Auf den Beitrag: (ID: 32206) sind "0" Antworten eingegangen (Gelesen: 382 Mal).
"Autor"

Abseits des Lichtes

Nutzer: Elizabetha
Status: Profiuser
Post schicken
Registriert seit: 01.01.2000
Anzahl Nachrichten: 15

geschrieben am: 22.11.2001    um 01:26 Uhr   
Die Dunkelheit findet nur abseits des Lichtes statt. Erst dann konzentrieren wir uns auf jedes Geräusch, und sei es nur ein Laut, der gar nicht existiert.

Ein altes Haus.
Das gealterte Mauerwerk arbeitet seit fast einem Jahrhundert an seinem Verfall. Verworfene Strukturen der Bodenbretter geben Schritte preis, deren Ursprung längst verstorben ist. Doch die verschobenen Holzkonstruktionen speicherten die Energie des Damals, verstärkten sie bis zum heutigen Tag des Lautsprungs. Begleitet vom Spiel der Mäuse, vom Nagen der Zeit und dem lautlosen Schrei des Alterns, ein friedliches Stilleben in Schwarz- Weiss. In dieser Bewegungslosigkeit wandert die Vergangenheit zurück zum Ursprung.
Überrascht vom beschleunigten Schritt der Nacht, durchnässt von dunklen Wolken, erreiche ich ein altes Haus, ungewiss schmeckt der erste Schritt durch die morsche Pforte.
Das verletze Wesen ändert seinen Lauf, die Natur ist wütend. Das Tasten in der Dunkelheit führt zum Ziel, ein weicher Ort zum Schlafen. Mein Körper freut sich auf die Ruhe, meine Sinne vernebeln, gleiten aus meiner Hand.
Nur ein Lichtkegel folgt ihrer anmutenden Gestalt. Sie lächelt immer. Das Lachen ist ihr Begleiter und ihr Freund, bei Schmerzen, bei Angst, bei Freude, wenn andere sie beobachten, sie nicht alleine ist. Doch das lächeln stirbt in dem Augenblick, wenn die Scheinwerfer die Augen schliessen, sie keiner sieht. Dann altert sie um Jahre und trennt sich von ihrem Freund.
Ihr Leben ist ein Tanz, ihre Gefühle werden diktiert von einem Orchester, regiert von einem Dirigenten, welcher sich den Zeichen des Papieres fügt. Die Ballerina tanzt schneller als ihr Schatten und lächelt, abseits ihre Gefühle. Starke Männerarme heben ihre Gestalt in den Himmel empor, doch sie berühren nicht ihre Haut, grazil, synchron und angespannt gleiten Mann und Frau aesthetisch durch das Bild Musik. Wenn der letzte Ton verstummt bleibt die Gleittänzerin allein zurück und lächelt, bis...
Ich reisse aus. Meine Sinne sind hellwach und suchen. Jeder Laut wird kontrolliert. Gleichzeitig entkleidet er lichtlos seine Nerven, bis die Angst unbekleidet friert, einen Wachtraum halluziniert, und im Dunkeln endet.
Naturgemurmel formiert sich zu Stimmen, dem verdrängten Beifall meines Traumes. Die Aussage bleibt verborgen. Gelähmt warte ich auf das erste Licht, welches die Dunkelheit verdrängt und lauernd zurückgelassen wird, in schattigen Winkeln, ohne Glas.
Zurück bleibt das alte Haus. Stiller Zeuge und Ursprung dieser Nacht. Keiner applaudiert, keiner sieht ihre Tränen, keiner sieht ihre Maske, die zerbricht.

Sie tanzt weiter, bis der Vorhang zum letzen mal fällt.



(Abseits des Lichtes, Goethes Erben)
  Top