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Der Hirtenjunge

Nutzer: Vielsag
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geschrieben am: 14.06.2003    um 20:21 Uhr   
Der Hirtenjunge

„Deine Ruh‘ ist hin, dein Herz ist schwer; du findest sie nimmer und nimmer mehr“, so pfeifen klammheimlich die Vögel es ihm. Doch er folgt trotzig dem Kuckuck, der Hirtenjunge, auf lockender Spur in den schütteren Wald.
Seine Flöte aber ruft keine Ziegen mehr, wenn über feuchtgrünem Moos, geführt durch die Schleier der Sonne, ins Dickicht tiefer und tiefer er dringt.
Wilde Früchte nunmehr sein Begehr‘; doch was er auch kostet, was er auch trinkt, was immer sich vom Wegesrand an seine Lippen schlingt, bleibt für sein Herz nur blasse Bitterkeit.
Nur eine, muß er dann sich eingestehen, in Harmonie mit seinem Herzen, trägt um den Mantel aus dem Blut der Welt die Süße, die die Sehnsucht quält.
An einem Bergsee hat er sie gefunden, mohnrot dort in der Sonne glänzend.
Von ihrem Duft gezogen, kniet er im Taumel nieder, greift mit den Händen sich die schöne, pralle Frucht, und seine Finger malen ihren zarten Flaum.
Wie überreif, von warmem Atem angehaucht, zerbirst die Frucht, dem sanften Daumendruck sich beugend: es quillt hervor ihr zartes Rosafleisch, umhüllt von schwerem, süßen Duft, der in ihn tief und tiefer strömt, wenn seine Lippen, behutsam noch, doch mehr und mehr die weichen Fruchtlamellen saugen.
Und seine Zunge hört nicht auf zu kreisen in dieser süßen Wunderfrucht, gebärt aufs Neue immer wieder Nektartropfen, die leckend, saugend, schlürfend voller Lust er trinkt, bis sein Gesicht im unermüdlich sprudelnd Quell sich gänzlich badet.
Kaum noch verhohlen, zeigt schon sich ihm der Kern der Frucht, um den sich alles Süße rankt und reift, der noch, doch schwankend schon, die rote Frucht zusammenhält, bis heiße Lippen ihn umschließen und zaghaft Zähne an ihm nagen, auf daß die Frucht, für ihn gereift, zu kleinem Tod zusammenfällt.

Der Hirtenjunge aber greift darauf beseelt den harten Stab und schreitet mit ihm in das kühle Blau des Bergsees. Die Augen schließt er, sein Gesicht zur Sonne, wenn Silberperlen durch das Wasser gleiten wie er in eine andre Welt.

Vielsag
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Nutzer: HanLoKe
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Anzahl Nachrichten: 108

geschrieben am: 14.06.2003    um 20:56 Uhr   
Na das ist eine Metaphorik, mein lieber Schwan!
Dieser kleine Hirtenjunge scheint mir eher ein ausgewachsener .... "Verführer" ... zu sein, der das arme "Gretchen am Spinnrad" nicht in Ruhe lassen kann.
Deine erotischen Texte sind immer sehr phantasievoll verpackt, Vielsag. Gekonnt!

~schmunzelndindierealitätzurückkehrt~
Han

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