Auf den Beitrag: (ID: 31382) sind "0" Antworten eingegangen (Gelesen: 856 Mal).
"Autor"

Ein Feuerstrauch

Nutzer: Engelsfall
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 27.09.2004
Anzahl Nachrichten: 616

geschrieben am: 01.10.2001    um 12:52 Uhr   


Orange und rot und golden wiegen sich Blätter im Blei,
hei, wie an dem kleinen Feuerstrauch die Funken glühen,
wie die Windsbraut an ihm zerrt und die Schauer sprühen,
auserkoren, daß er am Hochzeitsfest ihr Brautstrauß sei.

Im warmen Fenster hockt des Nachbars schwarze Katz,
auf dem antiken Gesicht ein ausgestopfter, scheeler Blick,
sieht sie um den Feuerstrauch den seelenangegrauten Strick;
eifrig, mühsam, ängstlich gräbt er sich fest an seinem Platz.

Im Frühling sah ich in dem Feuerstrauch die Elfen nisten
und zum Sommer blühte er für Mensch und für alls Getier,
jetzt rollen zu seinem Fuße Eicheln wie Schädel als Zier.
Im Winter werden sie tun, als ob sie vom Strauche wüßten.

Ach armer, kleiner Feuerstrauch, wie tapfer du doch bist
und halte dich nur kräftig fest, auch wenn sie dich zerreißen,
deine abgezogene Rinde wird der erste Schnee dir weißen,
die gezausten Blätter dir begraben, der Tod nur eine List.

Im nächsten Jahre erst sah ich mein Sträuchlein wieder,
und des Nachbars Katz ließ die Erinnerung im Rauch
vertreiben, vertrocknete Eicheln unter meinem Feuerstrauch,
trauernd ließ die Windsbraut sich an seinem Grabe nieder.


  Top