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Das Kind von der Insel im Meer

Nutzer: Kliana
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geschrieben am: 31.03.2002    um 21:11 Uhr   
DAS KIND VON DER INSEL IM MEER

Mein Blick irrt unruhig umher, ich sehe wasser, nichts als das Meer.
Plötzlich halte ich inne und sehe hinab. Ein Lächeln ziert sanft meine Züge.

Ein Kind, noch so jung und unberührt, sieht zu mir hinauf, ich versuche zu erkennen, wer es ist, kann es nicht sehen, zu groß die Entfernung, zu unklar die Sicht und doch spüre ich sie. Diese großen, blauen Augen, sie sehen mich an. So von Neugier erfüllt, so wunderbar klar. Sie wirken vertraut, als kenne ich ihn, diesen Blick, doch habe ich ihn noch nie zuvor gesehen.
Ich betrachte das Kind, es sieht unschuldig aus und so zart. Sein Anblick erfüllt mich mit stolz und Ehrfurcht zugleich.
Ich schwebe. Es sieht mich an, unentwegt, seine Lippen versuchen mir etwas zu sagen, es scheint wichtig zu sein. Ich kann nicht verstehen, höre dennoch gut zu. Der Wind weht durch sein Haar. Ich schärfe den Blick und schwebe hinab.
Auf halber Strecke bleibe ich stehn, ein starker Windstoß hält mich zurück. Dichte Nebelwolken ziehen auf, nur noch sehr schwach nehme ich es wahr, das Kind auf der Insel im Meer.
Mir wird einiges klar.
Ein heller, gelber Blitz streift an mir vorbei, regen erschwert mir die Sicht. Panisch suche ich nach einem wolkenlosen Stückchen Himmel, um ihn noch einmal zu sehen. Nur so wenige Meter trennen uns. das Kind auf der Insel im Meer, ich höre es rufen, die Stimme, so zart und noch ungehört. Ich muss zu ihm, denn jetzt weiß ich, wer es ist.
Die Regenquelle schließt sich, die Wolken ziehen ab, langsam kriecht die Sonne aus ihrem versteck. Ich sehe erneut auf die Insel, suche das Kind...
Fort ist es. Doch ich gebe nicht auf, halte es in Gedanken immer wieder fest, nichts. Es ist fort. Ich umkreise die Insel. Ich höre das Schlagen von Flügeln, folge dem Schwarm schwarzer Vögel.
Sie fliegen zur Insel im Meer. Ich bleibe, wo ich bin, sehe hinab.
Mein Herz scheint zu stehen, da liegt es, am Ufer, sein dunkles Haar gleicht der Seele einer Fledermaus, so wirr, so schwarz, so unheimlich. In einer dunklen roten Pfützen liegt es. Die schwarzen Vögel schnattern, umkreisen mein Kind auf der Insel.
Ich sehe einfach nur zu, keine der Tränen bahnt sich ihren Weg ins Freie, zu schwach, zu schockiert, um noch zu weinen.
die Zeit bleibt stehen. Ich warte. Warte und warte, doch nichts geschieht, es wird nicht mehr wach. Ich wage es nicht, ihm näher zu kommen. Ich sehe zu wie die Vögel verschwinden, nichts mehr ist übrig, vom Kind auf der Insel. Die kleine Landschaft verdorrt, das Meer trocknet aus. Ich sehe einfach nur zu. Jetzt weiß ich, was es wollte. Meine Augen werden feucht, denn zu spät wurde mir klar, wer er war, der kleine Junge auf der Insel im Meer. Ich vermisse dich, kleiner Bruder.

Kliana
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