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geschrieben am: 03.04.2003 um 16:41 Uhr
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Es regnete noch immer, als er die einfache Blockhütte erreichte, die mitten in dem fruchtbaren grünen Tal stand. Er öffnete kurz den Umhang, um an die Tür zu klopfen, ohne wirklich auf Einlass zu hoffen.
Aber die Tür wurde geöffnet, von kräftigen, haarigen Händen über den groben Steinboden gezogen. "Kommen Sie rein!" befahl die Stimme. "Schnell, ehe der Regen mich hinausschwemmt."
"Vielen Dank." Der Wanderer nahm den durchweichten Umhang und wrang ihn aus.
"Es tut gut, ein trockenes Plätzchen zu finden. Ich habe einen langen Weg hinter mir."
"Bei so einem Wetter sind auch nicht viele unterwegs", brummte der Mann und zupfte nervös an seinem Bart.
"Ich bin extra zu Ihnen hierhergekommen."
"Zu mir? Wer sind Sie?"
"Sie dürfen mich Sem nennen. Ich komme von der anderen Seite des Berges."
Der Bärtige blickte ihn an. "Der Name ist mir fremd. Was wollen Sie?"
Sem ließ sich auf einem hellen Stein nieder, der als Sitz diente. "Ich habe gehört, dass sie zwei prächtige Einhörner besitzen, die Sie erst vor kurzem aus Afrika kommen ließen."
"Das stimmt", bestätigte der Mann stolz. "Die einzigen solchen Tiere in diesem Teil der Welt. Ich will eine Zucht aufmachen und die Jungtiere an die Bauern verkaufen."
"Oh?"
"Sie können die Arbeit eines kräftigen Rosses verrichten und sich außerdem mit dem Horn gegen einen Angriff zur Wehr setzen."
"Stimmt", bestätigte Sem. "Ja, das stimmt. Ich . Ich nehme nicht an, dass Sie sich von ihnen trennen würden .?"
"Mich von ihnen trennen! Sind Sie verrückt, Mann? Es hat mich viel Geld gekostet, sie den weiten Weg von Afrika hierherzubringen!"
"Was würden Sie denn für sie verlangen?"
Der Bärtige erhob sich von seinem Steinsitz. "Ich verkaufe sie nicht. Kommen Sie in zwei Jahren wieder, bis dahin haben sie Nachwuchs. Aber lassen Sie sich vorher nicht mehr blicken!"
"Ich muß sie haben, mein Herr!"
"Sie müssen gar nichts haben! Verschwinden Sie, ehe ich meinen Stock nehme und Sie hinauswerfe!" Bei diesen Worten machte der Mann einen drohenden Schritt vorwärts.
Sem trat wieder hinaus in den strömenden Regen und sprang über einen regelrechten Bach, der von einem Hang herabbrauste. Die Tür wurde hinter ihm geschlossen, und er war allein. Er blickte über die Felder, wo etwas wie eine kleine Scheune glitzernd im Regen stand.
Dort drinnen waren sie, das wusste er.
Er stapfte durch das Feld und versank manchmal bis zu den Knöcheln in Lachen schlammigen Wassers. Aber endlich erreichte er die Scheune und betrat sich durch die morsche Tür.
Ja, sie waren hier! Zwei große, schöne Tiere, Pferden sehr ähnlich, aber mit längeren Schweifen und mit diesem schimmernden, gedrehten Horn, das mitten aus der Stirn wuchs. Einhörner - sie gehörten zu den seltensten Geschöpfen Gottes.
Er ging ein bißchen näher an sie heran, versuchte sie aus der Scheune zu locken, ohne sie zu erschrecken. Doch da war ein Geräusch. Er drehte sich um und sah den Bärtigen mit einem kräftigen Stock, den er hocherhoben in den Händen hielt.
"Sie wollen sie mir stehlen!" brüllte der Mann und schlug zu.
Der Stock prallte nur Zentimeter von Sems Kopf entfernt gegen die Wand.
"Hören Sie mir zu, Alter."
"Verrecke, verrecke, du Räuber!"
Doch Sem sprang zu einer Seite, um die bärtige Verkörperung des Zorns herum und durch die offene Tür. Die Einhörner hinter ihm schnaubten verstört und trampelten auf dem Lehmboden.
Sem rannte weiter, rannte fort von der Scheune, fort von dem Mann mit dem Stock, fort von dem fruchtbaren Tal.
Nach mehreren anstrengenden Stunden des Laufens in strömendem Regen über aufgeweichte Hügel erreichte er endlich das Dorf seines Vaters und schritt zwischen den Häusern hindurch zu dem Platz, wo sich Handvoll Leute versammelt hatten. Er sah seinen Vater am Fuß einer hölzernen Einrichtung und ging bedrückt zu ihm.
"Ja, mein Sohn?" Der alte Mann blickte ihm fragend entgegen und öffnete eine lange, feuchte Pergamentrolle.
"Keine Einhörner, Vater."
"Keine Einhörner", wiederholte Noah traurig und strich sie auf seiner Liste aus.
"Das ist wirklich schade. Sie waren so schöne Tiere." |
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