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Live to tell (Eine Geschichte)

Nutzer: sad_man
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geschrieben am: 26.05.2002    um 19:31 Uhr   
Live to tell (Teil 1)


Ich möchte Euch eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte die sich wirklich zugetragen hat.

Sie begann im Sommer 1991.
Ich arbeitete als Arzt in einem Frauengefängnis.
Nicht gerade mein Traumjob, aber er brachte Geld und das konnte ich nur allzu gut gebrauchen. Als junger Mann, der gerade das Medizinstudium abgeschlossen hat und nun auf eigenen Füßen steht, ist es nicht gerade leicht sich durchs Leben zu kämpfen.
Oft war ich nicht nur Arzt sondern auch Therapeut. Viele der Frauen hatten niemanden dem sie ihre Gefühle, Ängste und Sorgen anvertrauen konnten. Manche von ihnen würden nie wieder das Tageslicht außerhalb des Gefängnisses sehen.
Es dauerte eine Weile ehe ich mit dieser Tatsache klarkam. Man wird nicht gleichgültig, wenn man hört, dass wieder eine Frau hingerichtet wird, aber man lernt die Gedanken und Schmerzen zu verdrängen. Ich fürchte jedoch ich war zu jung um dies zu ertragen, womöglich wäre sonst alles anders ausgegangen.
Wie gesagt im Sommer 1991 begann unsere Geschichte.
Eine junge Frau namens Mary von 19 Jahren wurde in das Gefängnis gebracht. Sie war zum Tode verurteilt!
Ich war fassungslos als ich sie sah. Nie zuvor habe ich jemanden gesehen dem ich weniger einem Mord oder Drogenkonsum zugetraut hätte. Ihre Züge waren weich und so liebevoll wie ich es nie sah. Ihre schwarzes Haar rahmten ihr Gesicht und ließ es noch weicher wirken.
Ihre blauen Augen strahlten eine Wärme und Lebendigkeit aus die mich faszinierte und doch fragte ich mich wie sie zu so einer grausamen Tat in der Lage gewesen sein kann.
Ihr merkt, dass ich mich irgendwie zu ihr hingezogen fühlte.
Aber ich wehrte mich und es gelang mir auch sehr gut, da ich sie Monatelang nie bei mir in meinem Krankenflügel sah. Überhaupt sah ich Mary sehr selten, meist war ich zu sehr beschäftigt und so konnte ich jeden Gedanken der hochkam rasch zur Seite schieben.
Doch eines Tages kam es zu einer Schlägerei. Nein, sie war nicht beteiligt Mary ging einfach im ungünstigem Moment dazwischen und wurde verletzt. .

Ich saß gerade an meinem Schreibtisch und frühstückte als die Tür aufflog und die Krankenschwester mit Mary hineinkam. Schnell räumte ich alles von meinem Tisch und eilte auf beide zu.
„Eine Schlägerei!“ seufzte die Krankenschwester. „Sie ging dazwischen.“
Dabei verdrehte sie die Augen. Ihr war deutlich anzumerken wie dumm sie dieses Handeln fand.
„Ist in Ordnung, ich kümmere mich darum.“ Sagte ich nur leise, meinen Blick auf die Patientin geheftet.
Ich stützte die Patientin und schickte die Schwester fort.
„Kommen Sie. Setzen sie sich!“ Verwies ich sie auf die Liege.

Ja, ich war nervös. Sie hatte etwas anziehendes, ja fast zauberhaftes an sich. Noch nie hatte mich eine Frau so angesprochen wie sie. Und doch, sagte ich mir, dass sie eine kaltblütige Mörderin sei und ich mit so einer nichts zu tun haben wollte.

Ich vermied es sie anzusehen. Was sich als schwierig herausstellte denn Mary sah mich ihrerseits unentwegt an.
Ich untersuchte die Wunde.
„Es ist nichts Schlimmes! Aber besser ist es wenn Sie zwei Tage im Krankenflügel blieben!“
Sie sah mich nur an, und sagte kein Wort.
Nachdem ich die Wunde versorgt hatte, musste ich noch kurz einen Unfallbogen ausfüllen.
Welch schwierige Situation, ich starrte auf meine Bögen als ob ich ein total verschüchteter Highschooljüngling wäre.

Nach der Aufnahme des Unfalls ließ ich sie ins Krankenzimmer bringen. Und bereute es zutiefst nicht mehr mit ihr gesprochen zu haben.
Die nächsten Tage verhielt ich mich wie ein gestörter Teenager. Kaum zu glauben, dass ich so unprofessionell sein konnte.
Und so wurde Mary in ihre Zelle gebracht ohne das ich die Gelegenheit bekam mit ihr zu sprechen.


Geändert am 27.05.2002 um 15:25 Uhr von sad_man

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Geändert am 05.06.2002 um 21:33 Uhr von sad_man

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Geändert am 02.08.2002 um 14:02 Uhr von sad_man
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Nutzer: sad_man
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geschrieben am: 26.05.2002    um 19:33 Uhr   
Live to tell (Teil 2)

Doch dann kam der Termin der Hinrichtung. Knapp zwei Wochen hatte sie noch zu leben!
Diese Nachricht erschreckte mich und nahm mich ungewöhnlich mit. Dabei war es nicht mehr das erste mal, dass eine Frau hingerichtet wurde.
An jenem Tag als sie diese Nachricht bekam erlitt sie einen Nervenzusammenbruch. Sie wurde in den Krankenflügel gebracht.
Ich sah es als meine Pflicht an ihr die Möglichkeit zu geben sich alles von der Seele zu reden und so nahm ich sie am nächstem Abend mit in mein Büro.
Die Deckenlampe war durchgebrannt und niemand mehr da der sich dieses Problems hätte annehmen können und so saßen wir uns im halbdunkel gegenüber. Sie wirkte so zerbrechlich.
Ich schwieg und wartete bis sie von sich aus etwas sagen würde.
Es dauerte eine Viertelstunde ehe sie eine Regung zeigte.
Ihr Blick traf meinen und so sehr ich es versuchte ich konnte ihm nicht standhalten. Was war nur los mit mir?
„Ich bin keine Mörderin!“ sagte sie dann endlich.
Ach na ja, das hatte ich schon oft gehört. Entweder sie fangen an in letzter Minute sich die Tat von der Seele zu reden oder aber sie streiten es weiter ab.
„Sie glauben mir nicht!“ fügte sie nach einem Moment hinzu und sah mich durchdringend an.
„Erzählen Sie mir ihre Geschichte, dann möchte ich urteilen ob ich ihnen glaube oder nicht.“
Dumme Antwort, ich weiß, aber ich wusste nicht wie ich sonst um eine Antwort rum gekommen wäre. Denn in der Tat ich wollte es nicht glauben.
Sie holte tief Luft und schwieg.

„Ich weiß, dass sie alle behaupten, sie wären es nicht gewesen. Ich möchte auch nicht, dass mich irgendwer rettet. Ich möchte nur, dass mir ein einziger Mensch glaubt und weiß, dass ich unschuldig war.“ Ihr Blick wanderte über mein Gesicht.
„Ich will nicht von dieser Welt gehen und wissen, dass mir niemand glaubt.“ Sie sah zur Seite und schloß kurz die Augen.
„Mir ist klar, wie absurd sich das alles anhört, aber wirklich es ist so passiert wie ich es erzähle...
Ich war mit Freunden in einer Diskothek. Wir hatten viel Spaß. Natürlich wurde wir Mädels von dem ein oder anderem angesprochen, und es störte und natürlich nicht, aber da war dieser Mann, der sehr aufdringlich wurde und so dachten wir uns etwas aus wie wir ihn wieder loswerden würden. Es war nicht gerade eine nette Angelegenheit. Meine Freundinnen machten sich über ihn lustig. Nannten ihn „alter Sack“, und noch unschönere Worte fielen.
Ich konnte nicht so gemein sein und so sprach ich noch eine Weile mit ihm um ihn letzten Endes stehen zu lassen als ich tanzen wollte.
Später am Abend als ich gehen wollte fing er mich ab und wollte mich küssen, ich holte im Affekt aus und schlug ihm ins Gesicht, riss mich los und lief zu meinen Freunden zurück. Wir diskutierten lange über das was man mit ihm hätte machen sollen und warteten. Doch er tauchte nicht wieder auf. Erleichtert kündigte ich nach einer Stunde an, dass ich nun nach Hause fahren würde. Immerhin müsste ich am nächstem Morgen früh raus.
Und so verließ ich die Diskothek. Setzte mich in mein Auto und fuhr los.
Irgendwann fiel mir auf, dass hinter mir ein Auto herfuhr. Beim genauerem Hinsehen bemerkte ich, dass es ein Polizeiauto war. Ich dachte mir aber nichts dabei, immerhin hatte ich nichts getrunken. Na gut ich war in einer Diskothek in der ich eigentlich nicht hätte sein dürfen, aber na ja, wer hat das nicht mal gemacht?
Jedenfalls sah ich auf einmal die Lichthupe im Rückspiegel und so hielt ich an. Wir befanden uns in einer Gegend in der ich so eigentlich niemals anhalten würde. Weit und Breit nichts von menschlichem Leben zu sehen. Doch es gab keinen anderen Weg nach Hause. Ich fragte mich nur, warum die Polizei mich ausgerechnet an einem solchem Ort anhalten muss.
Aber die Antwort sollte nicht fern bleiben.
Einer der Polizisten stieg aus, der andere blieb sitzen. Ich traute meine Augen kaum als ich den Polizisten erkannte, denn es war der Mann der mich in der Diskothek belästigt hatte.
Ich lächelte verlegen.
Er wies mich an auszusteigen. Was ich tat. Ich reichte ihm meine Papiere und den Führerschein. Ohne sie anzusehen steckte er diese weg. Packte mich am Arm und zerrte mich zu dem Polizeiauto. Er flüsterte mir ins Ohr, dass er es mir schon heimzahlen wolle, so würde er sich von einer Schlampe nicht behandeln lassen. Dann riss er die Wagentüre auf, zog seine Waffe und zielte auf seinen Partner. Ich sah noch wie dieser die Augen aufriss und etwas sagen wollte, seine Hand griff nach dem Funkgerät und dann sah ich nur noch Blut spritzen.“
Sie schloss die Augen, legte ihre Hand vors Gesicht und schluckte einige Tränen hinunter.

Geändert am 28.05.2002 um 21:02 Uhr von sad_man
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geschrieben am: 26.05.2002    um 19:35 Uhr   
Live to tell (Teil 3)

„Ich schrie! Voller Panik versuchte ich mich loszureißen, aber ich fing mir heftige Schläge ein bis ich nicht mehr schreien konnte vor Schmerzen. Dann nahm er meine Hand und legte mir die Mordwaffe hinein, drückte meine Finger kurz an sie und steckte sie anschließend in eine Tüte. Außer mir vor Entsetzen wagte ich mich nichts mehr zu sagen. Erkannte aber ganz klar die Absicht. Er sagte dann, dass er seinen Partner schon länger hatte loswerden wollen. Und grinste fies. Dann kettete er mich mit Handschellen an eine Laterne und dann das schlimmste er band mir den Arm ab und spritzte mir etwas. Bei jedem Versuch mich zu wehren schlug er zu. Und so ließ ich es zu. Danach forderte er Verstärkung an. Und ehe ich mich versah, änderte er sein Verhalten und tat so als würde ihn das wahnsinnig mitnehmen. Ich konnte nichts tun als zu heulen. Heulen vor Angst und Verzweiflung.
Mir wurde komisch und ich ahnte, dass er mir Drogen gespritzt haben musste. Den Rest nahm ich nur verschwommen war. Es kam mir vor als würden Tausende von Polizeiautos kommen. Richtig bei Bewusstsein fand ich mich erst in einer Zelle wieder.
Leider hatten die Drogen eines nicht bewirkt. Sie ließen mich nicht vergessen was ich sah. Ich träume fast jede Nacht davon wie dem Polizisten der Kopf weggeschossen wurde.“
Leise schluchzte sie. Ich war entsetzt über diese Erzählung und schwankte zwischen Glauben und Zweifel. Doch ich bemerkte wie sie zu zittern begann. Würde jemand der sich eine solche Geschichte nur ausdenkt zittern? Nein!
„Niemand wollte mir glauben. Selbst mein Anwalt sagte mir es sei besser sich schuldig zu bekennen. Meine Eltern sagten sie stünden hinter mir, schämten sich aber sehr für ihre Mörder-Tochter. Mir konnte immerhin nachgewiesen werden, dass ich unter Drogen stand. Und genau darin sahen der Richter und die Geschworenen die Bestätigung für die Richtigkeit der Angeben des Polizisten. Ich hatte keine Chance! Und so wurde die Todesstrafe verhängt, weil ich als gemeingefährlich gelte. Natürlich könnte ich in Berufung gehen, aber was soll `s? Mir glaubt ohnehin niemand.“
Ihre Worte klangen nun verbittert aber auch hilflos. Und so fühlte ich mich auch. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Jedoch war ich mir nun sicher, dass sie niemanden umgebracht hatte.
Sie sah mich hilfesuchend an und weinte. Die Tränen fielen still und leise über ihr Gesicht.
Und ehe ich selbst wusste was ich tat hatte ich sie in die Arme genommen und fest an mich gedrückt.
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Nutzer: sad_man
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geschrieben am: 26.05.2002    um 19:35 Uhr   
In jener Nacht schlief ich sehr unruhig. Immer wieder wachte ich auf und fragte mich was ich tun könnte. Und dann fiel mir was ein.
Ich besorgte ihr eine Uniform und schmuggelte sie am nächstem Tag aus dem Gefängnis.
Weshalb auch immer ich hatte mir eine Waffe eingesteckt.
Wir fuhren einfach drauf los. Ich wusste, dass ich nun die nächsten Tage nicht im Gefängnis erscheinen würde.
Mindestens drei Stunden fuhren wir ohne ein Wort zu sprechen.
Gegen Abend suchten wir uns ein Motel. Denn ich war müde und wollte ausruhen.
Doch ich träumte nur von ihr, und als ich erwachte saß sie auf einem Stuhl und sah mich an. Still lächelte sie. Sie sah bezaubernd aus. Und ich fühlte mich so zu ihr hingezogen.
Ich setzte mich auf und sah sie an. So vergingen einige Minuten in denen wir uns nur ansahen.
„Ich bin das Risiko nicht wert. Du solltest mich zurückbringen!“ sagte sie dann leise.
Ich stand auf, ging auf sie zu und ohne über das nachzudenken was ich tat, berührte ich mit meiner Hand ihr Gesicht.
„Doch!“ sagte ich heiser.
„Du bist es wert!“
Schnell ließ ich die Hand sinken und sah verlegen zur Seite. Sie sah ebenfalls verlegen weg.
„Ich geh eben duschen!“ sagte ich um die Situation zu retten.
„Willst Du mir nicht Handschellen anlegen? Ich könnte weglaufen und Du hättest keine Chance mehr mich zurückzubringen.“
„Nein, das wirst Du nicht tun! Ich vertraue Dir!“ antwortete ich und ging ins Bad.
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Nutzer: sad_man
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geschrieben am: 26.05.2002    um 19:36 Uhr   
Live to tell (Teil 4)

Wir hatten einige wunderschöne Tage und konnten wenigstens Zeitweise vergessen warum wir unterwegs waren. Sie blühte immer mehr auf!
Und ich? Ich verliebte mich in sie, noch mehr als ich es schon war.
An einem Abend übernachteten wir im Auto, weil wir kein Motel gefunden hatten und außerdem das Wetter so schön war, dass wir uns abends einfach nur ins Gras legen wollten und die Sterne betrachten.
Seltsam wie still Sterne vor sich herfunkeln sie sind immer da, was auch immer geschieht, ob ein Schiff versinkt, ein Flugzeug abstürzt oder ein Kind geboren wird. Sie sind da wie stumme Zeugen.
Ich wachte morgens auf und sah sie wieder vor mir sitzen wie sie mich beobachtete. Verlegen lächelte ich sie an.
„Ich finde es schön Menschen beim Schlafen zu beobachten. Ich hoffe Du bist nicht böse deswegen.“
Ich schüttelte den Kopf und setzte mich rasch auf.
Wir saßen uns gegenüber und sahen uns intensiv in die Augen und diesmal konnte ich mich nicht zurückhalten und küsste sie, wobei ich mit einem Schlag ins Gesicht rechnete, der nicht kam, sie erwiederte meinen Kuss. In dem Moment war mir klar, dass ich alles tun würde, nur damit sie nicht in der Todeszelle sterben müsste.

Wir waren sehr glücklich und über beide Ohren verliebt.
Unser Glück trübte sich allerdings an jenem Tag als ich an der Tankstelle eine Zeitung fand in der unsere Bilder abgebildet waren. Hastig zahlte ich und lief hinaus. Startete den Wagen und fuhr was das Zeug hielt. Während sie mich fragend ansah.
Später erzählte ich ihr was ich in der Zeitung entdeckt hatte.
Sie wurde sehr still.
„Ich will nicht in der Todeszelle sterben wo mir Leute zusehen die mir den Tod an den Hals gewünscht haben. Ich will nicht, dass mich Menschen voller Hass gegen mich beim Sterben sehen.“ Sagte sie leise.
Ich nahm ihre Hand.
„Ich verspreche Dir, das wird nicht passieren!“ und küsste sie auf die Stirn.
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Nutzer: sad_man
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geschrieben am: 26.05.2002    um 19:37 Uhr   
Wir fuhren noch mehrere Stunden ehe wir uns nach einer Übernachtungsmöglichkeit umsahen. Wir fanden eine alte Scheune, in der nichts außer etwas altes Stroh herumlag.
Dort schlichen wir uns rein und drückten uns in einer Ecke zusammen. Geweckt wurden wir von Stimmen die vor der Scheune aufgeregt zu vernehmen waren.
Dann hörte ich wie jemand von außen die Scheune verriegelte. Schnell sprang ich auf. Dann hörte ich Sirenen. Mary hatte sie ebenfalls bereits gehört. Wir verriegelten die Scheune von innen. Standen uns plötzlich gegenüber und zitterten am ganzem Körper. Ich nahm Mary in den Arm und drückte sie fest an mich.
„Bitte, ich will nicht so sterben müssen.“ Flüsterte sie leise und verzweifelt.
Ich zog meine Pistole hervor. Mary sah mich fragend an.
„Du hast mir nicht vertraut?“ fragte sie heiser.
„Doch!... Das heißt am Anfang vielleicht nicht. Aber das ist nun egal, ich vertraue Dir jetzt!“
Tränen liefen ihr übers Gesicht.
„Was willst Du mit der Waffe?“ sagte sie.
Dann überlegte sie einen Moment und nickte.
„Aber nur ich, Du musst weiterleben. Schieb es alles auf mich! Sag ihnen ich hätte Dich erpresst, bedroht oder so. Es spielt für mich keine Rolle mehr! Versprich es mir! BITTE!“
Ich nickte stumm. Die Tränen liefen mir übers Gesicht das ich kaum mehr sehen konnte.
Wir standen uns gegenüber. Draußen wurde gegen das Tor gehämmert. Immer wieder schien sich jemand dagegen zu werfen.
Ich riss mich zusammen. Nahm Mary in den Arm und wir küssten uns. Nach zwei Minuten drückte ich ihr die Mündung der Pistole gegen die Brust.
„Ich liebe Dich“ flüsterte sie leise.
Ich konnte nichts erwidern, weinte einfach nur leise. Küsste sie in dem Bewusstsein, dass es keinen weiteren Kuss mehr geben würde. Als sie mich plötzlich ansah und nickte wusste ich, dass ich jetzt abdrücken muss. Ohne auch nur darüber nachzudenken gab ich den Schuss ab. Mary klammerte sich an mich, dann erschlaffte ihr Körper und sank langsam an mir herab zu Boden. Hilflos weinte ich! Versuchte mich mit dem Letzten bisschen Kraft dazu zu bringen ihr die Waffe in die Hand zu legen, damit es nach einem Selbstmord aussah. Gab ihr einen letzten Kuss.
Das Tor flog hinter mir auf und eine Horde Polizisten strömten ein. Alle bewaffnet.
Ich wurde zu Boden geworfen und verhaftet.

Niemand stellte viele Fragen, sie nahmen mir die Version von der Erpressung und dem Selbstmord ab. Ich gab meinen Job im Gefängnis auf. Sorgte dafür, dass Mary ein vernünftiges Grab bekam, denn ihre Eltern wollten von ihrer Tochter nichts mehr wissen.
Oft besuche ich das Grab und erzähle ihr alles was ich erlebe. Ich weiß nicht ob sie mich hören kann. Aber ich stelle mir vor, dass sie es kann.
Jahre später wurde Marys Fall wieder aufgerollt da sich herausstellte, dass der Polizist der Mary damals verhaftet hat und ihr diese Taten angehängt hat, nicht ganz normal war. Er befindet sich in psychatrischer Behandlung, wegen eines versuchten Amoklaufs.
Er hat die Tat von damals gestanden. Mary wurde für unschuldig erklärt. Ich wünschte sie hätte das mit erleben können.
Manchmal frage ich mich ob es nicht doch anders besser gewesen wäre, aber wie auch immer Mary wäre tot. So konnte ich ihr eine Angst nehmen, die Angst vor Menschen die bereit sind anderne beim Sterben zu zusehen. Was für eine Welt in der Mörder zu Ermordeten werden. Ganz legal!
Mir bleibt nichts als dafür zu kämpfen, dass so ein Unrecht nie wieder geschieht.

Und ich lebe weiter damit Mary niemals vergessen wird......

ENDE
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"Autor"  
Nutzer: Spirit_of_69_
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geschrieben am: 27.05.2002    um 16:12 Uhr   
wunderschöne geschichte.......*schweigt*
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"Autor"  
Nutzer: Spirit_of_69_
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Registriert seit: 17.05.2002
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geschrieben am: 27.05.2002    um 20:45 Uhr   
darf man fragen wo du sie her hast?
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"Autor"  
Nutzer: sad_man
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geschrieben am: 28.05.2002    um 13:02 Uhr   
Schön das euch die Geschichte gefällt. Ich finde sie sehr schön aber auch sehr traurig

Zu Deiner Frage, Spirit, Ich kann den Autor leider nicht nennen :-(
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"Autor"  
Nutzer: Spirit_of_69_
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geschrieben am: 28.05.2002    um 15:17 Uhr   
axo

[Oi!PuNk]
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"Autor"  
Nutzer: DieFortuna
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geschrieben am: 04.06.2002    um 21:46 Uhr   
sprachlos is... und Tränen in den Augen hat... ja, schön, schaurig schön...
~Fortuna~
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