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"Autor"

Die Tigerin

Nutzer: Nachtgestalt
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geschrieben am: 20.09.2001    um 18:12 Uhr   

Dennoch gingen sie etwa eine Viertelstunde noch neben, vor und hinter einander einher, bis endlich Fec das unerträglich gewordene Schweigen brach, indem er, in einer unwiderstehlichen Laune, den sehr unverständlichen Wunsch aussprach: "Gib mir eine Bohne und ich werde dir sagen, daß jene Wurst blau ist."
Bichette wartete, ob nicht noch etwas folgen würde. Dann lachte sie häßlich und laut. "Wie wärs, hein, wenn du diese geholten Sachen ließest?"
Fec wurde mit einem Blick lebendig. "Das ist es! Das ist es! Geholte Sachen! Geholte Sachen!"
Bichette lachte noch lauter und noch häßlicher. "Machen wir uns, Herr Baron? Oder machen wir uns nicht."
"Das ist es. Wir machen uns."
"Schlingue! Was denn! So sprich doch schon!" Bichette stupste Fec, seinen Ellbogen packen, vorwärts.
Fec blieb sofort stehen. "Sprachst du nicht gestern von der Tatsache, daß wir uns lieben? Und daß es feststünde, wir wüßten bloß nicht - warum, und nicht - wie? Wenn aber ..." Er hielt, seine Hand auf Bichettes Unterarm, inne, um die Wirkung dessen, was er sagen wollte, noch zu erhöhen. "Wenn aber das Warum fehlt und das Wie, wie steht es dann mit der Tatsache?"
Bichette riß sich zornig seine Hand herunter. "Was willst du damit sagen, hein?"
"Folgendes." Fec ging, die Hände vor der Brust schließend, langsam weiter. "Weder du hattest recht, noch hatte ich recht. Die Prügelei in der Jetée hat sich nicht ereignet, weil wir doch leer laufen, aber auch nicht, weil wir nicht mehr leer laufen. Unsere Abmachung ist durchaus nicht etwas anderes geworden. Sie ist geblieben, was sie war."
"Du weißt mehr als ich." Bichette trällerte schnippisch. "Was war sie denn eigentlich."
Fec stutzte. "Famos!" Dann zog er Bichettes nur schwach widerstrebenden Arm unter den seinen. "Worin unsere Abmachung eigentlich bestand? Darin, daß wir, wie du in Paris auf der Fahrt zum Bahnhof sagtest, uns vornehmen wollten, uns nichts vorzumachen wie die anderen, uns nichts vorzutrillern, - sap zu bleiben, hart und klar uns selbst gegenüber, um alles machen zu können. Das war unsere Abmachung. Nichts weiter."

aus Walter Serner - "Die Tigerin"

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Nutzer: fratzmausi
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geschrieben am: 20.09.2001    um 18:16 Uhr   
..?.. muß ich das verstehen?
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Nutzer: tigresse
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geschrieben am: 20.09.2001    um 19:10 Uhr   
ça me plaît!

(zitat)das herz

das wilde herz ward weiss am wald;
o dunkle angst
des todes, so das gold
in grauer wolke starb.
novemberabend.
am kahlen tor am schlachthaus stand
der armen frauen schar;
in jeden korb
fiel faules fleisch und eingeweid;
verfluchte kost!

des abends blaue taube
brachte nicht versoehnung.
dunkler trompetenruf
durchfuhr der ulmen
nasses goldlaub,
eine zerfetzte fahne
vom blute rauchend,
dass in wilder schwermut
hinlauscht ein mann.
o! ihr ehernen zeiten
begraben dort im abendrot.

aus dunklem hausflur trat
die goldne gestalt
der Juenglingin
umgeben von bleichen monden,
herbstlicher hofstaat,
zerknickten schwarze tannen
im nachtsturm,
die steile festung.
o herz
hinueberschimmernd in schneeige kuehle.

g.trakl, 1887-1914(/zitat)
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Nutzer: etoile_liberte
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geschrieben am: 20.09.2001    um 20:47 Uhr   



penser et aspirer

Le moment du trépas

Wenn's Zeit ist zu geh'n,
und die schwarzen Fahnen weh'n,
eine tiefe Grub' gegraben wird,
und eine leere Seel' durchs Dunkel irrt,
so hat's wieder zwölf geschlagen,
und man hört den Henker sagen:
„Du, Nächster, Du bist dran!,
nun fang doch nicht zu weinen an,
knie nieder, mach Dich bereit,
auf das die Klinge Dich befreit!"
Ein schneller Schnitt, es geht die Not,
die Seele steigt, der Rest ist tot.


au revoir tigre etoile
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Nutzer: tigresse
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Anzahl Nachrichten: 571

geschrieben am: 09.10.2001    um 00:29 Uhr   
Raubtiere

... zittern gelb die Straßenlichter
Im Schnee,
Es zittern die Oberleitungen, droehnen.
Ich, ein Panther,
Streich' durch die Nacht,
Die dunkle Weite schreckt mich nicht:
Ich bin das Raubtier,
Das den zerfleischt,
Der mich zu fordern wagt.

Ein Wahnsinn weckt zu neuem Leben,
Immer wieder kehrt die dunkle Stunde,
Gesicht, Gestalt
Hinter unserm Ruecken,
Und jene Stimme, die nur
Der Schatten eines Daseins, das verdammt.

Das Eis schmilzt von den Daechern,
Sonst glaubte ich noch,
Der Fruehling schweigt ewig.
Die goldene Kuppel,
Das Zigeunerkind, das
An die Ewigkeit glaubt;
Ich aber zweifle und
Hoere nachts im Park die Woelfe heulen,
Wenn die Newa zugefroren
Wie jedes Jahr,
Und alle denken,
Sie wuessten warum.

© by M.Serbanescu, 2000

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