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geschrieben am: 16.11.2001 um 22:25 Uhr
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- Theodor Fontane (28.Dez. 1879)
when shall we three meet again? (MacBeath)
Wann treffen wir drei wieder zusammen?
Um die siebente Stund', am Brückendamm.
Am Mittelpfeiler. Ich lösch die Flamm.
Ich mit.
Ich komme vom Norden her.
Und ich vom Süden.
Und ich vom Meer.
Hei, das gibt ein Ringelreihn,
Und die Brücke muss in den Grund hinein.
Und der Zug, der in die Brücke tritt um die siebente Stund'?
Ei, der muss mit.
Muss mit!
Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand!
Auf der Norderseite das Brückenhaus,
Alle Fenster sehen nach Süden aus,
Und die Brücknersleut' ohne Rast und Ruh
Und in Bangen sehen nach Süden zu,
Sehen und warten, ob nicht ein Licht
Übers Wasser hin "Ich komme" spricht,
"Ich komme, trotz Nacht und Sturmesflug,
Ich, der Edinburger Zug."
Und der Brückner jetzt "Ich seh' einen Schein
Am andern Ufer. Das muss er sein.
Nun, Mutter, weg mit dem bangen Traum,
Unser Johnie kommt und will seinen Baum,
Und was noch am Baume von Lichtern ist,
Zünd' alles an, wie zum heiligen Christ,
Der will heuer zweimal mit uns sein,
Und in elf Minuten is er herein."
Und es war der Zug. Am Süderturm
Kracht er vorbei jetzt gegen den Sturm.
Und Johnie spricht: "Die Brücke noch!
Aber was tut es, wir zwingen es doch.
Ein fester Kessel, ein doppelter Dampf,
Die bleiben Sieger in solchem Kampf.
Und wie's auch rast und ringt und rennt,
Wir kriegen es unter, das Element.
Und unter Stolz ist unsre Brück';
Ich lache, denk' ich an früher zurück,
An all den Jammer und all die Not
Mit dem elend alten Schifferboot;
Wie manche liebe Christfestnacht
Hab' ich im Fährhaus zugebracht
Und sah unsrer Fenster lichten Schein
Und zählte und konnte nicht drüben sein."
Auf der Norderseite das Brückenhaus -
Alle Fenster sehen nach Süden aus,
Und die Brücknersleut' ohne Rast und Ruh
Und in Bangen sehen nach Süden zu;
Denn wütender wurde der Winde Spiel,
Und jetzt, als ob Feuer vom Himmel fiel',
Erglüht es in niederschießender Pracht
Überm Wasser unten... Und wieder ist Nacht...
Wann treffen wir drei zusamm?
Um Mitternacht, am Bergeskamm.
Auf dem hohen Moor, am Erlenstamm.
Ich komme.
Ich mit.
Ich nenn' euch die Zahl.
Und ich die Namen.
Und ich die Qual!
Hei! Wie Splitter bricht das Gebälk entzwei.
Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand!
--- Eines der Gedichte, die mich bisher am meisten faszinierten... Vor allem hat uns damals unser Lehrer noch einen Zeitungsartikel dazu gereicht... ---
Nürnberger Nachrichten, 24. 3. 1983 - Die Brücke zerbrach unter dem Zug - 40 Tote
Bei einem schweren Zugunglück nahe der belgischen Stadt Idschuri sind mindestens 40 Menschen, nach anderen Meldungen 100, ums Leben gekommen. Die Katastrophe ereignete sich, als fünf Pfeiler einer Brücke nachgaben, während ein Zug darüber rollte. Die Verbindungsstücke stürzten in die Tiefe, zwei Wagen wurden etwa 25 Meter tief in einen Fluss geschleudert. Über den genauen Hergang des Unglücks liegen bislang nur Vermutungen vor. Demnach sollen heftige Sturmböen die Brückenkonstruktion erschüttert haben. Ein Eisenbahner aus Idschuri berichtet dagegen, wegen eines Wolkenbruchs habe der Lokomotivführer zu spät entdeckt, dass ein entwurzelter Baum auf den Schienen gelegen hatte. Die Retter kamen erst nach vielen Stunden...
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