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Dunkelheit

Nutzer: ShinyiNiskow
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geschrieben am: 01.11.2001    um 19:27 Uhr   
Die Kostbarkeit des Lebens wird erst so richtig geschätzt,
wenn es vorbei ist.

Immer wieder habe ich nun die Gelegenheit, daß zu beobachten. Die Verschwendungssucht, die auch vor der Lebensspanne, der Lebensenergie nicht haltmacht. Niemand begreift, was ihm gegeben wurde. Nun, fast niemand. Verloren in der Dunkelheit, Selbstmitleid und Depressionen. Verloren in sich selbst, ohne Halt. Denkend, daß man keinen Ausweg hat, keine Freunde mehr. Verlassen von allen, verlassen von sich selbst, verspottet, verachtet. Hilflosigkeit. Und kein Ausweg außer dem einen in Sicht.

Ich weiß, wie sie sich fühlen, ich kenne das, nur zu gut. Diese Dunkelheit, die einen von innen heraus aufzufressen scheint. Aber es gibt auch Leute, die erkennen, was sie in Händen halten, die es wagen, weiterzugehen. Schritt für Schritt.

Ich beobachte sie alle, beobachte das Treiben in der Welt der lebenden Toten. Und noch immer stelle ich mir Fragen. Ist denn nicht alles sinnlos? Ist denn nicht bereits alles verloren wenn sie nicht erkennen wollen, daß es da eine Sache gibt, die sie nicht entscheiden können, nicht entscheiden dürfen?

Eine Frau läuft hektisch im Gewirr der Masse, alle in eine Richtung, in einem Strom.Viel Zeit ist vergangen, seit ich das letzte Mal hier war. Ich wende mich nach rechts, weg von dem Strom. Meine Blicke heften sich auf ein junges Mädchen. Sie läuft mit hoch erhobenem Kopf, sieht nichts wirklich.

Eine (junge) Frau kommt ihr entgegen. Wache Augen, die unwissenden, arroganten Augen entgegenblicken. bEs regnet. Die Hektik wird schlimmer, doch ich genieße die Nässe.

Die beiden gehen aneinander vorbei, beachten sich nicht weiter. Versteckte Trauer in den wachen Augen, tief vergraben. Es wird dunkel. Die Frau geht in eines der Appartementhäuser der Innenstadt. Ich sehe einen Mann, sein Gesicht von einer Kapuze verborgen. Es beginnt von neuem.
Dunkelheit.
Es ist Nacht.


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