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geschrieben am: 27.11.2001 um 22:31 Uhr
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Schließlich blieb der Schwarze stehen, weigerte sich, auch noch nur einen Schritt zu gehen und machte bald den Anschein, unter der Last seines Reiters zusammenzubrechen. Noralus gewahrte dies und stieg von seinem Braunen, um seinem Freund herunter zu helfen. Seufzend klopfte er den beiden Pferden die Hälse, sprach ein paar Worte zu ihnen. Das heißt, er murmelte mehr, denn auch er hatte sehr mit den Strapazen der Kämpfe und des langen Rittes zu kämpfen. Lorin schien völlig abwesend, scheinbar mit den Gedanken in einem fernen Lande zu weilen. Er stammelte wirres Zeug von Elfen und Drachen, von Zwergen und anderen Wesen, an die Noralus nicht so recht glauben wollte.
Beschwichtigend legte dieser seinem Freund die linke Hand auf die Schulter. „Wir... haben es geschafft... mein Freund...“, brachte Noralus mühsam hervor. Kurz darauf bewegten sich die beiden Männer, Noralus musste Lorin stützen, auf die erhaben wirkende Feste zu. Der Truppführer machte das kleine Signalhorn vom Gürtel seines Gefährten los und blies zweimal einigermaßen kraftvoll hindurch. Als die Wachsoldaten auf den Wehrgängen sich vom Wappen der Ankömmlinge überzeugt hatten, ließen sie die Brücke hinab, und einige Knechte kamen heran, um die Pferde in Empfang zu nehmen. In diesem Moment brach Lorin zusammen, kurz darauf wurde auch seinem Gefährten schwarz vor Augen.
Man trug die beiden ins Innere der Festung, brachte sie auf ein zimmer und kümmerte sich um die teilweise bereits schwer entzündeten Wunden. Einige Zeit später weckte man Lorin aus einem Fieberwahn-Anfall, als er anscheinend die gesamte Feste niederbrüllen wollte, doch fiel er kurz darauf wieder in einen tiefen, doch unruhigen, Schlaf. Noralus wachte später bei ihm, als er wieder einigermaßen bei Kräften war. Er hatte indes ein recht üppiges Mahl bekommen und dem Herzog gesagt, er wolle ihr Anliegen erst dann vortragen, wenn auch Lorin bei Sinnen sei. Die Worte des Königs Ahruley waren in seinem Geiste noch lange nicht verklungen und zermürbten ihm die Nerven.
Zum späten Nachmittag endlich kam Lorins Körper zur Ruhe. Man hatte den Magier des Herzogs gebeten, ihm ein Heilmittel zuzuführen, es sei Sitte so, bei Gastgebern, hatte man höhnisch verlauten lassen. Insgeheim jedoch gestand man Lorin jedoch nicht mehr viel Zeit zu. Am Abend erwachte er bebend aus seiner Ohnmacht. „Herzog...“, flüsterte er, „...wir müssen zum...“ Noralus beugte sich zu ihm nieder, seine eigenen Leiden ignorierend. „Wir sind in seiner Feste, mein Freund. Wir sind da...“ Er legte langsam seine Hand auf die Lorins, die stark zitterte, vor Anstrengung dessen Körpers. „Ich habe ihm noch nichts berichtet. Ich wollte warten... Auf Dich...“ Leise sprach er auf Lorin ein, sich bewusst, dass sein Freund der tiefen Fleischwunde, die er am gestrigen Tage an der Hüfte erlitten hatte, vermutlich bald erliegen würde. Behutsam half Noralus seinem Freund, sich aufzusetzen. Er rief nach dem Wächter, der vor der Kammer ausgeharrt hatte und hieß ihn, den Großherzog zu rufen.
Kurz darauf erschien jener in Begleitung zweier junger Soldaten, beide in leichter Rüstung und mit Dolchen am Gürtel und Schwertern zu ihrer Linken. „So tragt denn endlich das Anliegen vor, Noralus und...“ Geringschätzig blickte er auf den leise stöhnenden fiebrigen Lorin. Noralus nannte ihm den Namen seine Gefährten. Dann sprach er langsam, gewillt, seine Erschöpfung, seine offenkundigen Schmerzen, gegenüber seinem Lehnsherrn zu verbergen. „Wir wollten Euch warnen Sire. Torok... Torok führte einen Aufstand an... Er brachte uns und andere in einen Hinterhalt. Man sagte uns, er wolle Eure Feste erstürmen. Man sagte uns, er wolle...“ Plötzlich brach der Großherzog von Irolor in schallendes Gelächter aus. „Ihr glaubt an das, was man Euch schwören ließ?“ Wieder Gelächter, ein glucksendes, ekliges Gelächter. „Den Eid habt ihr mit meinen wahren Getreuen geleistet... Gemeinsam! Allen voran Torok – mein Bruder! Der König wäre stolz auf Burschen wie Euch...“ Die letzten Worte gingen in weiteren Gluckslauten unter. Eine schnelle Geste des Großherzogs gebot seinen beiden Begleitern, vorzutreten. Diese leisteten dem Befehl Folge, zogen gleichsam ihre Dolche und stachen auf den Bebenden Lorin und den überraschten Noralus ein. „Nun wird sein Stolz elendig verrecken, in dieser Kammer...:“ Die drei lachten lauthals, als Noralus nach Atem rang, den Dolch aus seiner Brust ziehend. „Euer Eid bindet Euch mit dem Leben...“ Der Gedanke hallte in seinem Geiste nach, wieder und wieder, bis sich seine Sicht erst blutrot, dann schwarz färbte. „Verrat“, hauchte Lorin noch, als er von seinen Qualen erlöst nach hinten sank. Dann schaffte man die beiden Getreuen des Ahruley nach draußen und blies zur Verfolgung des Königs...
- ENDE -
 Geändert am 27.11.2001 um 22:31 Uhr von HeavensRevenge |
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