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Nutzer: Gast_dasnebel
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geschrieben am: 09.10.2001    um 11:24 Uhr   

Wir essen kein Fleisch, aus moralischer Überzeugung.
Wir haben allerdings keine Ahnung wie es ist, wenn man schon so lange garnichts mehr gegessen hat,
dass der Hunger weh tut. Wir tragen Springerstiefel und wollen nur durch die Farbe der Schnürsenkel unsere politische Mienung kundtun. Wir haben Angst, wenn uns Kahlgeschorene begegnen und sehen es nicht, wenn der neben uns Hilfe braucht. Weil sie ihn ausgewählt haben und nicht uns, weil seine Haut etwas dunkler scheint und er eine andere Sprache spricht. Da ist sie dann auch nicht mehr viel wert, die Farbe unserer Schnürsenkel...
Wir demonstrieren und zwar immer für das Richtige, ohne zu wissen, was das richtige ist. Wir wollen auffallen odermanchmal besser nicht, weil wir kein Selbstvertrauen haben, oder zumindets nicht genug um sich selbst ungeschminkt und ohne falsche Masken zu zeigen.
Wir sind so, wie man erwartet, das wir sind, oder eben nicht, wollen revolutionieren, wir wollen kämpfen, wissen aber nicht wofür, und ob es sich lohnt, denn eigentlich sind wir so zufrieden mit unserer heilen Welt, die so langweilig zu seinen scheint, dass sie uns anekelt. Wir haben keine Idole mehr, keine Ideale, keine Ziele, keine Zukunft.
Wir wissen, was für eine Leben wir gerne führen würden. aber wir können uns nicht überwinden, uns dafür anzustrengen, weil das viel ansträngender wäre. Viel anstrengender, als sich im Internet in andere Leute ihr Leben einzuklicken, uns im Fernsehen Talkshows anzusehen und uns darüber aufzuregen, wer welche Praktiken bei was mag, anstatt darüber, dass wir so unverschämt schamlos sind.
Die Gesellschaft verarmt, und zwar geistig.
Wir sind die Nachkommen des holoccaust,des Wirtschaftswunders, die Nachkommen derer, die einen ganzen Staat wieder aufgebaut haben, doch wir haben keinen Respekt vor ihnen, weil wir ihre Werte und vorstellungen nicht annehmen wollen, obwohl wir sie im Grunde garnicht so tragisch finden, aber sie sind nunmal unsere Eltern, und wir wollen doch einmal ganz anders leben als sie, wir sind nur viel zu bequem dazu.
Außerdem wollen wir garnichts verändern, solange es uns nur gut geht. Wenn wir unsere Ruhe haben, ist uns doch alles im Grunde einerlei, wir regen uns zwar über vieles auf, aber fragen nicht, was wir dagegen tun können, weil wir denken, das einer alleine sowieso nichts verändern könne.
Dabei vergessen wir Leute, die wir uns als Vorblid nehem, Martin Luther King und alle die, die so viel verändert haben, obwohl sie am Anfang ja auch alleine waren. Aber es geht ja auch nich darum, die Welt zu verändern, wir versuchen ja noch nicht mal, bei uns selber anzufangen, wir sind zu bequem.
und zu feige...

nebel
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