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geschrieben am: 21.03.2002 um 15:07 Uhr
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mit einem lauten schlag flammten die scheinwerfer auf.
das flutlicht überströmte die bretter, die die welt bedeuten.
das war keine probe, das war blutige realität. und
schweigen, stille, absolutheit herrschte. es war alles
unvermeidlich geworden.
keine unerfüllbaren erwartungen. vielleicht ergebenheit in
das, was nun kommen mußte.
die schauspieler kamen von beiden seiten her auf die bühne.
sie trugen keine schminke, und sie sahen so aus wie immer,
ganz alltäglich in ihren straßenschuhen.
einige von ihnen blieben im hintergrund stehen. und wenn
jemand genau hinsah, dann konnte er feststellen, daß es
genau die waren, die lächelten.
es waren viele. sehr viele. genau genommen hätte man sie
nicht zählen können. die akteure in diesem stück, welches
mein leben bedeutet; man konnte sie zwar alle im blickfeld
behalten, doch wenn man genauer hinsah, dann schienen
sie zu verschwimmen. es war als seien sie gar nicht
greifbar.
wo war eigentlich das orchester? ah. richtig. das hatte
ich ja fortgeschickt. die schauspieler hatten sich jede
ablenkung verbeten. es war allein ihr tag. sie waren
als sie selbst gekommen.
sie sahen verhärmt aus im gnadenlosen licht. so fühlte ich
mich immer, wenn ich morgens aufstand und viel lieber
im dunkeln geblieben wäre. und auch, wenn ich das dunkle
nicht mehr ertrug. manchmal machen wir das licht nicht nur
an, um manche dinge besser zu sehen. manchmal machen
wirs auch an, um manche dinge NICHT zu sehen.
einige der schauspieler traten abwechselnd nach vorne.
sie sahen wütend aus, verletzt, und traurig. richtige
kellerkinder. und sie begannen zu erzählen, von unendlichem
leid. von einsamkeit. von tränen aus blut, die man
im herzen weint.
und die anderen, die, die lächelten, hielten sich zurück.
als haß an der reihe war, beschränkte er sich darauf,
mich bitter anzusehen, und wortlos wieder zurückzutreten.
mann, als ob ich das nicht gewußt hätte!
trauer mußte man wegbringen, weil sie nicht mehr aufhörte
zu weinen. wut randalierte auf der bühne und schaffte es,
einen scheinwerfer zu demolieren. verzweiflung brach
zitternd zusammen und mußte in ein krankenhaus. liebe
huschte irgendwo mit lampenfieber herum und zog es vor,
sich hinter dem vorhang zu verstecken.
als die ganze chose vorbei war, stand ich auf von meinem
mit rotem samt bezogenenen polstersessel. das licht blendete
ab. die schauspieler verließen ungeordnet die bühne. müde,
so über alle maßen müde, hob ich die hände und zollte
ihnen reskept. ich klatschte.
als dann im saal das licht wieder anging, ein milderes,
und ich mich umdrehte, da sah ich, daß ich ganz
allein bei meiner eigenen premiere gewesen war. ich
ließ meinen blick schweifen.
tränen hatte ich keine mehr, die hatte trauer alle
aufgebraucht. mit einem seufzen setzte ich mich einfach
wieder hin und wartete, bis das licht ausging, weil ich
die stromrechnung nicht bezahlt habe.
es war das einzige, was ich tun konnte.
Geändert am 21.03.2002 um 16:30 Uhr von Engelsfall |
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