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Niemals ein Mörder! |
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geschrieben am: 23.03.2002 um 15:29 Uhr
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ein hackedürer von erich fried
er wollte sich halten
an die worte der großen meister
albrecht dürer sagte:
der ideale akt soll bestehen
aus dem gesicht der einen
und den brüsten der zweiten frau
den beinen einer dritten
und einer vierten schultern
den händen einer fünften
und so weiter
er hat versucht
sich nach dürers vorschrift zu richten
und sein modell
entsprechend zu präparieren
es ging ihm um die verklärung
des bildes der frau an sich
und überwindung
der nur wirklichen einzelnen frauen
darum ist es ein grausamer irrtum
ihn hackepeter zu nennen
ein künstler und schönheitssucher
kann niemals ein mörder sein |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 23.03.2002 um 15:39 Uhr
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als ich mich nach dir verzehrte von erich fried
1
ich liege
auf dem rücken
und mir zugleich
am herzen
im magen
und mit mir selbst in den haaren
ich muss mich also
zuerst
gefressen haben
mit herz und haaren
um jetzt
im magen liegen zu können
tatsächlich fand ich
unter meinen nachrufen einen
in dem es heißt:
"er verzehrte sich
angesichts
unserer welt"
daraus erhellt
dass unsere welt
dabei war
und als augenzeugin
die verzehrung
bestätigen kann
nun wüsste ich gerne
wessen inhalt
mein magen jetzt ist
wenn ich
dessen inhalt er war
jetzt sein inhalt bin
2
wenn ich mich
nach dir
verzehre
heißt das
ich habe zuerst
als hauptgericht
dich verzehrt
und mich dann
als nachtisch
oder warst du
die suppe
und ich
bin das fleisch?
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| "Autor" |
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geschrieben am: 23.03.2002 um 15:46 Uhr
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englische besonderheiten von erich fried
in england heißt die sodomie
bestialismus
liebe mit tieren
wird bestialisch genannt
daher müsste man einen hund
der seine herrin liebt
was in england vorkommt
als humanisten bezeichnen |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 23.03.2002 um 16:42 Uhr
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morgue von gottfried benn
I kleine aster
ein ersoffener bierfahrer wurde auf den tisch gestemmt.
irgendeiner hatte ihm eine dunkelhelllila aster
zwischen die zähne geklemmt.
als ich von der brust aus
unter der haut
mit einem langen messer
zunge und gaumen herausschnitt,
muss ich sie angestoßen haben, denn sie glitt
in das nebenliegende gehirn.
ich packte sie ihm in die brusthöhle
zwischen die holzwolle,
als man zunähte.
trinke dich satt in deiner vase!
ruhe sanft,
kleine aster!
II schöne jugend
der mund eines mädchens, das lange im schilf gelegen hatte,
sah so angeknabbert aus.
als man die brust aufbrach, war die speiseröhre so löcherig.
schließlich in einer laube unter dem zwerchfell
fand man ein nest von jungen ratten.
ein kleines schwesterchen lag tot.
die anderen lebten von leber und niere,
tranken das kalte blut und hatten
hier eine schöne jugend verlebt.
und schön und schnell kam auch ihr tod:
man warf sie allesamt ins wasser.
ach, wie die kleinen schnauzen quietschten!
III kreislauf
der einsame backzahhn einer dirne,
die unbekannt verstorben war,
trug eine goldplombe.
die übrigen waren wie auf stille verabredung
ausgegangen.
den schlug der leichendiener sich heraus,
versetzte ihn und ging für tanzen.
denn, sagte er,
nur erde soll zur erde werden.
IV negerbraut
dann lag auf kissen dunklen bluts gebettet
der blonde nacken einer weißen frau.
die sonne wütete in ihrem haar
und leckte ihr die hellen schenkel lang
und kniete um die bräunlichen brüste,
noch unentstellt durch laster und geburt.
ein nigger neben ihr: durch pferdehufschlag
augen und stirn zerfetzt. der bohrte
zwei zehen seines schmutzigen linken fußes
ins innere ihres kleinen weißen ohrs.
sie aber lag und schlief wie eine braut:
am saume ihres glücks der ersten liebe
und wie vom aufbruch vieler himmelfahrten
des jungen warmen blutes.
bis man ihr das messer in die weiße kehle senkte
und einen purpurschurz aus totem blut
ihr um die hüfte warf.
V requiem
auf jedem tisch zwei. männer und weiber
kreuzweis. nah, nackt, und dennoch ohne qual.
den schädel auf. sie brust entzwei. die leiber
gebären nun ihr allerletztes mal.
jeder drei näpfe voll: von hirn bis hoden.
und gottes tempel und des teufes stall
nun brust an brust auf eines kübels boden
begrinsen golgatha und sündenfall.
der rest in särge. lauter neugeburten:
mannsbeine, kinderbrust und haar vom weib.
ich sah, von zweien, die dereinst sich hurten,
lag es da, wie aus einem mutterleib.
"[...]wütend klappert und knirscht mit den backen
der tod und schleicht in die krebsbaracken."
mann und frau gehn durch die krebsbaracke
der mann:
hier diese reihe sind zerfallene shöße
und diese reihe ist zerfallene brust.
bett stinkt bei bett. die schwestern wechseln stündlich.
komm, hebe ruhig diese decke auf.
sieh, dieser klumpen fett und faule säfte,
das war einst irgendein mann groß
und hieß auch rausch und heimat.
komm, sieh auf diese narbe an der brust.
fühlst du den rosenkranz von weichen knoten?
fühl ruhig hin. das fleisch ist weich und schmerzt nicht.
hier diese blutet wie aus dreißig leibern.
kein mensch hat soviel blut.
hier dieser schnitt man
erst noch ein kind aus dem verkrebsten schoß.
man läßt sie schlafen. tag und nacht. - den neuen
sagt man: hier schläft man sich gesund. -nur sonntags
für den besuch lässt man sie etwas wacher.
nahrung wird wenig noch verzehrt. die rücken
sind wund. du siehst die fliegen. manchmal
wäscht sie die schwester. wie man bänke wäscht.
hier schwillt der acker schon um jedes bett.
fleisch ebnet sich zu land. glut gibt sich fort.
saft schickt sich an zu rinnen. erde ruft.
Geändert am 23.03.2002 um 16:43 Uhr von Thea666 |
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