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Warten

Nutzer: ShinyiNiskow
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geschrieben am: 01.11.2001    um 19:29 Uhr   
Wie Tautropfen auf einem Blütenblatt rinnen ihr die Tränen über die Wangen. Das Licht bricht sich darin und seine Reflektionen dringen durch den Raum, schaffen ein seltsames Szenario. Und ich, ich stehe mittendrin, ohne das sie mich sehen kann. Ich beobachte sie. Ihr Körper erbebt, von Schluchzen geschüttelt, ihre Atmung ebenso bebend wie ihr Körper, ihre Hilflosigkeit, ihre Verzweiflung.

Ich möchte nicht sagen, daß es mir gefällt ihr in dieser Verfassung, in diesem Moment zuzusehen. Aber ich muß, habe keine Wahl. Leider. Ich kann den Raum noch nicht verlassen, kann noch nicht gehen. Ich habe zu warten.

Meine Blicke gleiten durch das kleine Zimmer, das bis auf das durchsickernde Sonnenlicht dunkel ist. Ein kleiner Schreibtisch steht in der Ecke, darauf ein Buch. Ein Tagebuch. Der Tisch ist schwarz, ebenso wie der Stuhl, der Rest des Mobiliars ist grau.

Das Licht beleuchtet eine gespenstische Atmosphäre. Ein Aufschluchzen, ringen nach Atem, schreien. Ihr Aufschrei, als sie sie fand. Der bleiche Körper liegt auf den violetten Laken, bewegungslos. Kein Laut kommt über ihre Lippen, ihre Augen sind geschlossen, sie kann das Weinen nicht mehr hören.

Langsam, zitternd erhebt sie sich, entfernt sich von der Liegenden. Ich sehe sie an, doch sie kann mich nicht sehen, wird mich nie mehr real sehen. Es tut mir leid, ich hatte das nicht zu entscheiden. Die Antworten nach denen man sucht, sind mit einem Preis verbunden.

Sie verläßt den Raum, trauernd. Ein letzter Blick auf sie, ein letzter Blick auf die Gestalt in den Laken. Ich warte noch einige Zeit, im düsteren Ambiente, alleine mit mir. Dann spüre ich etwas, ein Gefühl tief und bohrend in meinem Inneren.

Jetzt ist es auch für mich Zeit zu gehen.


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