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Tanzt auf den Gräbern

Nutzer: Engelsfall
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Anzahl Nachrichten: 616

geschrieben am: 21.09.2001    um 10:55 Uhr   


Einen Jungen sah ich auf den Gräbern tanzen,
er wirbelte um sich und warf seinen Ranzen
hoch in die Luft und er fing ihn dann auf -
es war ein seltsamer kindlicher Brauch.

Ein Lächeln trug er verträumt auf den Lippen,
klamm schlug mir das Herz an die Rippen,
er bog sich versunken im Flötenklang,
der nicht an mich, an seine Ohren nur drang.

In dunkler Erde zog sein Fuß tiefe Spuren,
all seine Schritte, sie tickten wie Uhren,
an welche staubige alte Herren gemahnen
als wollten sie Leben wie Leichen aufbahren.

Und mit dem Laut von seinem hellen Lachen
stiegen in der Ferne die bunten Drachen,
die tanzten für ihn wild am Himmel entlang,
während er munter über die Gräber sprang.

Und ich ging zu ihm, meine Hand fand seine,
und er sprach zu mir: "Sieh, was ich meine,
laßt nicht ruhen, was in den Gräbern modert,
solange darin auch nur ein Funke noch lodert."

Mein Schweigen blieb, da ich nicht verstand,
und ich sah, wie in ihm das Lachen verschwand.
Staunend betrachtete er mein stilles Gesicht
mit der Frage: "Weißt Du das wirklich nicht?"

Da fädelte eine Träne sich leis eine Bahn,
sehr heiß nagte an meiner Wange ihr Zahn,
den Blick hielt ich in meinem Kummer gesenkt,
wie gern hätt ich an ihn mein Herz verschenkt.

Doch der Kleine, er kniete sich nieder,
und ich sah ihn an, denn er lächelte wieder,
dort, wo meine Träne zu Boden gefallen war,
lag sie auf dem Grabstein und funkelte klar.

Es war ganz deutlich, was der Junge dort fand,
sein eigenes Bildnis auf dem Tropfen erstand,
er schmunzelte kurz und dann sagte er mild,
wies mit dem Finger dabei auf das Spiegelbild:

"Wenn er da drinnen am Leben ist -
und wenn er wie ich mit dem Herzen mißt..."
Ich hob den Blick und sah in das Morgenrot,
"Wenn er lebt, dann bin ich lange schon tot."

Nie wieder sah ich ihn auf den Gräbern springen,
und niemals hörte ich je seine Flöte singen.
Doch ab und an winkte er auf der Straße mir zu,
lächelte heimlich und verschwand dann im Nu.

Und wenn dereinst man im Grabe mich birgt,
laßt brach es liegen, damit der Zauber wirkt.
Nur von einem mag ich, daß es dort steht:
"Tanzt auf den Gräbern, tanzt und versteht."


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"Autor"  
Nutzer: *dieFee*
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Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 570

geschrieben am: 21.09.2001    um 12:23 Uhr   
.....

ein wunderschönes Gedicht und wenn ich darf würde ich es mir gerne kopieren.

*dich lieb grüßt*

Fee
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"Autor"  
Nutzer: Engelsfall
Status: Profiuser
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Registriert seit: 27.09.2004
Anzahl Nachrichten: 616

geschrieben am: 21.09.2001    um 12:29 Uhr   

wow ich hab mal ne antwort gekriegt ;)
klar darfst dus kopieren

*knuddelt*
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