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geschrieben am: 12.11.2001 um 18:13 Uhr
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Vorwort
Ach, was muß man oft von bösen
Kindern hören oder lesen !
Wie zum Beispiel hier von diesen,
Welche Max und Moritz hießen,
Die, anstatt durch weise Lehren
Sich zum Guten zu bekehren,
Oftmals noch darüber lachten
Und sich heimlich lustig machten.
Ja, zur Übeltätigkeit,
Ja, dazu ist man bereit !
Menschen necken, Tiere quälen !
Äpfel, Birnen, Zwetschen stehlen
Das ist freilich angenehmer
Und dazu auch viel bequemer,
Als in Kirche oder Schule
Festzusitzen auf dem Stuhle.
Aber wehe, wehe, wehe !
Wenn ich auf das Ende sehe ! !
Ach, das war ein schlimmes Ding,
Wie es Max und Moritz ging.
Drum ist hier, was sie getrieben,
Abgemalt und aufgeschrieben.
Der achte Streich:
Wie schon vorher angedacht
bedeutet Wissen meistens Macht.
Nicht allein im Schreiben, Lesen
übt sich ein vernünftig Wesen;
an Computern muss man harren,
stundenlang am Bildschirm starren,
so dass man endlich nach 'ner Weile
sie alle kennt, die Rechnerteile.
Anfangs weiss man oft nicht weiter
doch nach und nach wird man gescheiter
und kennt dann alle Tricks und Fallen,
bei denen and're nur die Fäuste ballen,
weiss sie zu beherrschen, die Maschinen,
schliesslich sollen sie uns ja dienen.
Menschen necken, Tiere quälen;
Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen,
Witwe Boltes Hühner hängen,
Lehrer Lämpels Pfeife sprengen,
diese Streiche sind uns wohlbekannt
doch keiner weiß und niemand ahnt
dass Max und Moritz, diese Knaben
uns vor ihr'm Tod was weitergaben...
Die kalten Körper sind zermahlen
mit dem Leben mussten's zahlen,
doch bis heute wirkt ihr achter Streich
wie das kam, erzähl ich gleich.
Denn klug genug sind sie gewesen,
sich am Rechner zu belesen,
zu lernen sich ins Netz zu hacken
und Lehrer Lämpels Passwort knacken.
Es war natürlich streng verboten
sie zu ändern, diese Noten
die Lehrer Lämpel gut gepflegt
hat auf der Platte abgelegt.
Doch sie konnten's nicht verkneifen
die Noten etwas abzuschleifen
sie zu bessern und zu schönen,
und den Lehrer zu verhöhnen.
Eines Tages doch der Lämpel
leider leider den ganzen Krempel
merkte und den Rechner trennte
vom Netz - zunächst war das das Ende.
Doch Max und Moritz - gar nicht dumm -
standen nicht lang faul herum,
sondern begannen nachzudenken,
den Notendurchschnitt doch zu senken
indem sie - man traut's ihn' gar nicht zu,
diesen wahrlich genialen Coup -
einen Code frech programmierten
und seinen Rechner infizierten.
Fortan war'n die Noten wieder prächtig
doch hinterließen sie ein lästig
Erbe, denn was sie angerichtet hatten
war ein Virus auf den Platten.
Lehrer Lämpel hatte nicht entdeckt
was sich beide ausgeheckt,
dies unvermeidlich dazu führte
dass der Virus sich vermehrte,
und nach deren beider Tod
der Virus sich in die Netze schob,
die Menschen noch posthum zu grämen -
sie ausgerechnet dort zu lähmen
wo sie sensibel und nervös
auf jede Art der Störung bös
und wutentbrannt reagieren
wenn dumme Streiche sie tangieren.
Viren gar sie infizieren,
Transaktionen sabotieren,
verhindern, Daten zu bewegen,
Informationen zu erleben,
Text und Bilder zu verweben,
Zeit und Raum gar aufzuheben
durch den Cyberspace zu wandeln,
multimedial anzubandeln,
in Chatrooms und mit email-Briefen
weltweite Freundschaft zu vertiefen,
- all das ist nun sabotiert
weil mit dem Virus infiziert.
Mit dem Leben mußten Sie bezahlen,
doch nur die Körper sind zermahlen
der Geist von Max und Moritz lebt immerfort
im World Wide Web und an jedem Ort.
(by Gunther Eysenbach frei nach Willhelm Busch)
Geändert am 12.11.2001 um 18:14 Uhr von odinsson |
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