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Mal wieder Ringelnatz

Nutzer: KäptnD
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geschrieben am: 16.12.2001    um 08:52 Uhr   
Kindergebetchen
(Joachim Ringelnatz)

Erstes:

Lieber Gott, ich liege
Im Bett. Ich weiß ich wiege
Seit gestern fünfunddreißig Pfund.
Halte Pa und Ma gesund.
Ich bin ein armes Zwiebelchen,
Nimm mir das nicht übelchen.



Zweites:

Lieber Gott, recht gute Nacht.
Ich hab noch schnell Pipi gemacht,
damit ich von dir träume.
Ich stelle mir den Himmel vor
Wie hinterm Brandenburger Tor
Die Lindenbäume.
Nimm meine Worte friedlich hin
weil ich schon sehr erwachsen bin.



Drittes:

Lieber Gott mit Christussohn,
Ach schenk mir doch ein Grammophon.
Ich bin ein ungezognes Kind,
weil meine Eltern Säufer sind.
Verzeih mir, dass ich gähne.
Beschütze mich in aller Not,
Mach meine Eltern noch nicht tot
und schenk der Oma Zähne.


:-c
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Nutzer: arrrieva
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geschrieben am: 16.12.2001    um 12:01 Uhr   
...ja, der Ringelnatz, der hatz watz :-)

schmunzelnd in den sonntag verschwindet
und dem lieben Kaptain einen schönen solchen wünscht..

arrrieva
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"Autor"  
Nutzer: KäptnD
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geschrieben am: 19.12.2001    um 11:23 Uhr   
aber leider wird er hier anscheinend nicht gerne gelesen

:-c
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Nutzer: Azze
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geschrieben am: 19.12.2001    um 14:44 Uhr   
Doch !

Ich habe dich so lieb

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
eine Kachel aus meinem Ofen schenken.
Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
leuchtet der Ginster so gut.
Vorbei--verjährt--
doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
ist leise.
Die Zeit entstellt alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.
Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache in einem Sieb.
Ich habe dich so lieb.

(Joachim Ringelnatz)

Gruss Azze

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Nutzer: Azraelevangel
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geschrieben am: 19.12.2001    um 20:55 Uhr   
Also, ich freu mich auch immer wieder, wenn ich einen Ringelnatz von dir lese. :-)

Ich guck hier nur zu selten rein... ;-)
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"Autor"  
Nutzer: lucretia
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geschrieben am: 20.12.2001    um 14:51 Uhr   
reinwirbeltz und extra für den käptn mal in ihrer ringelnatz kiste gekramt hat und dieses wunderschöne gedicht gefunden hat

An M.

Der du meine Wege mit mir gehst,
Jede Laune meiner Wimper spürst,
Meine Schlechtigkeiten duldest und verstehst –
Weißt du wohl, wie heiß du oft mich rührst?
Wenn ich tot bin darfst du gar nicht trauern.
Meine Liebe wird mich überdauern
Und in fremden Kleidern dir begegnen
Und dich segnen.
Lebe, lache gut!
Mache deine Sache gut!

Joachim Ringelnatz
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"Autor"  
Nutzer: KäptnD
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geschrieben am: 24.12.2001    um 00:19 Uhr   
Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu


Die Springburn hatte festgemacht
Am Petersenkai.
Kuttel Daddeldu jumpte an Land,
Durch den Freihafen und die stille heilige Nacht
Und an den Zollwächtern vorbei.
Er schwenkte den Bananensack in der Hand.
Damit wollte er dem Zollmann den Schädel spalten.
Wenn er es wagte, ihn anzuhalten.
Da flohen die zwei voreinander mit drohenden Reden.
Aber auf einmal trafen sich wieder beide im König von Schweden.

Daddeldus Braut liebte die Männer vom Meere,
Denn sie stammte aus Bayern.
Und jetzt war sie bei einer Abortfrau in der Lehre,
Und bei Ihr wollte Kuttel Daddeldu Weihnachten feiern.

Im König von Schweden war Kuttel bekannt als Krakeeler.
Deswegen begrüßte der Wirt ihn freundlich: "Hallo old sailer!"
Daddeldu liebte solch freie, herzhafte Reden,
Deswegen beschenkte er gleich den König von Schweden.
Er schenkte ihm Feigen und sechs Stück Kolibri
Und sagte: "Da nimm, du Affe!"
Daddeldu sagte nie "Sie".
Er hatte auch Wanzen und eine Masse
Chinesischer Tassen für seine Braut mitgebracht.

Aber nun sangen die Gäste "Stille Nacht, Heilige Nacht".
Und da schenkte er jedem Gast eine Tasse
Und behielt für die Braut nur noch drei.
Aber als er sich später darauf setzte,
Gingen auch diese versehentlich noch entzwei,
Ohne das Daddeldu sich selber verletzte.

Und ein Mädchen nannte ihn Trunkenbold
Und schrie: er habe sie an die Beine geneckt.
Aber Daddeldu zahlte alles in englischen Pfund in Gold.
Und das Mädchen steckte ihm Christbaumkonfekt
Still in die Tasche und lächelte hold
Und goß noch Genever zu dem Gilka mit Rum in den Sekt.
Daddeldu dachte an die wartende Braut.
Aber es hat nicht sein gesollt,
Denn nun sangen sie wieder so schön und laut.
Und Daddeldu hatte die Wanzen noch nicht verzollt,
deshalb zahlte er alles in englischen Pfund in Gold.

Und das war alles wie Traum.
Plötzlich brannte der Weihnachtsbaum.
Plötzlich brannte das Sofa und die Tapete,
Kam eine Marmorplatte geschwirrt,
Rannte der große Spiegel gegen den kleinen Wirt.
Und die See ging hoch und der Wind wehte.
Daddeldu wankte mit einer blutigen Nase
(Nicht mit seiner eigenen) hinauß auf die Straße.
Und eine höhnische Stimme hinter ihm schrie:
"Sie Daddel Sie!"
Und links und rechts schwirrten die Kolibri.

Die Weihnachtskerzen im Pavillon an der Mattentwiete erloschen.
Die alte Abortfrau begab sich zur Ruh.
Draußen stand Daddeldu
Und suchte für alle Fälle nach einem Groschen.
Da trat aus der Tür seine Braut
Und weinte laut:
Warum er so spät von Honolulu käme?
Ob er sich gar nicht mehr schäme?
Und klappte die Tür wieder zu.
An der Tür stand: "Für Damen."

Es dämmerte langsam. Die ersten Kunden kamen,
Und stolperten über den schlafenden Daddeldu.


Joachim Ringelnatz
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Nutzer: lucretia
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geschrieben am: 24.12.2001    um 01:04 Uhr   
reinwirbeltz und dem käpt. ein wunderschönes gedicht auf den gabentisch legt lächeltz

Ich wünsche Dir Zeit

Ich wünsche Dir nicht alle möglichen Gaben
ich wünsche Dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche Dir Zeit, Dich zu freuŽn und zu lachen
und wenn Du sie nutzt, kannst Du etwas draus machen.


Ich wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche Dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.


Ich wünsche Dir Zeit - nicht nur so zum Vertreiben
ich wünsche, sie möge Dir übrigbleiben,
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.


Ich wünsche Dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit um zu wachsen - das heißt: um zu reifen.
Ich wünsche Dir Zeit - neu zu hoffen - zu lieben
es hat keinen Sinn diese Zeit zu verschieben.


Ich wünsche Dir Zeit - zu Dir selber zu finden
jeden Tag - jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche Dir Zeit - auch um Schuld zu vergeben
ich wünsche Dir Zeit zu haben zum Leben.

dir und deinen lieben ein wundervolles, harmonisches fest knuddeltz luc



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Nutzer: su.se
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geschrieben am: 12.01.2002    um 23:52 Uhr   
Ich werde nicht enden zu sagen:
Meine Gedichte sind schlecht.
Ich werde Gedanken tragen
Als Knecht.
Ich werde sie niemals meistern
Und doch nicht ruhn.
Soll mich der Wunsch begeistern:
Es besser zu tun.
Joachim Ringelnatz
"Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel, attraktiv und mit einem guterhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen. Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand, Martini in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend "Wow, was für eine Fahrt!"
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Nutzer: Joa
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geschrieben am: 13.01.2002    um 00:25 Uhr   
Und noch mal Ringelnatz 1933 aus dem Nachlass

So ist es uns ergangen.
Vergiß es nicht in besserer Zeit
Aber Vöglein singen und sangen,
Und dein Herz sei endlos weit.

Vergiß es nicht! Nur damit du lernst
Zu dem seltsamen Rätsel "Geschick"
Warum wird, je weiter du dich entfernst,
Desto größer der Blick?

Der Tod geht stolz spazieren.
Doch Sterben ist nur Zeitverlust.-
Dir hängt ein Herz in deiner Brust,
Das darfst du nie verlieren.

Joa die Ringelratte

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Nutzer: lucretia
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geschrieben am: 13.01.2002    um 15:51 Uhr   
sich freut, daß es mit den gedichten von ringelnatz weitergeht, und hier auch noch was gefunden hat

Arm Kräutchen
Ein Sauerampfer auf dem Damm
stand zwischen Bahngeleisen,
machte vor jedem D-Zug stramm,
sah viele Menschen reisen.

Und stand verstaubt und schluckte Qualm
schwindsüchtig und verloren,
Ein armes Kraut, ein schwacher Halm,
mit Augen, Herz und Ohren.

Sah Züge schwinden, Züge nahn.
Der arme Sauerampfer
sah Eisenbahn um Eisenbahn
sah niemals einen Dampfer.

Joachim Ringelnatz

ein lächeln in die runde schickt


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Nutzer: KuttelDaddeldu
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geschrieben am: 14.01.2002    um 21:49 Uhr   
Tja, der Ringelnatz hat auch was über den ollen Kuttel fabriziert ... gg





Vom Seemann Kuttel Daddeldu

Eine Bark lief ein in Le Haver,
Von Sydney kommend, nachts elf Uhr drei.
Es roch nach Himbeeressig am Kai,
Und nach Hundekadaver.

Kuttel Daddeldu ging an Land.
Die Rü Albani war ihm bekannt.
Er kannte nahezu alle Hafenplätze.

Weil vor dem ersten Hause ein Mädchen stand,
Holte er sich in dem ersten Haus vom Mädchen die Krätze.

Wie er das natürlich nicht gleich empfand,
Ging er weiter - kreuzte topplastig auf wilder Fahrt.
Achtzehn Monate Heuer hatte er sich gespart.

In Nr. 6 traktierte er Eiwie und Kätchen,
In 8 besoff ihn ein neues, straff lederbusiges Weib.
Nebenan bei Pierre sind allein sieben gediegene Mädchen,
Ohne die mit dem Zelluloid - Unterleib.

Daddeldu, the old Seelerbeu - Kuttel,
Verschenkte den Albatrossknochen,
Das Haifischrückgrat, die Schals,
Den Elefanten und die Saragossabuttel.
Das hatte er eigentlich alles der Mary versprochen,
Der anderen Mary; das war seine feste Braut.

Daddeldu - Hallo! Daddeldu,
Daddeldu wurde fröhlich und laut.

Er wollte mit höchster Verzerrung seines Gesichts
Partu einen Niggersong singen
Und "Blu beus blu".
Aber es entrang sich ihm nichts.

Daddeldu war nicht auf die Wache zu bringen.
Daddeldu Duddel Kuttelmuttel, Katteldu
Erwachte erstaunt und singend morgens um vier
Zwischen Nasenbluten und pomm de Schwall auf der Pier.

Daddeldu bedrohte zwecks Vorschuß den Steuermann,
Schwitzte den Spiritus aus. Und wusch sich dann.


Daddeldu ging nachmittags wieder an Land,
Wo er ein Renntiergeweih, eine Schlangenhaut,
Zwei Fächerpalmen und Eskimoschuhe erstand.
Das brachte er aus Australien seiner Braut.



(Joachim Ringelnatz)
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Nutzer: KäptnD
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geschrieben am: 19.01.2002    um 21:45 Uhr   
Kuttel Daddeldu und die Kinder

Wie Daddeldu so durch die Welten schifft,
Geschieht es wohl das er hie und da
Eins oder das andre von seinen Kindern trifft,
Die begrüßen dann ihren Europapa:

"Gud morning! Sdrastwuide! - Bong Jur, Daddeldü!
Bon tscherno! Ok phosphor Tsching - Tschung Ballabü!"
Und Daddeldu dankt erstaunt und gerührt
Und senkt die Hand in die Hosentasche
Und schenkt ihnen, was er so bei sich führt,
--Whiskyflasche,
Zündhölzer, Opium, türkischen Knaster,
Revolverpatronen und Schweinsbeulenpflaster,
Gibt jedem zwei Dollar und lächelt "Ei, ei!"
Und nochmals "Ei, ei" - Und verschwindet dabei.

Aber Kinder von deutschen und dänischen Witwen
Pflegt er sich intensiver zu widmen.
Die weiß er dann mit seltensten Stücken
Aus allen Ländern der Welt zu beglücken.
Elefantenzähne - Kamerun,
Mit Kognak begoßnes malaiisches Huhn,
Aus Fridrichroda ein Straußenei,
Aus Tibet einen Roman von Karl May,
Ein Eskimoschlips aus Giraffenhaar,
Auch ein Stückchen versteinertes Dromedar.

Und dann spielt der poltrige Daddeldu
Verstecken Stierkampf und Blindekuh
Markiert einen Leprakranken Schimpansen,
Lehrt seine Kinderchen Bauchtanz tanzen
Und Schiffchen schnitzen und Tabak kauen.
Und manchmal, in Abwesenheit älterer Frauen,
Tätowiert er den strampelnden Kleinchen
Anker und Kreuze auf Ärmchen und Beinchen.

Später packt er sich sechs auf den Schoß
Und läßt sich nicht lange quälen,
Sondern legt los:
Grog saufen dabei Märchen erzählen;
Von seinem Schiffbruch bei Helgoland,
Wo eine Woge ihn an den Strand
Auf eine Korallenspitze trieb,
Wo er dann händeringend hängenblieb.
Und hatte nichts zu fressen und saufen;
Nicht mal, wenn er gewollt hätte, einen Tropfen Trinkwasser, um seine Lippen zu benetzen
Und kein Geld, keine Uhr zum Versetzen.
Außerdem war da gar nichts zu kaufen;
Denn dort gabŽs nur Löwen mit Schlangenleiber,
Sonst weder keine Menschen als auch keine Weiber.
Und er hätte gerade so gern einmal wieder
Ein kerniges Hamburger Weibstück besucht.
Und da kniete Kuttel nach Osten zu nieder.
Und als er zum dritten mal rückwärts geflucht,
Da nahte sich plötzlich der Vogel Greif,
Und Daddeldu sagte: "Ei wont ä weif."
Und der Vogel Greif trug ihn schnell
Bald in dies Bordell, bald in jenes Bordell
Und schenkte ihm Schlackwurst und Schnaps und so weiter. -

So erzählt Kuttel Daddeldu heiter, -
Märchen die er ganz selber erfunden.
Und säuft. - Es verfließen die Stunden.
Die Kinder weinen. Die Mädchen lallen.
Die Mutter ist längst unter den Tisch gefallen,
Und Kuttel - bemüht , sie aufzuheben -
Hat sich schon zweimal übergeben.
Und um die Ruhe nicht länger zu stören,
Verläßt er leise Mutter und Gören.

Denkt aber noch Tagelang hinter Sizilien
An die traulichen Stunden in seinen Familien.


(Joachim Ringelnatz)
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"Autor"  
Nutzer: KuttelDaddeldu
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geschrieben am: 25.01.2002    um 16:14 Uhr   
Kinder spielt mit einer Zwirnsrolle !


Gewaltigen Erfolg erzielt,
Wer eine große Rolle spielt.

Im Leben spielt zum Beispiel so,
Ganz große Rolle: der Popo.

Denkt nach, dann könnt ihr zwischen Zeilen
Auch mit geschlossenen Augen lesen,
Daß Onkel Ringelnatz bisweilen
Ein herzbetrunkenes Kind gewesen.


(Joachim Ringelnatz)
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"Autor"  
Nutzer: KäptnD
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geschrieben am: 09.02.2002    um 08:50 Uhr   
Das Lied von der Hochseekuh

Zwölf Tonnen wiegt die Hochseekuh.
Sie lebt am Meeresgrunde.
Ohei! -- Uha!
Sie ist so dumm wie ich und du
Und läuft zehn Knoten in der Stunde.
Ohei! -- Uha!

Sie taucht auch manchmal aus dem Meer
Und wedelt mit dem Schweife.
Ohei! -- Uha!
Und dann bedeckt sich rings umher
Das Meer mit Schaum von Seife.
Ohei! -- Uha!

Die Kuh hat einen Sonnenstich
Und riecht nach Zimt und Nelken
Ohei! -- Uha!
Und unter Wasser kann sie sich
Mit ihren Hufen melken.
Ohei! -- Uha!


(Joachim Ringelnatz)

(das ganze wurde auch von Achim Reichel vertont und auf CD herausgegeben )

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"Autor"  
Nutzer: Aoifa
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geschrieben am: 09.02.2002    um 09:50 Uhr   

Dem Käptn mal eines ihrer Lieblingsgedichte schenkt, von dem sie lange dachte, es wäre von Heinz Erhardt ...*schäm*...

Der Briefmark

Ein männlicher Briefmark erlebte
Was Schönes, bevor er klebte
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm erweckt.
Er wollte sie wiederküssen,
Da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie vergebens.
Das ist die Tragik des Lebens.



Lachend verschwindet ...
aber zuvor die ganze Bande knuddelz
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"Autor"  
Nutzer: KuttelDaddeldu
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geschrieben am: 23.02.2002    um 23:23 Uhr   


... ja, ja, unser ringelnatz war auch maler
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"Autor"  
Nutzer: Gast_BlueLama
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geschrieben am: 23.02.2002    um 23:33 Uhr   
Der Bumerang

War einmal ein Bumerang
war ein Weniges zu lang
Bumerang flog ein Stueck
aber kam nicht mehr zurueck

Publikum -noch stundenlang-
wartet auf den Bumerang
Joachim Ringelnatz
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"Autor"  
Nutzer: schlau
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geschrieben am: 24.02.2002    um 21:21 Uhr   
eins für die lappenschwingerin, nocht soo wörtlich zu nehmen... *grinz*

es zwitschert eine lerche im kamin,
wenn du sie hörst.
ein jeder schutzmann in berlin
verhaftet dich, wenn du ihn störst.

im faltenwurfe einer decke
klagt ein gesicht,
wenn du es siehst.
der posten im gefängnis schiesst,
wenn du als kleiner sträfling ihm entfliehst.
ich tät' es nicht.

in eines holzes duft
lebt fernes land.
gebirge schreiten durch die blaue luft,
ein windhauch streicht wie mutter deine hand.
und eine speise schmeckt nach kindersand.

die erde hat ein freundliches gesicht,
so gross, dass man's von weitem nur erfasst,
komm, sage mir, was du für sorgen hast.
reich willst du werden? - warum bist du's nicht?


und eins von achim reichel:

Kuddeldaddel du - kommt von der Reise
Kuddeldaddeldu - jumpt an Land
Kuddeldaddeldu - Piekfein in Schale
Kuddeldaddeldu - ist braungebrannt

Kuddeldaddeldu - will nach St. Pauli
Kuddeldaddeldu - Da ist was los
Kuddeldaddeldu - sieht schon die Lichter
Kuddeldaddeldu - fühlt sich famos

Und Kuddel könnte die ganze Welt umarmen, er atmet tief durch und singt das schöne Lied:

Was kann die Welt dafür, daß ich sie liebe,
Ich lieb sie nur wegen dir,

Wer hat dem blonden Hans sein Toupet geklaut.
Wer hat der feschen Lola die Frisur versaut.
Oh-da gibt's nur ein' und der heißt Kuddel

Was kann die Welt dafür
Was kann denn ich dafür, daß die Welt so groß ist,
Aber heut Nacht mein Schatz, geh ich vor Anker bei Dir

LALLALALLALALALLLALAAALALLALALLA

Kuddeldaddeldu - trifft alte Freunde
Kuddeldaddeldu - wird's warm ums Herz
Kuddeldaddeldu - spendiert ne Runde
Kuddeldaddeldu - sorgt für Kommerz

und alle trinken auf das Wohl von Kuddel

Kuddeldaddeldu - spürt festen Boden
Kuddeldaddeldu - stampft den Beat
Kuddeldaddeldu - ist musikalisch
Kuddeldaddeldu - summt 'n Lied

und um was für ein Lied mag es sich hierbei wohl handeln?
Kuddel atmet tief durch und...


was kann die Welt dafür...

Kuddeldaddeldu - sieht seine Liebste
Kuddeldaddeldu - gerät in Braus
Kuddeldaddeldu - sie trägt ein Baby
Kuddeldaddeldu - war lang nicht zu Haus

Und Kuddel weiß nicht ob er weinen oder lachen soll.
Aber dann besinnt er sich eines besseren, er spendiert eine Runde und singt noch einmal:


Was kann die Welt dafür...
 
alle menschen sind gleich. gleich doof, gleich hässlich und gleich beleidigt.
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"Autor"  
Nutzer: KuttelDaddeldu
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geschrieben am: 24.02.2002    um 23:00 Uhr   
Fußball (nebst Abart und Ausartung)


Der Fußballwahn ist eine Krank-
heit, aber selten, Gott sei Dank!
Ich kenne wen, der litt akut
an Fußballwahn und Fußballwut.
Sowie er einen Gegenstand
in Kugelform und ähnlich fand,
so trat er zu und stieß mit Kraft
ihn in die bunte Nachbarschaft.
Ob es ein Schwalbennest, ein Tiegel,
ein Käse, Globus oder Igel,
ein Krug, ein Schmuckwerk am Altar,
ein Kegelball, ein Kissen war,
und wem der Gegenstand gehörte,
das war etwas, was ihn nicht störte.
Bald trieb er eine Schweineblase,
bald steife Hüte durch die Straße.
Dann wieder mit geübtem Schwung
stieß er den Fuß in Pferdedung.
Mit Schwamm und Seife trieb er Sport.
Die Lampenkuppel brach sofort.
Das Nachtgeschirr flog zielbewußt
der Tante Berta an die Brust.
Kein Abwehrmittel wollte nützen,
nicht Stacheldraht in Stiefelspitzen,
noch Puffer, außen angebracht.
Er siegte immer, 0 zu 8,
und übte weiter frisch, fromm, frei
mit Totenkopf und Straußenei.
Erschreckt durch seine wilden Stöße,
gab man ihm nie Kartoffelklöße.
Selbst vor dem Podex und den Brüsten
der Frau ergriff ihn ein Gelüsten,
was er jedoch als Mann von Stand
aus Höflichkeit meist überwand.
Dagegen gab ein Schwartenmagen
dem Fleischer Anlaß zum Verklagen.
Was beim Gemüsemarkt geschah,
kommt einer Schlacht bei Leipzig nah.
Da schwirrten Äpfel, Apfelsinen
durch Publikum wie wilde Bienen.
Da sah man Blutorangen, Zwetschen
an blassen Wangen sich zerquetschen.
Das Eigelb überzog die Leiber,
ein Fischkorb platzte zwischen Weiber.
Kartoffeln spritzten und Zitronen.
Man duckte sich vor den Melonen.
Dem Krautkopf folgten Kürbisschüsse.
Dann donnerten die Kokosnüsse.
Genug! Als alles dies getan,
griff unser Held zum Größenwahn.
Schon schäkernd mit der U-Boots-Mine,
besann er sich auf die Lawine.
Doch als pompöser Fußballstößer
Fand er die Erde noch viel größer.
Er rang mit mancherlei Problemen.
Zunächst: Wie soll man Anlauf nehmen?
Dann schiffte er von dem Balkon
sich ein in einen Luftballon.
Und blieb von da an in der Luft,
verschollen. Hat sich selbst verpufft. -–
Ich warne euch, ihr Brüder Jahns,
vor dem Gebrauch des Fußballwahns!



Joachim Ringelnatz
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"Autor"  
Nutzer: Aoifa
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geschrieben am: 25.02.2002    um 00:32 Uhr   

Reinkommt und endlich mal ein streng gehütetes Geheimnis lüftet ...
ergo, das da wäre ...... WIE ALT IST Mr. >>> zensiert <<<
Psst ... will ja nich petzen, aber für nen 100jährigen sieht er doch noch recht knackig aus ;-) oder nicht ? )

Nu, die Lappenschwingerin hat dem 100-jährigen mal über die Schulter geschaut, als er seinen Lebenslauf schrieb ;-)


Kurzgefasster Lebenslauf

Wer nicht zur Welt kommt, hat nicht viel verloren.
Er sitzt im All auf einem Baum und lacht.
Ich wurde seinerzeit als Kind geboren,
eh ich's gedacht.

Die Schule, wo ich viel vergessen habe,
bestritt seitdem den größten Teil der Zeit.
Ich war ein patentierter Musterknabe.
Wie kam das bloß? Es tut mir jetzt noch leid.

Dann gab es Weltkrieg, statt der großen Ferien.
Ich trieb es mit der Fußartillerie.
Dem Globus lief das Blut aus den Arterien.
Ich lebte weiter. Fragen Sie nicht, wie.

Bis dann die Inflation und Leipzig kamen;
mit Kant und Gotisch, Börse und Büro,
mit Kunst und Politik und jungen Damen.
Und sonntags regnete es sowieso.

Nun bin ich zirka 100 Jahre
und habe eine kleine Versfabrik.
Ach, an den Schläfen blühn schon graue Haare,
und meine Freunde werden langsam dick.

Ich setze mich sehr gerne zwischen Stühle.
Ich säge an dem Ast, auf dem wir sitzen.
Ich gehe durch die Gärten der Gefühle,
die tot sind, und bepflanze sie mit Witzen.

Auch muss ich meinen Rucksack selber tragen!
Der Rucksack wächst. Der Rücken wird nicht breiter.
Zusammenfassend lässt sich etwa sagen:
Ich kam zur Welt und lebe trotzdem weiter.



Die Kriegerin findet, dat paßt wie Faust auf Auge :-)
Grins und wech ...

Geändert am 25.02.2002 um 12:52 Uhr von Aoifa
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"Autor"  
Nutzer: schlau
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geschrieben am: 25.02.2002    um 11:31 Uhr   
(zitat)Ich trieb es mit der Fußartillerie.(/zitat) igitt.
 
alle menschen sind gleich. gleich doof, gleich hässlich und gleich beleidigt.
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"Autor"  
Nutzer: KäptnD
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geschrieben am: 27.02.2002    um 21:35 Uhr   
(zitat)(zitat)Ich trieb es mit der Fußartillerie.(/zitat) igitt.
 (/zitat)

hoffentlich hatte er kein Fußpilz gg
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"Autor"  
Nutzer: KuttelDaddeldu
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geschrieben am: 21.03.2002    um 10:47 Uhr   
Abendgebet einer erkälteten Negerin


Ich suche Sternengefunkel.
Sonne brennt mich dunkel.
Sonne drohet mit Stich.
Warum brennt mich die Sonne im Zorn?
Warum brennt sie gerade mich?
Warum nicht Korn?
Ich folge weißen Mannes Spur.
Der Mann war weiß und roch so gut.
Mir ist in meiner Muschelschnur
So neglige zu Mut.
Kam in mein Wigwam
Weit über das Meer,
Seit er zurückschwamm,
Das Wigwam
Blieb leer.
Drüben am Walde
Kängt ein Guruh – –
Warte nur balde
Kängurst auch du.


(Joachim Ringelnatz)

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"Autor"  
Nutzer: KuttelDaddeldu
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geschrieben am: 19.06.2002    um 05:48 Uhr   
nach längerer Zeit mal wieder einen Ringelnatz, der allerdings nicht in die lustige Sparte gehört !


EIN STROLCH SIEHT SPIELENDE KINDER

Die kleinen Kinder sind so groß.
Sie umarmen sonnigen Sand.
Mir geben sie einfach einen Stoß.
Und greifen nach einer Frauenhand.
Sie jauchzen ohne Scham und Verstand
Nackt in eines Fräuleins Schoß.

Soll ich sie nach dem Wege fragen,
Weil ich mich nicht an Erwachsne getrau.
Sie wissen mir doch nichts zu sagen,
Zeigen mir nur ein fremdes Geschau,
Wie – Seehunde unter Menschen verschlagen.

Die Kinder sind so groß. Ich bin klein.
Sie sind so sauber; ich bin ein Schwein.
Ich suche Arbeit und Geld und Bett.
Sie wollen nur ins Freie.

Wenn ich Kinder – oder eine Mutter hätt’ –

Wie sie es schreien, ihr Ringelreihe!
Wer möchte ihnen das Spiel verderben.
Aber doch: Jetzt – so – müßten sie sterben



(Joachim Ringelnatz)



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"Autor"  
Nutzer: fratzmausi
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geschrieben am: 06.03.2003    um 06:28 Uhr   
Ein Zitat von Ringelnatz

*Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.*

;-)
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