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Herbst

Nutzer: charleene
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geschrieben am: 28.09.2001    um 21:34 Uhr   
Ich suche Herbstgedichte oder Herbstgeschichten. Hat evtl. jemand solche auf Lager oder weiß wo ich diese finden kann?

leene
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Nutzer: Chatmaster
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geschrieben am: 29.09.2001    um 16:43 Uhr   

Link

viel spaß damit
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Nutzer: charleene
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geschrieben am: 29.09.2001    um 19:47 Uhr   
Thx, aber den Link kannte ich schon :)

leene
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Nutzer: Chatmaster
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geschrieben am: 29.09.2001    um 20:09 Uhr   
schade, dass konnte ich nicht wissen
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"Autor"  
Nutzer: charleene
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geschrieben am: 29.09.2001    um 20:23 Uhr   
master: woher auch? Kennst Du evtl. noch nen interessanten Link zu Geschichten oder Liedern über den Herbst?

leene
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"Autor"  
Nutzer: Gast_Mystica
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geschrieben am: 30.09.2001    um 23:55 Uhr   
Nikolaus Lenau hat einige wundervolle Gedichte zum Thema Herbst geschrieben..

Herbst

Rings ein Verstummen, ein Entfärben:
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
ich liebe dieses milde Sterben.

Von hinnen geht die stille Reise,
die Zeit der Liebe ist verklungen,
die Vögel haben ausgesungen,
und dürre Blätter sinken leise.

Die Vögel zogen nach dem Süden,
aus dem Verfall des Laubes tauchen,
die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
die Blätter fallen stets, die müden.

In dieses Waldes leisem Rauschen,
ist mir als hör' ich Kunde wehen,
daß alles Sterben und Vergehen,
nur heimlich still vergnügtes Tauschen.

Herbstklage

Holder Lenz, du bist dahin!
Nirgends, nirgends darfst du bleiben!
Wo ich sah dein frohes Blühn,
braust des Herbstes banges Treiben.

Wie der Wind so traurig fuhr,
durch die Straßen, als ob er weine;
Sterbeseufzer der Natur
schauern durch die welken Haine.

Wieder ist, wie bald! Wie bald!
Mir ein Jahr dahingeschwunden.
Fragend rauscht es aus dem Wald:
"Hat dein Herz sein Glück gefunden?"

Waldesrauschen, wunderbar
hast du mir das Herz getroffen!
Treulich bringt ein jedes Jahr,
welkes Laub und welkes Hoffen.


Herbstentschluß

Trübe Wolken, Herbstesluft,
einsam wandl' ich meine Straßen,
welkes Laub, kein Vogel ruft –
ach, wie stille! Wie verlassen!

Todeskühl der Winter naht;
Wo sind, Wälder, eure Wonnen?
Fluren, eurer vollen Saat,
goldne Wellen sind verronnen!

Es ist worden kühl und spät,
Nebel auf der Wiese weidet,
durch die öden Haine weht,
Heimweh; - alles flieht und scheidet.

Herz, vernimmst du diesen Klang,
Von den felsentstürzten Bächen?
Zeit gewesen wär' es lang,
daß wir ernsthaft uns besprächen!

Herz, du hast dir selber oft,
weh getan und hast es andern,
weil du hast geliebt, gehofft;
Nun ist's aus, wir müssen wandern!

Auf die Reise will ich fest,
ein dich schliessen und verwahren,
draußen mag ein linder West
oder Sturm vorüberfahren;

Daß wir unsern letzten Gang,
Schweigsam wandeln und alleine,
daß auf unserm Grabeshang,
niemand als der Regen weine!

Herbstgefühl

Mürrisch braust der Eichenwald,
aller Himmel ist umzogen,
und dem Wandrer, rauh und kalt,
kommt der Herbstwind nachgeflogen.

Wie der Wind zu Herbsteszeit
mordend hinsaust in den Wäldern,
weht mir die Vergangenheit,
von des Glückes Stoppelfeldern.

An den Bäumen, welk und matt,
schwebt des Laubes letzte Neige,
niedertaumelt Blatt auf Blatt
und verhüllt die Waldessteige;

Immer dichter fällt es, will
mir den Reisepfad verderben,
daß ich lieber halte still,
gleich am Orte hier zu sterben.


Herbstgefühl (2)

Der Buchenwald ist herbstlich schon gerötet,
so wie ein Kranker, der sich neigt zum Sterben,
wenn flüchtig noch sich seine Wangen färben;
Doch Rosen sind's wobei kein Lied mehr flötet.

Das Bächlein zieht und rieselt, kaum zu hören,
das Tal hinab, und seine Wellen gleiten,
wie durch das Sterbgemach die Freunde gleiten,
den letzten Traum des Lebens nicht zu stören.

Ein trüber Wandrer findet hier Genossen;
Es ist Natur, der auch die Freuden schwanden,
mit seiner ganzen Schwermut einverstanden,
er ist in ihre Klagen eingeschlossen.

Leichte Trübung

Woher dies plötzliche Verstummen?
Und diese Wolken kummerschwer,
die mir dein Angesicht vermummen,
das erst so froh gestrahlt, woher?
"Siehst du den blauen Berg dort ragen,
der Felsen in die Lüfte hebt,
an welchen selbst die Gemsen zagen
und der erschrockne Jäger bebt? -
Von seinem Gipfel schleudre du,
ein Steinchen spielend in die Tiefen:
Du störst der Lüfte schwanke Ruh,
und Nebel steigen, die dort schliefen.
So warfst du, seine Kraft nicht ahnend,
ein Wörtchen mir in meine Brust,
ein Wörtchen, leise, aber mahnend,
und sieh, nun stieg der trübe Wust,
von Nebelbildern alter Kränkung,
aus ihrer stillen Nachtversenkung."


Herbst / Detlev Freiherr von Liliencron

Astern blühen schon im Garten;
Schwächer trifft der Sonnenpfeil
Blumen die den Tod erwarten,
durch des Frostes Henkerbeil.

Brauner dunkelt längst die Haide,
Blätter zittern durch die Luft.
Und es liegen Wald und Weide,
unbewegt im blauen Duft.

Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
welke Rosen, reife Frucht.


Herbst / Rainer Maria Rilke

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.


Wünsche dir eine friedvolle Nacht und süsse Träume..
Geändert am 01.10.2001 um 00:17 Uhr von Mystica
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Nutzer: tigresse
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geschrieben am: 01.10.2001    um 00:12 Uhr   
Herbstgedicht

Die Wiese
trägt feucht
meinen Körper

Der Phallus
des Herbstes
ergießt sich
mit letzter
Sonnenkraft

Die Natur
erfüllt sich
in Onanie und
letztendlich
im Schlaf

Einige Äste
tragen schon
Knospen

Dirk M. Boche

°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

Herbstgedicht [II]

In die Dunkelheit will ich dir folgen
Wenn sich Blätter leuchtendrot
Im Tode schmücken
Und im Zwielicht Nebelfrauen
In ungeahnte Tiefen locken
Wenn Bäume dürre Äste recken
Und Raben, schwarz wie Kohle,
Deinem Auge gleich,
Mit heiserem Geschrei
Durch dunstig-weiße Ferne ziehn

Dann will ich dir folgen
In die Dunkelheit.

Mutter hab ich immer dich genannt,
Niemals wissend -
Ob deine Brust, ob deine Sichel
Sich mir zuneigt
Meine Tränen,
meine Lust und meine Furcht
Sie alle sind aus dir geboren,
Um allein zu dir zurückzukehren

Aufgelöst, in deinen Armen
Schlaf ich wohl
Die alte Haut ist abgelegt,
Sie ist nicht mehr -
Ist nie gewesen

Schnell, das Feuer ist geschürt
Und schon bereitet ist das Bad
Aus blutig brodelndem Gebräu,
In jenem Kessel dort
Den du ‚Verwandlung' heißt

Ich falle endlos, bodenlos
Furcht trifft in Freude sich zuletzt
Nach langer, atemloser Fahrt,
Die Bei dir endet, am Quell der Nacht.

U. Sprenger
[hey, das soll ein "herbstgedicht" sein?..]


ansonsten bspw. Link , textsuche "herbst" :-)

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Nutzer: charleene
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geschrieben am: 01.10.2001    um 06:42 Uhr   
Zwar habe ich bei meiner Suche im Net die Gedichte von tigresse bereits gefunden, aber dennoch danke für die Mühe :)

Selbstverständlich auch ein großes Dankeschön an Mystika :)

leene
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Nutzer: Gast_Mystica
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geschrieben am: 01.10.2001    um 10:58 Uhr   
Hab noch einige Herbstgedichte gefunden..

Herbstmanöver / Ingeborg Bachmann

Ich sage nicht: das war gestern. Mit wertlosem
Sommergeld in den Taschen liegen wir wieder
auf der Spreu des Hohns, im Herbstmanöver der Zeit.
Und der Fluchtweg nach Süden kommt uns nicht,
wie den Vögeln, zustatten. Vorüber, am Abend,
ziehen Fischkutter und Gondeln, und manchmal
trifft mich ein Splitter traumsatten Marmors,
wo ich verwundbar bin, durch Schönheit, im Aug.

In den Zeitungen lese ich viel von der Kälte
und ihren Folgen, von Törichten und Toten,
von Vertriebenen, Mördern und Myriaden
von Eisschollen, aber wenig, was mir behagt.
Warum auch? Vor dem Bettler, der mittags kommt,
schlag ich die Tür zu, denn es ist Frieden
und man kann sich den Anblick ersparen, aber nicht
im Regen das freudlose Sterben der Blätter.

Laßt uns eine Reise tun! Laßt uns unter Zypressen
oder auch unter Palmen oder in den Orangenhainen
zu verbilligten Preisen Sonnenuntergänge sehen,
die nicht ihresgleichen haben! Laßt uns die
unbeantworteten Briefe an das Gestern vergessen!
Die Zeit tut Wunder. Kommt sie uns aber unrecht,
mit dem Pochen der Schuld: wir sind nicht zu Hause.
Im Keller des Herzens, schlaflos, finde ich mich wieder
auf der Spreu des Hohns, im Herbstmanöver der Zeit.


Gedanken bey dem Fall der Blätter im Herbst / Barthold Hinrich Brockes

In einem angenehmen Herbst, bey ganz entwölktem heiterm Wetter,
indem ich im verdünnten Schatten, bald Blätter-loser Bäume, geh',
und des so schön gefärbten Laubes annoch vorhandnen Rest beseh';
Befällt mich schnell ein sanfter Regen, von selbst herabgesunkner Blätter.

Ein reges Schweben füllt die Luft. Es zirkelt, schwärmt' und drehte sich
ihr bunt, sanft abwärts sinkend Heer; doch selten im geraden Strich.
Es schien die Luft, sich zu bemühn, den Schmuck, der sie bisher gezieret,
so lang es möglich, zu behalten, und hindert' ihren schnellen Fall.
Hiedurch ward ihre leichte Last, im weiten Luft-Kreis überall,
in kleinen Zirkelchen bewegt, in sanften Wirbeln umgeführet,
bevor ein jedes seinen Zweck, und seiner Mutter Schooß, berühret;
Um sie, bevor sie aufgelöst, und sich dem Sichtlichen entrücken,
mit Decken, die weit schöner noch, als persianische, zu schmücken.

Ich hatte diesem sanften Sinken, der Blätter lieblichem Gewühl,
und dem dadurch, in heitrer Luft, erregten angenehmen Spiel,
der bunten Tropfen schwebendem, im lindem Fall formiertem, Drehn,
mit offnem Aug', und ernstem Denken, nun eine Zeitlang zugesehn;
Als ihr von dem geliebten Baum freywilligs Scheiden (da durch Wind,
durch Regen, durch den scharfen Nord, sie nicht herabgestreifet sind;
Nein, willig ihren Sitz verlassen, in ihren ungezwungnen Fällen)
Nach ernstem Denken, mich bewog, sie mir zum Bilde vorzustellen,
von einem wohlgeführten Alter, und sanftem Sterben; Die hingegen,
die, durch der Stürme strengen Hauch, durch scharfen Frost, durch schwehren Regen
von ihren Zweigen abgestreift und abgerissen, kommen mir,
wie Menschen, die durch Krieg und Brand und Stahl gewaltsam fallen, für.

Wie glücklich, dacht' ich, sind die Menschen, die den freywillgen Blättern gleichen,
und, wenn sie ihres Lebens Ziel, in sanfter Ruh' und Fried', erreichen;
Der Ordnung der Natur zufolge, gelassen scheiden, und erbleichen!


Herbst-Gefühl / Karl von Gerok

Müder Glanz der Sonne!
Blasses Himmelblau!
Von verklungner Wonne
träumet still die Au.

An der letzten Rose
löset lebenssatt
sich der letzte lose,
bleiche Blumenblatt!

Goldenes Entfärben
schleicht sich durch den Hain!
Auch Vergehn'n und Sterben
däucht mir süß zu sein.


Spät im Jahr / Albrecht Goes

Habt Vorrat ihr genug, ihr meine Augen,
für einen Winter, lang und weiß und grau?
Nehmt noch dies Asternrot, dies weiche Lila,
dies späte Gelb, dies herbstlich klare Blau,

Und nehmt den Silberglanz der großen Flüge
des Habichts und des Eichelhähers wahr,
und auch den Birnbaum nehmt, ein goldnes Gleichnis
des Überschwangs vom segensreichen Jahr.

Und endlich nehmt das Lächeln und die reine
Strahlung des schönen Menschenangesichts,
und alle Nacht wird herrlich euch erhellt sein
vom farbgen Widerschein geliebten Lichts.


Im Nebel / Hermann Hesse

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein.
Kein Baum sieht den andern,
jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
als noch mein Leben licht war,
nun, da der Nebel fällt,
ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
der nicht das Dunkel kennt,
das unentrinnbar und leise
von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist einsam sein.
Kein Mensch kennt den anderen,
jeder ist allein.


Wünsche allen einen friedlichen Start in die neue Woche..
P.S.
Es gibt ein wundervolles Buch mit ca. 1000 Gedichten..
nennt sich "Der ewige Brunnen" ;-)
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