziehen zu schweigen. muss ja nicht jede gefühlsregung seziert werden...
 
alle menschen sind gleich. gleich doof, gleich hässlich und gleich beleidigt.
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Nutzer: fratzmausi
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geschrieben am: 12.09.2001    um 16:07 Uhr   
*schmunzel* ..nunja...das mag ne schlechte Angewohnheit von mir sein...
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Nutzer: ankabaer
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geschrieben am: 12.09.2001    um 18:52 Uhr   
Fratzi, ich hatte grade ein Gespräch mit meiner 15-jährigen Tochter.
Wir sahen gemeinsam fern und sie sagte, dass sie es nicht versteht, dass die Menschen alle heulen. Klar sind da Menschen gestorben, aber die kannte man doch nicht.
Sie muß nur weinen, wenn jemand stirbt, den sie ins Herz geschlossen hat (diesen Fall hatten wir leider erst grade vor einer Woche, mein Bruder ging total unerwartet in die andere Welt)

Du sagst, du kannst keine Trauer empfinden.
Ich glaube, das Wort Trauer ist wohl auch das Falsche.
Das richtige wäre wohl Entsetzen, gemischt mit Mitgefühl.

Du sagst, dass du dieses "Schweigen" für Unsinn hältst, es würde eh niemandem helfen
Doch Fratz, es hilft. Den Schweigenden sowie den Weinenden.
Um das Entsetzen langsam abzubauen.

Das sollten wir einfach akzeptieren.
Jeden Menschen so sein lassen, so empfinden lassen, wie er es für richtig hält.
Denn da liegt der Ursprung allen Bösen. Schon tausende von Jahren lang.
Anka
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Nutzer: fratzmausi
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geschrieben am: 12.09.2001    um 19:00 Uhr   
...wie ich sehe, liebe Anka, hast Du nicht alles durchgelesen ;-)

fratz
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Nutzer: Gast_Mystica
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geschrieben am: 12.09.2001    um 19:30 Uhr   
Grüßt ganz lieb das Mauserl und schlau ...

@ Mauserl ...
Trauer hat viele Gesichter. Man kann auch Trauer empfinden, wenn man die Menschen nicht kannte. Mich persönlich, hat am meisten die Mitteilung berührt "Hunderte von Kindern warteten vergebens in den Kindergärten auf ihre Eltern" ...

Nach dem Anschlag hatte ich das Gefühl, mich in Trace zu befinden und war unfähig zu denken. Jetzt erst löst sich allmählich der Schockzustand. Trotzdem beschäftigen mich viele Fragen, denn ich bin sicher, daß dieses "Ereignis" ( direkt oder indirekt ) tief in unser Leben eingreift ...
und wenn ich ehrlich bin, macht mir das Angst, weil ich es nicht verstehe und auch nicht verstehen will. Vielleicht liegt es daran, daß mir Menschen unheimlich sind, die "ihr geistiges Potential bzw. ihre materiellen Güter" für zerstörerische Aktionen einsetzen, wo man damit so viel Gutes in der Welt ausrichten könnte.

Verabschiedet sich mit den Worten; "Nicht der Verstand ist die Hauptsache, sondern das was ihn lenkt - die Natur, das Herz, die edlen Instinkte, die Entwicklung."
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Nutzer: ankabaer
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geschrieben am: 12.09.2001    um 19:34 Uhr   
Doch, Fratz.
Und eigentlich wollte ich mit meinen Worten nur bestätigen, dass ich deine Worte verstehe.
Und akzeptiere.
Anka

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