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geschrieben am: 19.02.2002 um 19:34 Uhr
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Homo Homini Lupus Est - Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf
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Vieles war geschehen. Schwere Schläge hatte ihr der Weg des Schicksals zugewiesen, hatte ihr schier unüberwindliche Hindernisse gebaut. Sie hatte alles verloren, was ihr je etwas bedeutet hatte, Familie, Heimat, Freunde. Ziellos irrte sie durch die trotslose Landschaft, blieb hin und wieder stehen und sah sich um.
Ein Schwert und ein Kettenhemd hatte sie dabei, als Schutz, denn man hatte sie schon früh den Umgang mit den Waffen gelehrt. Unter jenem Kettenhemd trug sie nur einfache, dünne, Leinenkleidung. Unbarmherzig blies der kalte Winterwind auf sie ein, ließ sie beben vor Kälte. Es waren nun erst wenige Tage vergangen seit dem Angriff, seit man iher Heimat niedergekämpft und abgebrannt hatte, seit sie ihre Eltern, ihre Nachbarn, den Hof, auf welchem sie lebte, zum letzten Mal sah. Ihre einzige Nahrung zu dieser Zeit waren dir Früchte des Waldes, einige Beeren und Pilze gewesen, zudem das Wasser des Flusses in der Nähe. Dicht an dicht standen die Bäume, ließen kaum das Licht des Tages durch das mächtige Blattwerk dringen, verhießen Dunkelheit, Einsamkeit.
Mit einem leisen Seufzen ließ sie sich nieder, Erschöpfung steckte in all ihren Gliedern, und der Wind, der zwischen den Stämmen entlang kam und sie umspielte, setzte ihr gleichfalls ordentlich zu. Sie betrachtete das chwert schweigend, die Klinge ihres Vaters, die sie im Fliehen an sich nahm, wohlwissend, dass jener sie niemals wieder in die Hand nehmen würde, denn sie hatte gesehen, wie er erdolcht wurde, ebenso ihre Mutter... Keine einzige Träne drang mehr aus ihren Augen, der Schock war vergangen, wenngleich der Schmerz tief steckte und immer wieder hervor drang, so wollte sie nicht mehr weinen. Das Weinen kostete zuviel ihrer Kraft, und so zwang sie sich, es nicht mehr zu tun.
‚Warum geschieht es immer wieder?‘, ging es ihr durch den Kopf... ‚Warum können die Menschen nicht nebeneinander leben wie die Nachbarn in einem Dorf...‘ Jedoch führte sie diesen Gedanken noch weiter und kam zu dem Schluss, dass selbst die Nachbarn, selbst die Familien untereinander nur allzuoft sich gegenseitig spinnefeind waren, dass sie sich nur allzuoft, wenngleich auch manchmal nur mit Worten, immer wieder zu verletzen suchten.
In einiger Distanz heulte ein Rudel Wölfe. Sie sprang wieder auf die Beine, war es Furcht? War es Neugier? Sie zögerte einen Augenblick, doch endlich fasste sie sich ein Herz und lenkte ihre kurzen Schritte in die Richtung, aus welcher das Heulen drang. Nie zuvor hatte sie die Wölfe gesehen, immer hatte man sie gewarnt, es seien wilde Tiere, sie würde eine Begegnung mit jenen nicht überleben. Doch was konnte schon wilder und gefährlicher sein, als iher eigene Art, die Menschen?
Sie schleuderte das Schwert angewidert ins Gebüsch, sollte doch geschehen, was wollte, sie würde sich waffenlos stellen. Die Kälte nagte weiter an ihr, dennoch ging sie entschlossen weiter, wollte sehen, was stimmte von dem, was man ihr erzählt hatte, hatte sie doch ohnehin bereits alles andere verloren, warum nicht jetzt auch noch ihr eigenes Leben..?
Immer lauter hallte der schier melodische Klang des Heulens durch die sonstige Stille des tiefen dunklen Forsts. Alsbald dann, nach einiger Zeit des anstrengenden Marsches, wuchsen die Bäume weniger dicht, wurden immer weniger, bis sich vor ihr eine Lichtung auftat. Eine kleine Lichtung war es, doch groß genug, um das Rudel von etwa zwanzig Wölfen zu beherbergen, schier wunderschöne Tiere waren es, mit herrlichem grauen Fell, wachsamen dunklen Augen, ebenso wachsam aufgestellten Ohren. Der Wind trug ihre Fährte an die Tiere heran, einige kamen auf sie zu, fletschten die Zähne, doch sie blieb regungslos stehen, sah diese herrlichen Geschöpfe an. Sie wusste, dass das Knurren ihr galt, sie wusste, dass sie sich, würde sie irgend etwas falsch machen, auf sie stürzen würden, denn die Wölfe schützten einander. Sie wussten, wie das mit der Gemeinschaft funktionierte, viele Gedanken huschten ihr durch den Geist, als sie unendlich langsam in die hocke ging, den vier Geschöpfen ihr gegenüber nacheinander in die Augen sah. |
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