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herbstgewitter

Nutzer: schlau
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geschrieben am: 30.09.2001    um 08:52 Uhr   
Herbstgewitter über Dächern

Herbstgewitter über Dächern, Schneegestöber voller Zorn,
Frühjahrssturm im Laub vom Vorjahr,
Sommerwind in reifem Korn.
Hätt ich all das nie gesehen, säh', für alles andre blind,
Nur den Wind in Deinen Haaren, sagt ich doch,
ich kenn den Wind !

Straßenlärm und Musikboxen, weh'n ein Lied irgendwo her,
Düsengrollen, Lachen, Rufen, plötzlich Stille ringsumher.
Hätt' ich all das nie vernommen,
wär für alles taub und hört'
Nur ein Wort von Dir gesprochen, sagt' ich doch,
ich hab gehört.

Bunte Bänder und Girlanden,
Sonne nach durchzechter Nacht,
Neonlicht im Morgennebel, kurz bevor die Stadt erwacht.
Wär' mir das versagt geblieben,
hätte ich nur Dich geseh'n
Schließ' ich über dir die Augen, sagt' ich doch,
ich hab geseh'n.

Warten, Hoffen und Aufgeben, Irren und Ratlosigkeit.
Zweifeln, Glauben und Verzeihen, Freudentränen,
Trunkenheit.
Hätt' ich all das nie erfahren, hätt' ich all das nie erlebt,
Schlief' ich ein in deinen Armen, sagt' ich doch,
ich hab gelebt.

r.mey
 
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Nutzer: tigresse
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geschrieben am: 30.09.2001    um 15:10 Uhr   
(zitat)der gewitterabend

o die roten abendstunden!
flimmernd schwankt am offenen fenster
weinlaub wirr ins blau gewunden,
drinnen nisten angstgespenster.

staub tanzt im gestank der gossen.
klirrend stoesst der wind in scheiben.
einen zug von wilden rossen
blitze grelle wolken treiben.

laut zerspringt der weiherspiegel.
moeven schrein am fensterrahmen.
feuerreiter sprengt vom huegel
und zerschellt im tann zu flammen.

kranke kreischen im spitale.
blaeulich schwirrt der nacht gefieder.
glitzernd braust mit einem male
regen auf die daecher nieder.

g.trakl(/zitat)


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Nutzer: Gast_Mystica
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geschrieben am: 30.09.2001    um 20:01 Uhr   
Seit jeher empfinde ich den Herbst als die faszinierendste Jahreszeit.
Ich liebe diese stürmischen Zeit. Mag es, wenn der Wind um die Häuser tobt und die Blätter graziös durch die Luft tanzen läßt. Dann gehe ich noch lieber im Wald spazieren, da er sich plötzlich -wie von Zauberhand- in einem farbenprächtigen Gewandt präsentiert.
Aber Herbsttage bedeutet auch Tage der Melancholie. Triste Tage, die sich wie Perlen an einer Schnur aneinander reihen und an denen man das Gefühl hat, es wird nie wieder einen Sommer geben. Tage, an denen man sich zurückzieht, über Dinge nachdenkt, liest oder einfach nur die Seele baumeln läßt..

All denen, die genauso empfinden wie ich, widme ich das nachfolgende Gedicht zum unerschöpflichen Thema Herbst..


An den Herbst von John Keats

Neblige Zeit, die weiche Früchte häuft,
Busenfreundin reifenden Sonnenscheins.
Im Plan, die Rebe, die ums Strohdach läuft,
zu segnen mit der Traubenfracht des Weins;
Mit schweren Äpfeln, noch am Kern voll Saft,
bemooste Landhausbäume zu bemühn;
Den Kürbis prall, die Haselnuß gesüßt
vorm Fall zu runden; Knospen aufzublühn,
was Bienen mehr und noch mehr Blumen schafft,
bis jede glaubt, nie ende diese Kraft,
weil Sommer ihre Waben überfließt.

Wer sah dich nicht schon oft in deinem Schatz?
Man findet dich, wenn man ins Freie geht,
nimmst du am Speicherboden sorglos Platz,
dein Haar vom Worfelwind weich aufgeweht;
Oder, wenn du in halbgemähter Bahn,
betäubt vom Mohnstaub, fest geschlafen hast
und deine Sichel Korn und Blumen schont;
Und Ährenlesern gleich trägt ab und an
dein Kopf ruhig über Bäche seine Last;
Und preßt man Apfelmost, bist du der Gast,
den letztes Rieseln stundenlang belohnt.

Wo sind die Frühlingslieder? Ja, wohin?
Denk nicht an sie, Musik besitzt auch du —
da welken Tagen Streifenwolken blühn
und deckt ein Rot-Ton Stoppelfelder zu:
Dann jammern Mücken ihren Wehgesang
in Uferweiden, steigen, um sogleich
zu sinken, stirbt, lebt auf der leichte Wind;
Und Lämmer blöken laut vom Bach am Hang;
Busch-Heimchen singen; und nun zittert weich
der Pfiff des Rotkehlchens im Gartenreich,
da zwitschernd Schwalben in den Lüften sind.


Grüsse besonders schlau und Tigresse..
Licht und Sonne..
und einen friedvollen Abend..
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Nutzer: schlau
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geschrieben am: 30.09.2001    um 23:03 Uhr   
tjach, alles eine frage der ausrichtung. wie gehabt *grinz* sag, hat der herr trakl die dunkle wolke im kopf literarisch salonfähig gemacht? und persönlich: ist es deine empfindung oder ein ähmmm... prinzip?
walkürenmässig, die wolken...

schlau und tigresse - licht und sonne
nette kombination.

einige der schönen seiten am herbst: man hat jede menge schlechtwetterausreden um nicht rauszumüssen, kann sich gleich 10 bücher und cd's kaufen, darf allen leuten ungestraft seine melancholie ans ohr sabbern, sich langsm aber sicher auf tee mit rum freuen, depressiv in längst (mindestens seit letztem jahr) versunkenen schlammigen gedanken herumfuhrwerken undundund.. :-)
 
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Nutzer: Gast_Mystica
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geschrieben am: 30.09.2001    um 23:30 Uhr   
Ach schlau, es gibt kein schlechtes Wetter nur unpassende Kleidung ;-)
übrigens.. manche Leute sabbeln auch Blödsinn ohne melancholich oder depresiv zu sein ;-)

Schlau knuddelt, ihn an der Hand packt und zum Herbstspaziergang mitnimmt. Ist eh viel schöner bei Regen und Wind durch die Gegend zu marschieren, als in der prallen Sonne..

Lacht.. und "schenkt" schlau ein Gedicht von Joseph von Eichendorff..

Im Herbst

Der Wald wird falb, die Blätter fallen,
wie öd und still der Raum!
Die Bächlein nur gehn durch die Buchenhallen
lind rauschend wie im Traum,
und Abendglocken schallen
fern von des Waldes Saum.

Was wollt ihr mich so wild verlocken
in dieser Einsamkeit?
Wie in der Heimat klingen diese Glocken
aus stiller Kinderzeit –
ich wende mich erschrocken,
ach, was mich liebt, ist weit!

So brecht hervor nur, alte Lieder,
und brecht das Herz mir ab!
Noch einmal grüß ich aus der Ferne wieder,
was ich nur Liebes hab,
mich aber zieht es nieder
vor Wehmut wie ins Grab.


Wünscht schlau einen erholsamen Schlaf und süsse Träume..
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Nutzer: tigresse
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geschrieben am: 30.09.2001    um 23:46 Uhr   
dein unwissen in bezug auf trakl grenzt an blasphemie.. abgruende einer bildungsluecke drohen dich zu verschlingen. nacharbeiten!
in meiner reaktionsfaehigkeit ob dieser "herbst=melancholie=seufz"geschichte bin ich leider etwas monomanisch veranlagt: *gaehn*.

btw, 10buecher + 10cds? oder 10insgesamt? etwa aufgrund einer begrenzten erwerbsberechtigung? und welche duerfen's denn sein?
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Nutzer: schlau
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geschrieben am: 01.10.2001    um 13:06 Uhr   
erwerbsbedingt darf ich geld ausgeben, wie's die freizeit erlaubt. mal sehn. üblicherweise treib ich mich tagelang in buchläden rum, bis ich was passendes gefunden hab. nun ist herr adams leider tot, pratchett ausgelesen; vielleicht wirds was seichtes. ruhrgebietskrimis.
bei den cd's such ich derzeit 2 scheiben von Shawn Phillips und ein bisschen blues und dergl. aus der Van Morrison ecke. der rest ergibt sich.

@mystica: danke für den netten spaziergang

tigerchen? da oben fehlt der rest vom "linkto"
 
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