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geschrieben am: 26.04.2003 um 11:55 Uhr
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Jein. Meine Besorgnis erklärt sich auch in einem langwierigen Entscheidungsprozeß, den ich vor ca zwei Jahren ebenso wie vor einigen Monaten geführt und wieder geführt habe aufgrund dessen, daß die Konsequenzen jener getroffenen Entscheidung so weitreichend und tiefschürfend sind, daß mir die Verantwortung zu groß war...
Indes, ich kam dazu, daß man sie tragen muß, daß ich sie tragen muß, denn nur, weil man etwas tut oder erschafft und jemand nach einem es zu etwas schlechtem mißbrauchen könnte, darf man es nicht auslassen. Es geht um das verantwortungsbewußte Handeln, das in den Menschen gleich die Einsicht mit schürt, wie man sinnvoll einsetzt und wo man Grenzen ziehen muß.
Was ich gerade bei einer Verschmelzung der Kulturen (siehe auch: die Globalisierung) besonders befürchte, ist ein Verlust der Vielfältigkeit. Im Gegenzug soll auch das Konfliktpotential abnehmen, doch sehe ich das noch nicht kommen. Konflikte bestehen seltenst lediglich aufgrund kultureller Unterschiede, sondern zu großen Teilen aufgrund wirtschaftlicher und politischer Interessen. Ein Mensch aber, dem seine kulturelle Identität entzogen ist, ist anfällig dafür im Leben zu straucheln, da er sich seiner Vergangenheit auf die Weise beraubt sieht, daß sie nicht mehr für sich selbst stehen kann, da er sich mit kulturellen Hintergründen auseinandersetzen muß, die eigentlich keine Wurzeln in ihm haben. Es ist eine Sache, wenn ein Mensch sich freiwillig damit beschäftigt, weil es sein Bedürfnis ist - und doch rät z.B. selbst der Dalai Lama (ich bitte die fehlende Quellenangabe zu verzeihen), daß ein jeder Mensch Erleuchtung über den Glauben und Kulturkreis finden sollte, in den er hineingeboren ist.
Das ist alles nicht ausschließlich und ausnahmslos zu betrachten. Ich sehe aber eine große Anfälligkeit in schwindender Vielfalt und nicht den Nutzen, den die Zusammenführung kultureller und religiöser Hintergründe hat. Das erfrischende, lebendige ist immer vielfältig gewesen. Visionäre, zu welchen ich mich lange Zeit selbst zählte, denen ich nun aber Einschnitte machen muß, denken gern an eine additive Zusammenfassung dessen, was da ist. Das bedeutet, daß nichts oder so wenig wie möglich an kulturellem verloren geht, sondern daß eine Akzeptanz der Vielfalt verschiedener Wahrheiten gefördert wird und jede dieser verschiedenen Wahrheiten als gleichwertig anerkannt wird. Auch hierin liegt ein Übermaß an Ungleichgewicht. Gerade das, womit viele junge Menschen heute kämpfen, ist Orientierungslosigkeit, denn die alten Werte greifen nicht mehr, neue Werte selbst zu schaffen ist ersteinmal eine Sache, die Selbstbewußtsein braucht, da die Werte erst einmal natürlich nur für einen selbst gelten und man sie nur durch lebendiges (vielfältiges!) Vorbild vermitteln kann. Ein gesundes Selbstbewußtsein kann aber in einer Gesellschaft, die kein stabiles Wertekonstrukt hat, nicht entstehen. So siehe man z.B. auch die Hippie-Bewegung, welche ihre ganz eigenen Wertevorstellungen gerade deshalb durchsetzte unter den jungen Menschen, weil die Werte ihrer Eltern so lähmend festgefahren waren, daß sie das Bedürfnis hatten, sich zu befreien. Jetzt aber kämpfen wir mit einem melting pot aus Altem, Neuem und Keine-Ahnung; und ich sehe das Bedürfnis nach Zusammenschluß mehr als skeptisch, da die gesunde Basis dazu fehlt.
Dazu kommt, daß in einem nicht additiven Zusammenschluß zwangsweise Fragmente verschiedenster Kulturen reduziert werden. Beispiel Islam - Christentum: eigentlich glauben sowohl Muslime als auch Christen an denselben Gott, beide Religionen sind aus dem Judentum hervorgegangen. Das Christentum, daß gut 2000 Jahre alt ist (nach eigenen Angaben) steht dem Islam mit seinen ca. 800 Jahren zu großen Teilen nur in Details gegenüber! Gott heißt nicht Allah, Gott ist durchaus als Personifzierung zu betrachten - der Islam sieht dagegen das Gebot: du sollst dir kein Bild machen von Gott - das bedeutet auch, daß man ihn sich nicht vorstellen soll, zumindest nicht in einem personifzierten Kontext. Der Islam betont das Allumfassende, Allgegenwärtige, Allmächtige Gottes. Daher sieht er, ein weiteres Beispiel, auch keine Notwendigkeit im Sohn Gottes - wozu braucht Gott einen Sohn? Jesus ist dem Islam Gottes bevorzugter Prophet. Man sieht hier also, daß trotz so übermäßig vieler Gemeinsamkeiten die Unterschiede derart betont werden, daß ein Zusammenschluß beider Religionen nicht erfolgen kann, ohne daß die eine oder die andere vehemente Abstriche machen muß - und so wird es auch in verschiedenen Kulturen sein.
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